BIZ nimmt Datensammelwut von Big Tech ins Visier

6. Mai 2022, 10:02
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Foto: Nathan Dumlao / Unsplash

Forschende der Dachorganisationen der Zentralbanken wollen von Regierungen neue Data-Governance-Systeme. Sie möchten Nutzenden die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) will Privatpersonen und Firmen mehr Kontrolle über persönliche Daten einräumen, die auf sozialen Medien, aber auch von Banken und Big Tech gesammelt werden. Die Dachorganisation der Zentralbanken hat ein entsprechendes Paper veröffentlicht. Die Verbraucher wüssten oft nicht, welchen Nutzen ihre Informationen hätten, schreiben die Autoren. Zudem falle es Usern schwer, ihre Rechte in Sachen Erhebung, Verarbeitung und Weitergabe der Daten geltend zu machen.
Die BIZ mit Sitz in Basel möchte von Behörden nun neue Data-Governance-Systeme. In diesen soll festgelegt sein, welche Daten ausgetauscht werden, wie lange sie gelagert werden und wer sie verarbeiten darf. Zugleich soll eine technische Infrastruktur geschaffen werden, dank der Vorschriften einfach umgesetzt werden können. Zudem fordern die BIZ-Autoren: Wenn Daten gesammelt werden, sollen die Sammler genauer erklären, wofür diese gebraucht werden und die klare Zustimmung der User einholen müssen. Zudem sollen die Anwender leicht auf ihre Daten zugreifen können.
Es gebe mit der DSGVO in Europa zwar ein ausführliches Regelwerk, dieses sehe aber die persönliche Einwilligung nach wie vor als wesentliche Grundlage für die Datenverarbeitung, so die BIZ-Autoren. Tech-Plattformen könnten so weiteroperieren wie bislang, wenn sie zuvor die Zustimmung eingeholt hätten. Das sei aber problematisch: Kunden würden schon zur pauschalen und weitreichenden Zustimmung aufgefordert, wenn sie sich erst für den Service eines Anbieters anmelden. Zudem seien diese sich in vielen Fällen dem vollen Umfang ihrer Daten nicht bewusst.
Mehr Kontrolle erhoffen sich die BIZ-Autoren dank 5 Kernpunkten bei der Datenverarbeitung:
  1. Zweckbindung: Der Zweck der Datenweitergabe muss klar und deutlich beschrieben werden.
  2. Datenminimierung: Es sollen nur so viele Daten wie unbedingt nötig weitergegeben werden.
  3. Beschränkung der Aufbewahrung: Es soll sichergestellt werden, dass Daten nicht länger als nötig genutzt werden.
  4. Nutzungsbeschränkung: Daten dürfen nur für den Zweck verwendet werden, für den sie weitergegeben wurden.
  5. Betriebssicherheit: Gewährleistung der Sicherheit der Daten.
Die BIZ mit Sitz in Basel ist einflussreich, ihr gehören die 63 wichtigsten Zentralbanken und Finanzorganisationen an. Die aktuelle Analyse wurde indes von der Forschungsabteilung mit Hilfe externer Autoren und nicht von der operativen Führung veröffentlicht. Das "BIS Paper" (PDF) zeigt aber, wie weit die Besorgnis über die Datensammlungswut gediehen ist.

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