BIZ macht Vorschläge für Bigtech-Regulierungen

5. Oktober 2022, 14:03
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Der BIZ-Tower in Basel im Jahr 1978. Foto: Hans Krebs / ETH-Bilderarchiv / Lizenz: CC BY4.0

Damit die grossen Tech-Unternehmen im Finanzbereich keine marktbeherrschende Stellung einnehmen können, werden im Institut zwei verschiedene Ansätze diskutiert.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ein Working-Paper veröffentlicht, dass aufzeigt, wie die Finanzdienstleistungen von Bigtech-Unternehmen in Zukunft reguliert werden könnten. Technologische Innovationen hätten zu verschiedenen neuen Produkten, Vertriebskanälen und Anbietern auf dem Finanzmarkt geführt, steht im Abstract des Papiers. Dies bringe sowohl eine Reihe von Chancen als auch Risiken mit sich, die durch politische Massnahmen angegangen werden müssen, schreiben die Autoren.
Als grösstes Risiko sieht das Arbeitspapier die Fähigkeit zur Nutzung von zusätzlichen Kundendaten, welche Bigtech-Konzerne durch Finanzservices erhalten. Damit könnten sich die Technologie-Unternehmen mit ihrer Vielzahl an Dienstleistungsangeboten einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, indem sie die Daten von Finanz- und Nicht-Finanz-Dienstleistungen miteinander kombinieren. Dies könnte schlussendlich auch zu einer Konzentration bei der Erbringung von Finanzdienstleistungen für die Öffentlichkeit oder von Technologiedienstleistungen für Finanzinstitute führen, befürchten die Autoren.
In der Folge könnten die Bigtech-Unternehmen sogar zur Bedrohung für die Finanzstabilität werden, heisst es von der Vereinigung der Zentralbanken weiter.
Zwei Regulierungsansätze
Diese Herausforderungen würden heute noch nicht bewältigt werden können, schreibt die BIZ und bringt deshalb zwei Regulierungsvorschläge hervor: Der erste ist eine strikte Trennung von finanziellen und nicht-finanziellen Aktivitäten, indem spezifische Regeln zur Abgrenzung von Geschäftsbereichen vorgeschrieben werden. Ein Alternative dazu würde darin bestehen, eine neue regulatorische Kategorie für grosse Technologiekonzerne mit bedeutenden Finanzaktivitäten zu schaffen.
Die Unternehmen würden damit als Ganzes einer Aufsicht unterliegen, einschliesslich ihrer Muttergesellschaften. Somit könnten Kontrollen feststellen, ob tatsächlich keine konzerninternen Abhängigkeiten zwischen finanziellen und nicht-finanziellen Tochtergesellschaften bestehen. Das Papier (PDF) zeigt eine Reihe von Anforderungen, die erfüllt werden müssten, damit dies erreicht werden könnte.
Während der Ansatz der Abtrennung wohl einfacher und mutiger wäre, würde der Ansatz der Einbeziehung auch individuelle Optionen bieten, um spezifische Risiken im Zusammenhang mit den Geschäftsmodellen der Bigtech-Unternehmen anzugehen, schreibt die BIZ. In jedem Fall würde jedoch für die internationale Gemeinschaft ein klarer Bedarf für die Entwicklung von Leitlinien zur Regulierung bestehen.

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