"Crypto Queen" kritisiert Inszenierung des Zuger Crypto Valley

8. Juli 2022, 12:38
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Zug, ein Startup-Tal ohne Startup-Kneipen? Foto: Peter Wormstetter / Unsplash

Eine bekannte Krypto-Unternehmerin sieht eine goldene Zukunft für das Krypto-Geschäft. Ihre Argumentation ist sehr originell.

Die mediale Inszenierung des Zuger Crypto Valley ist nach Ansicht von Smart-Valor-Chefin Olga Feldmeier übertrieben. Die meisten Firmen der Branche, die dort gemeldet seien, hätten vor Ort gar keine Angestellten. "Firmen wie wir, die tatsächlich da sind, kämpfen mit den Rahmenbedingungen", sagte die einst vom US-Magazin Forbes als "Crypto Queen" bezeichnete Unternehmerin der 'NZZ'.
So finde die Branche kaum IT-Fachkräfte, sagte Feldmeier. Zudem gebe es nur wenige Investoren in Zug. "Für Startups gibt es hier nichts zu holen." Es fehle nämlich auch an Investorentreffpunkten und Startup-Beizen.
Das deckt sich zum Teil mit der Beobachtung von uns: Beim Besuch vor Ort war das Startup-Lab in Zug – wo immerhin 130 Startups angemeldet sind – beinah ausgestorben, zugleich gab es nebenan einen privaten Club für Investoren. Während die Krypto-Kurse fielen, versprühte man vor Ort aber Optimismus.
Ins gleiche Horn stiess nun auch die Kryptounternehmerin Feldmeier im Interview. Sie gab sich zuversichtlich, was die Kursentwicklung angeht. Dass es zu einer Korrektur kommen würde, sei zu erwarten gewesen. Im nächsten Zyklus werde es Bitcoin bis auf 150'000 Dollar schaffen. Im vergangenen November hatte er einen Höchstwert von knapp 70'000 Dollar erreicht. Derzeit notiert er wieder bei knapp 22'000 Dollar.

"Bitcoin ist das neue Gold"

Die Begründung von Feldmeier: Das Angebot des Bitcoins sei auf 21 Millionen Coins beschränkt, die Nachfrage werde aber steigen, weil die "Währung" rar und beschränkt sei – eine Art digitales Gold. Bloss: In Gold, das seit Generationen gerade in Krisen als Medium der Wertaufbewahrung fungiert, steckt die Arbeitszeit des Abbaus und es ist physisch für Schmuck und gewisse industrielle Produkte verarbeitbar. Beides fehlt beim Bitcoin, den es erst seit 2009 gibt.
Die Argumentation in Sachen Wertverlust ist ebenfalls originell: Sie habe in ihrem Portfolio keinen Wert verloren, auch wenn der Gegenwert ihrer Kryptoanlagen in traditionellen Währungen derzeit tiefer sei. Sie werde im Gegenteil aufstocken, sagt Feldmeier, deren Firma auf den Handel mit Krypto-Anlagen spezialisiert ist.

Geschäft hui, Standort pfui

Auch den eigenen Geschäftserfolg will Feldmeier positiv bewertet sehen. Der Einbruch des Aktienkurses von Smart Valor seit dem Börsengang im Februar habe nichts mit der Entwicklung des Unternehmens zu tun, gab sich die Chefin überzeugt. "Im Gegenteil, wir haben bessere Ergebnisse als zuvor." Leider sei es aber nicht möglich, gegen den Kurssturz in der Branche anzukommen.
Weniger gute Wort hat sie für den Standort übrig. Bezüglich IT-Entwicklung hat gemäss Feldmeier nicht nur Zug ein Problem, sondern die Gesamtschweiz. "Die Arbeitskräftepolitik ist hier zu rigide", gab sich Feldmeier im NZZ-Interview (Paywall) überzeugt. Auch dass die Regulierung in der Schweiz Krypto-freundlich sei, lässt sie nicht gelten. "Die Schweiz ist zu restriktiv. Innovation wird kaum gefördert."
Im Zuger Investorenumfeld ist man in der Regel anderer Meinung: Zumindest die Einführung des DLT-Gesetzes habe die Schweiz in eine gute Position gebracht. Kürzlich hat der Kanton Zug angekündigt, dass ein mit der Universität Luzern assoziiertes Institut für die Erforschung der Blockchain-Technologie entstehen soll. Der Zuger Regierungsrat beabsichtigt eine entsprechende Anschubfinanzierung des "umfassendsten und wichtigsten Blockchain-Forschungsinstituts in Europa". Der Finanzbedarf beträgt geschätzt 30 Millionen Franken während vier Jahren. Eröffnet werden soll das Institut bereits Ende 2023.

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