Channels-Forum: Wieder weg von der Ich-AG

27. Mai 2022, 13:10
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Podiumsdiskussion zwischen Reto Vogt, Chefredaktor Inside IT sowie Gertrud Hierzer, Adrian Müller und Simon Boss. Alle Fotos: Nao Lötscher

Das diesjährige Inside Channels Forum fokussierte auf den IT-ler von morgen und fragte, was Firmenkultur und Nachfolgeregelung damit zu tun haben.

Das Personal in der IT agiert heute als Knowledge-Worker und lebt deshalb von der Kommunikation. Mit dieser These hat im Zürcher Kino Kosmos HP-Schweiz-CEO Adrian Müller für den Abschied vom Arbeiten im Pandemiemodus plädiert.
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In gemütlicher Kino-Atmosphäre gabs Popcorn und Informationen von Branchenexperten.
Vor rund 100 Playern des hiesigen Channels erinnerte er daran, dass die Branche nach wie vor von den Social Credits der Vor-Corona-Zeit lebe, als Netzwerken und der reale Kontakt noch zum Alltag gehörten. Hinter uns lägen nun aber fast 2 Jahre als Ich-AG, also der mehr oder weniger grossen Vereinsamung im Homeoffice. Deshalb sei es wieder an der Zeit, die direkten Beziehungen aufzubauen, mahnte Müller die Versammelten.

In eigener Sache

Unser Dank gilt allen Besucherinnen und Besuchern, den Keynote-Speakern Gertrud Hierzer, Adrian Müller und Simon Boss sowie unseren Sponsoren Cisco, Dell, Ingram Micro und Tech Data.
Ganz ähnlich betonte dann auch Gertrud Hierzer, dass die IT-ler heute Berater werden müssen, selbst wenn sie es nicht wollen. Die Kinobesucher, mit Popcorn ausgerüstet, wurden von Hierzer daran erinnert, dass Digitalisierung kein Thema von heute ist, sondern eins von gestern, und es heute nicht mehr ohne Vernetzung gehe. Zudem warnte auch die HR-Chefin von T-Systems in der Alpine-Region davor, dass im Homeoffice der soziale Kitt verloren gehen könnte. Unternehmen müssten die Kreativität ihrer Mitarbeitenden fördern, indem sie ihre Jobs "cool" und spannend machen, Wertschätzung vermitteln und Abschied nehmen von allzu engen Job-Grenzen. Innovation brauche Mitarbeitende, die viel Freiheit geniessen. Das heisse, so Hierzer weiter, diese Freiheit auch gegenüber dem vielleicht kurzfristigerem Denken aus der Chefetage zu verteidigen. Es müsse darum gehen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man gerne arbeiten wolle. So gäbe es dann auch keine faulen Mitarbeitenden mehr, folgerte Hierzer. Wichtig sei dies aber auch in Zeiten des Fachkräftemangels und des War of Talents, wo mit teils absurden Gehältern oder Rundum-sorglos-Paketen um Mitarbeitende gebuhlt werde.
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HP-Schweiz-CEO und Swico-Präsident Adrian Müller
Aufschlussreich war, dass laut dem HP-Mann die wirkliche Umsetzung des hybriden Arbeitsmodells noch nicht geschafft sei. Nur schon die Beteiligten an einem Meeting von daheim, unterwegs oder im Office einzubinden dauere noch zu lange. Und bei der Definition einer Rolle für das jeweilige Arbeitsmodell würden die privaten Verhältnisse noch viel zu wenig berücksichtigt. Der für Homeoffice prädestinierte Software-Entwickler arbeitet – weil Single – vielleicht ganz gerne im Büro, ebenso wie eine Mutter, die beim Programmieren hin und wieder den Abstand zur Familie geniesst.
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Gertrud Hierzer, HR-Chefin bei T-Systems Alpine
Wie Hierzer forderte übrigens auch Müller, die Intensität der Büroarbeit gerade auch bei der Kommunikation zu steigern. Bei HP Schweiz seien dazu die Büros umgebaut und Begegnungszonen geschaffen worden. Man kann je 2 Tage im Büro und daheim arbeiten und am 5. Tag den Arbeitsort frei wählen. Welche Auswirkungen das Fehlen direkter Kontakte hat, illustrierte Müller am Beispiel der einen oder anderen Neuanstellung in der Pandemiezeit. Mancher Neuling sei schnell wieder gegangen, weil er viel zu wenig in die Firmenkultur eingebunden worden sei.
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Simon Boss, CEO und VRP von Boss Info.
Wie sehr Kommunikation und Firmenkultur das Leben des Unternehmers bestimmt, der seine Nachfolge regeln will, hat den Channel-Spezialisten in den Kinosesseln schliesslich Simon Boss erzählt. Der CEO und Verwaltungsratspräsident seiner Boss Info erzählte zunächst, wie in den letzten Jahren der hiesige Microsoft-Dynamics-Markt auf noch knapp eine Handvoll Spezialisten schrumpfte. Er erzählte weiter von den Mühen, einen Nachfolger zu finden, von täglichen Übernahmeangeboten ("mindestens 5 pro Tag") und wie anspruchsvoll es ist, ein Unternehmen zu kaufen. In seinen kurzweiligen Ausführungen erläuterte Boss aber nicht nur die Balance zwischen Verschwiegenheit und Transparenz in Firmenkaufgesprächen. Er nahm das Thema Wertschätzung von Hierzer auf, betonte dabei allerdings das "Bleibe-Gespräch". Man erfuhr also von einem Schweizer Unternehmer eine proaktive Variante, um attraktiv für Mitarbeitende zu sein und zugleich gegen den Fachkräftemangel vorgehen zu können.
Beim Apero im Foyer des Kinos war dann übrigens nichts von der Pandemie-Ich-AG zu spüren. Channelplayer im Gespräch wie seit eh und je:
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