AWS verspricht mehr Kontrolle über Cloud-Daten

29. November 2022, 15:08
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Foto: Koshiro K / Shutterstock

An der Reinvent in Las Vegas hat AWS angekündigt, Souveränitäts-Kontrollen und -Funktionen in der Cloud bereitzustellen.

Google, Oracle, Microsoft – Die souveräne Cloud ist ein heisses Thema für die Kunden der Hyperscaler. Das Versprechen: Kontrolle darüber haben, wie und wo Daten gespeichert, gehandhabt und gesichert werden. Die grossen US-Konzerne arbeiten deswegen an Cloud-Diensten mit besonderen Kontrollmöglichkeiten. Nun hat AWS im Rahmen der Hausmesse Reinvent angekündigt, ebenfalls auf den Zug der "Digital Sovereignty" aufzuspringen.

Datenschutz "ohne Kompromisse"

Die Cloud sei im Mainstream angekommen, schreibt AWS in einem Blogbeitrag. Sowohl Gesetzgeber als auch Regulatoren entwickeln ihre Vorgaben zu IT-Sicherheit und Datenschutz stetig weiter. "Kontrolle über digitale Ressourcen ist heute wichtiger denn je", lässt sich Matt Garman, Leiter Sales, Marketing und Global Services bei AWS, zitieren.
AWS-Kunden würden aufgrund der Regelungen vor eine Wahl gestellt: Entweder die volle Funktionalität und Innovationskraft von AWS nutzen, oder auf funktionseingeschränkte "souveräne" Cloud-Lösungen zurückgreifen. Mit dem neuen "Digital Sovereignty Pledge" verspricht der Tech-Konzern Datenschutz "ohne Kompromisse".
Für Experten eine Handlung unter Zugzwang. "AWS musste auf die Ankündigungen von Microsoft und Google reagieren", sagte Gartner-Analyse René Büst gegenüber 'Handelsblatt'. An der Inspire 2022 stellte Microsoft etwa die "Cloud for Sovereignty" vor. Diese ermögliche es den Kunden des öffentlichen Sektors, Workloads in der Cloud zu erstellen und dabei gleichzeitig Themen wie Governance, Sicherheit, Transparenz und souveräne Technologie abzudecken.

Vage Ankündigung

In der Ankündigung verspricht AWS Kontrolle über den Ort der Datenspeicherung, verifizierbare Kontrolle über Datenzugriffe, die Möglichkeit der Datenverschlüsselung und Cloud-Resilienz. Die detaillierten Veränderungen lässt der Tech-Riese aber noch im Unklaren. Man wolle nun noch mehr Dienste und Funktionen für den Datenschutz anbieten, heisst es im Blogbeitrag lediglich. "Ebenso verpflichten wir uns, noch granularere Kontrollen für Datenresidenz und Transparenz auszubauen. Wir werden auch zusätzliche Kontrollen für Daten einführen, die insbesondere die Bereiche Identitäts- und Abrechnungsmanagement umfassen." Wörter wie "flexibel" und "innovativ" werden rege gebraucht, konkretisiert wird aber nicht.
Die Cloud-Bedenken werden weiterhin hiesig diskutiert. Immer mehr Kunden verlangen die Einhaltung ihrer lokalen Vorschriften. Accenture hat im April beispielsweise eine Sovereign-Cloud-Praxis mit 4 Sovereign-Cloud-Zentren in Europa ins Leben gerufen. Auch Oracle verkündete an seiner Hausmesse die Idee einer souveränen Cloud-Region für EU-Kunden und eine Art private Public Cloud. Die EU-Kommission verhandelt derzeit mit der USA über ein Abkommen, das einen neuen Rahmen für den transatlantischen Datenaustausch definieren soll.

AWS hinkt hinterher

Auch Microsoft und Google tüfteln an einer Lösung. Sie wollen Angebote, bei denen sie die Cloud-Technologie lediglich zuliefern – um den Betrieb der Rechenzentren kümmern sich europäische IT-Dienstleister selbstständig.
Laut René Büst hinkt AWS den Konkurrenten hinterher. "Der Cloud-Anbieter macht den Fehler, digitale Souveränität ausschliesslich mit Datensicherheit und Datenschutz gleichzusetzen", so der Gartner-Analyst. Dabei umfasse digitale Souveränität deutlich mehr, wie auch Bernd Wagner, Managing Director bei Google Cloud in Deutschland, erklärt. Digitale Souveränität ist neben der Datenhoheit auch "die Handlungsfähigkeit in einer digitalisierten Zukunft in den eigenen Händen zu behalten". Dabei spiele nicht nur die Sicherheit eine grosse Rolle, sondern auch optimierte Software, moderne und energieeffiziente Hardware und nicht zuletzt die Beherrschbarkeit der damit verbundenen Kosten. Bei der Digital Sovereignty ist neben der Datenkontrolle zudem auch wichtig, wer die Technologie entwickle und wer das RZ betreibt, wie René Büst weiter erläutert.

Softwareone erlangt höchste Partnerstufe

Zu den weiteren Ankündigungen gehört die Bekanntgabe einer neuen Partnerstufe zwischen AWS und dem IT-Dienstleister Softwareone. Das Stanser Unternehmen ist neu Premier Tier Services Partner, so eine Mitteilung. Das ist die höchste Stufe im AWS-Programm.
Erst im Januar hatte Softwareone eine mehrjährige strategische Kooperationsvereinbarung mit AWS unterzeichnet. Mittlerweile verfüge das Unternehmen über 600 AWS-Zertifizierungen und habe eine Fülle von Kompetenzen, Fähigkeiten und Mitgliedschaften im AWS-Partnerprogramm zu seinen Referenzen hinzugefügt, darunter Financial Services Comeptency, Marketplace Skilled Consulting Partner Program sowie Public Sector Partner Program.

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