Base4Kids2: Bern sucht nach halbem Jahr noch immer Leitung für die Schulinformatik

9. Juni 2022, 10:14
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Das Schul-IT-Projekt der Hauptstadt steht schon lange unter einem schlechten Stern. Foto: Andreas Fischinger / Unsplash.

Die Leiterin des Schulamtes sagt, Base4Kids2 sei auf Kurs. Im August soll MS365 für alle Schulen zur Verfügung stehen. Noch muss das Projekt aber extern betreut werden.

Das skandalträchtige Schul-IT-Projekt Base4Kids2 kämpft offenbar weiter mit Personalproblemen. Auch ein halbes Jahr nach dem Abgang des Product Owners Patrick Gerber hat das Schulamt noch keinen Nachfolger für seine Position gefunden. "Leider kam es in der ersten Ausschreiberunde trotz guter Bewerbungslage zu keiner definitiven Anstellung", erklärt Luzia Annen, die Leiterin des Schulamtes, auf unsere Anfrage. Deshalb wird das schwierige Projekt weiterhin interimistisch vom externen IT-Dienstleister Mabuco unterstützt, der im Oktober 2020 einen Bericht mit schweren Vorwürfen zum Base4Kids-Projekt erstellt hatte.
Product Owneer Gerber hatte im Januar 2022 noch in der Probezeit gekündigt – aus persönlichen Gründen, wie er uns damals erklärte. Mit ihm ging auch der Applikationsverantwortliche, für den in Bern nun ebenfalls eine Nachfolge gesucht wird. Beide Profile wurden aber angepasst und um berufliche Ausbildungen und Erfahrungen ergänzt, sagt Schulamtleiterin Annen. Mittlerweile wurden die Stellenbeschreibungen auf "Leitung Schulinformatik im Schulamt" und "Plattformverantwortlicher" umgeschrieben und unter anderem pädagogische Kenntnisse als Anforderung integriert.
Annen schreibt, das Projekt sei nun auf Kurs. Am 15. August werde Microsoft 365 ausgerollt und für alle Schulen zugänglich sein. Im Verlauf des Schuljahres 2022/23 sollen dann die Schulteams eine Weiterbildung erhalten. Der Umstieg von der Open-Source-Lösung Libreoffice auf die proprietäre Software von Microsoft war eine der Konsequenzen aus dem Projekt-Debakel, das für grosses Aufsehen gesorgt hatte.
Die chaotische Einführung und das Versagen einiger Software-Komponenten der neuen Schulinformatik Base4kids2 hat nicht nur Mehrkosten in Millionenhöhe verursacht, sondern der Stadt Bern auch einen schwerwiegenden Vertrauensverlust beschert. Mittlerweile wurde das Debakel in drei Berichten untersucht, die politische Debatte läuft. Erst Ende April hatte sich Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried persönlich für die Misere entschuldigt, die auch den Schulbetrieb belastet und in der Lehrerschaft für Empörung gesorgt hat.
Für Base4kids2 sprach das Volk 2018 insgesamt 24 Millionen Franken. Die Stadt wollte eine schweizweit einmalige Schulplattform entwickeln. Doch die Realität des "Leuchtturmprojekts" sah rasch anders aus. Drucken war schier unmöglich, Geräte stellten von allein ab, Dokumente waren mitunter kaum zu bearbeiten. Lehrkräfte kritisierten, ein vernünftiger Unterricht sei nicht möglich.

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