Cloud-Migration beschäftigt SAP-Anwender

3. Mai 2022, 15:14
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Sebastian Westphal, DSAG-Fachvorstand Technologie. Foto: DSAG

Die Migration in die Cloud findet fast ausschliesslich hybrid statt, deshalb fordert die DSAG von SAP ein adaptives Preismodell und eine verbesserte Security.

In Düsseldorf finden derzeit die ersten physischen DSAG-Technologietage seit der Corona-Pause unter dem Motto New Normal statt. Die Pandemie habe die Geschäftstransformationen an vielen Stellen beschleunigt und es zeige sich, dass diese Entwicklungen je länger je mehr zu einer neuen Realität führen, schreibt der Verband der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG).
Mit seiner Cloud-first-Strategie habe sich SAP ein umfangreiches Trans­for­mations­programm auferlegt, lässt der Verband an der Pressekonferenz zur Veranstaltung verlauten. Für die Zukunft gelte es deshalb neue Plattformen und Services aufzubauen und auch das Produktportfolio entsprechend auszurichten. Dazu gehört für die DSAG auch der Weg in die Cloud, welcher als "wichtig und richtig" bezeichnet wird.

Cloud-Migration gibt viel zu tun

Durch Free-Tier-Angebote für die Business Technology Platform (BTP) werden die Cloud-Services von SAP den Kunden schmackhaft gemacht. Bis eine vollständige Migration allerdings abgeschlossen werden kann, gebe es auch auf Seiten von SAP noch einiges zu tun: Unter anderem soll es für sämtliche Cloud-Services eine Testversion geben und das On- und Off-Boarding der abgerufenen Dienstleistungen soll schneller erfolgen.
Ebenfalls hilfreich wäre gemäss der DSAG eine zentrale Lösung, um Alt­systeme bei der Migration in die Cloud anbinden zu können, zum Beispiel durch die Erweiterung mit einem API-Business-Hub. "Alles in allem wird die Adaption der Cloud-Services in den Unternehmen nur dann zu steigern sein, wenn sie mittels hybrider Architekturen in die Cloud einsteigen können", ist Sebastian Westphal, DSAG-Fachvorstand Technologie, überzeugt.

Adaptives Preismodell gefordert

Die Anforderungen an das Analytics-Portfolio wurden bereits bei den Technologie­tagen 2021 von der DSAG dargelegt. Ein Jahr später sei die Integration in bestehende Cloud-Lösungen wie die Cloud for Customer (C4C), SuccessFactors oder der Marketing-Cloud noch immer uneinheitlich und bremse die Entwicklung von benötigten Features aus. Die DSAG-Mitgliedsunternehmen erwarten vom ERP-Anbieter jedoch eine agilere Entwicklung mit entsprechend kurzen Zyklen sowie einer klaren Produktstrategie und -Roadmap.
"Gerade für die SAP Analytics-Cloud steigt der Konkurrenzdruck kon­tinu­ierlich. Hier braucht es eine nachvollziehbare Plattform-Strategie, die nicht nur von Produkten und Features getragen wird, sondern von der Integration als langjähriges Markenzeichen der SAP", fasst Sebastian Westphal zusammen. Konkret fordert er, dass die Analytics-Anwendungen sowohl in der Cloud als auch On-Premises auf einer starken Integration von SAP und Non-SAP basieren, denn "das erste Cloud-Szenario der Kunden wird immer hybrid sein", sagte er.
Hierzu forderte er von SAP ein adaptiveres Preismodell für mittelständische Unternehmen, denn das gängige Named-User-Modell erschwere einen positiven Business Case für viele Unternehmen zunehmend. Wichtig seien bei einem Wechsel aber auch Themen wie der Datenschutz und die IT-Security sowie die Komplexität des Managements. Hierzu wurden insbesondere anbieterübergreifende Standards zwischen SAP und den Hyperscalern gefordert: "Aufgrund der meist hohen Investitionen in bestehende Produkte gilt es einen Weg zu finden, um ohne die komplette Abschreibung der bisher getätigten On-Premises-Investitionen in die Cloud wechseln zu können", erläuterte Westphal.

Investitionen schützen

Während beim Thema Analytics durchaus einiges an Kritik an den Softwarekonzern herangetragen wurde, hatten SAP und der Verband der Anwendergruppe auch positives zu berichten: Das zentrale Datenbank­manage­ment-System BW/4Hana werde den Kunden noch bis 2040 als On-Premises-Lösung zur Verfügung stehen. Zudem seien noch weitere Funktionen geplant, die über den reinen hybriden Betrieb der Data-Warehouse-Cloud hinausgehen.
Daneben werde auch SAP Data Warehouse Cloud für das Data-Management in der Cloud erwartet, so die DSAG. Während die Strategie und die Vision dahinter Unterstützung bei der DSAG finden, wird vom Verband aber insbesondere gefordert, dass die Roadmap nach Möglichkeit schneller als bislang geplant umgesetzt werden soll. "Wenn SAP mit dieser Lösung den Plattform-Ansätzen der Hyperscaler eine echte Alternative gegenüberstellen möchte, sollte die Enterprise-Readiness im gemeinsamen Sinne möglichst zügig erreicht werden", stellte Sebastian Westphal klar.

Security verstärken

Im Bereich der IT-Sicherheit sei noch mehr Bereitschaft vonnöten, schreibt die Anwendergruppe. Zum einen von den Unternehmen selbst, zum anderen sei SAP in puncto übersichtlicher und angemessener Kommunikation mit den Security-Verantwortlichen in den Kundenunternehmen gefordert. Security by Design & Default müsse für alle SAP-Produkte über deren gesamte Laufzeit sichergestellt werden, eine Position, die die DSAG gemeinsam mit dem Bundesverband der IT-Anwender (VOICE) vertritt.
Dazu gehören neben einer verlässlichen Roadmap der zentralen Security-Produkte auch eine inhaltliche Verständigung mit den grossen Hyperscalern über einheitliche Sicherheits-Standards, Services und Komponenten. "Es bedarf dringend einer Umsetzung des Security-Dashboards, einer Kern­forderung der DSAG seit mittlerweile zwei Jahren", ergänzt Sebastian Westphal.
Die neue Normalität sei längst in aller Munde, jetzt sei es an der Zeit, die veränderte Realität auch in zukunftsweisenden IT-Technologien abzubilden, forderte er. Die Ankündigung von SAP, gemeinsam mit Partnern und Microsoft eine nationale, souveräne Cloud aufzubauen, um die Forderung nach einer gesetzlich geforderten digitalen Souveränität zu erfüllen, sei bei der DSAG auf grosse Zustimmung gestossen. Doch auch hier müsse die Praxis erst zeigen, wie tragfähig das Konstrukt überhaupt sein wird.
Interessenbindung: inside-it.ch ist Medienpartner der DSAG.

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