Bundesrat sieht keinen extra Handlungsbedarf wegen IT-Fachkräftemangel

24. November 2022 um 13:35
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Foto: Andreas Fischinger / Unsplash

Die Schweizer Regierung beantwortet mehrere Vorstösse zum Thema abschlägig. Anlass zur Debatte gab die Begründung der Post für IT-Nearshoring.

Greta Gysin, Nationalrätin der Grünen Partei, wollte im Sommer vom Bundesrat wissen, welche Massnahmen er wegen des Fachkräftemangels im ICT-Sektor vorsehe. Eine Interpellation zu konkreten Massnahmen in der Sache beantwortete die Regierung im August aber abweisend und zählte bereits laufende Programme der Organisationen der Arbeitswelt (OdA) auf. Die Förderung von Fachkräften liege im Interesse der ICT-Firmen und der OdA, die Massnahmen würden primär diesen obliegen, der Bund unterstütze sie dabei. "Der Bundesrat sieht deshalb keinen zusätzlichen Handlungsbedarf", hiess es abschliessend.
Damit war Gysin aber nicht zufrieden, im September reichte sie eine Anfrage ein. Anlass dazu bot eine Ankündigung der Schweizerischen Post: Diese gründet einen Nearshoring-Standort für IT-Entwicklung in Portugal. Bis zu 120 Informatikerinnen und Informatiker sollen dort mittelfristig arbeiten. Als Grund nannte der Gelbe Riese den Fachkräftemangel in der Schweiz. Das hatte bereits für Diskussionen im Parlament gesorgt. In der Fragestunde hatte der Bundesrat gegenüber einem FDP- und einem SVP-Politiker erklärt, man wolle nicht ins operative Geschäft der Post eingreifen. Zudem gebe es keine Personalverlagerung, die Post schaffe rund 200 IT-Arbeitsplätze in der Schweiz.
Nun nahm der Bundesrat auch gegenüber Gysin Stellung. In Sachen Post wiederholte die Regierung ihre Einschätzung und ergänzte: Der Fachkräftemangel sei ein internationales Phänomen. "Der Bund sorgt mit guten Rahmenbedingungen dafür, dass sich Aus- und Weiterbildungsangebote auf Veränderungen in der Nachfrage nach unterschiedlichen Qualifikationen anpassen können", heisst es in der Antwort weiter. Ob das ausreicht, darf bezweifelt werden, nach Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsstudien Basel (IWSB) braucht die Schweiz bis 2030 fast 120'000 zusätzliche ICT-Fachkräfte. Beim aktuellen Tempo fehlen dann bis zu 38'700 Personen für die ICT-Branche.

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