Bei Lloyd's of London kann man neu gegen Cyber­angriffe wetten

10. Januar 2023, 10:46
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Adrian Cox, CEO von Beazley. Foto: Linkedin

Mit einer Katastrophenanleihe für Cyberbedrohungen will der britische Versicherungskonzern Beazley eine Absicherung für grössere Versicherungsfälle schaffen.

Anfang Jahr sagte Mario Greco, CEO von Zurich Insurance in einem Interview, dass Cyberangriffe in Zukunft wohl "unversicherbar" werden. Die sprunghaft angestiegenen Schäden hätten die Versicherer dazu veranlasst, ihre Risiken zu begrenzen. Er forderte deshalb, dass ein "privat-öffentliches System" geschaffen wird, um solche Ereignisse abzudecken. Eine ähnliche Forderung stellte der Schweizer Rückversicherer Swiss Re bereits im November des vergangenen Jahres.
In der Privatwirtschaft scheint man nun den Bedarf nach einem ent­sprech­enden Finanzprodukt erkannt zu haben: Gemäss 'Financial Times' (Paywall) hat der britische Versicherungskonzern Beazley an der Versicherungsbörse Lloyd's of London die erste Katastrophenanleihe für Cyberbedrohungen herausgegeben. Der sogenannte Catastrophe Bond hat ein Volumen von 45 Millionen Dollar und wird mit einem nicht öffentlich bekannten Zinssatz vergütet. Die Gesamtsumme soll ausbezahlt werden, wenn die Ansprüche aus einem Cyberangriff 300 Millionen Dollar übersteigen.
Katastrophenanleihen funktionieren ähnlich wie normale Anleihen, indem sie den Anlegern einen oftmals variablen Zinssatz bezahlen und das Kapital bei Fälligkeit wieder zurückgeben. Die Anleger können jedoch einen Teil oder ihr gesamtes Geld verlieren, wenn bestimmte, genau definierte Ereignisse eintreten. In der Regel beziehen sich diese Auslöser auf die Höhe der Schäden durch Terroranschläge, Erdbeben, Wirbelstürme oder andere extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen.

Billionen statt Milliarden

Mit der neuen Anleihe will sich Adrian Cox, CEO von Beazley, einen Zugang zu grösseren Kapitalquellen verschaffen. "Damit wird ein Pool erschlossen, der eher Billionen als Hunderte von Milliarden Dollar umfasst und uns die Mög­lich­keit gibt, uns abzusichern und zu wachsen", so der CEO gegenüber dem Finanzblatt. Er hoffe zudem, das "neue Instrument" so zu skalieren, dass irgendwann ein Rückversicherungsschutz im Wert von mehreren Milliarden Dollar angeboten werden kann.
Der Beazley-Chef widersprach auch gewissen Ansichten von Zurich-CEO Mario Greco: "Die Teile der Cyber-Versicherung, die für die Versicherungs­branche zu gross sind, sind sehr spezifisch und machen nur einen kleinen Teil des gesamten Risikos aus", sagte er. Entsprechend konnte er auch nicht einen kleinen Seitenhieb an seinen Kollegen verzichten: "Ich würde eher betonen, was die Versicherung kann, als was sie nicht kann."

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