Cyberangriffe auf Alain Berset und Ignazio Cassis

7. November 2022, 10:54
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Alain Berset. Foto: World Economic Forum / Flickr / Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Eine britische Zeitung hat einen Cyberangriff auf die zwei Bundesräte aufgedeckt. Der Auftrag dafür könnte möglicherweise aus der Schweiz erteilt worden sein.

Laut einem Bericht der britischen 'Sunday Times' (Paywall) sollen indische Hacker weltweit über 100 Personen attackiert haben, darunter auch die beiden Bundesräte Ignazio Cassis und Alain Berset. Gemäss der Zeitung sollen Privatdetektive mit Büros in London und der Schweiz eine in Indien ansässige Hacker-Bande damit beauftragt haben, verschiedene hochkarätige Ziele auf der ganzen Welt auszuspionieren.
Unter den rund 100 Opfern seien zahlreiche Unternehmen, Vorsitzende von Sportverbänden, Medienschaffende oder Politikerinnen und Politiker mehrerer Länder, darunter auch britische Minister und die beiden Bundesräte. Derzeit ist nicht bekannt, ob der Angriff auf die Bundesräte erfolgreich war. Eine entsprechende Anfrage bei den Departementen des Äusseren und Inneren ist hängig.

Zusammenhang mit Fussball-WM

Die Attacken sollen im Mai 2022 stattgefunden haben. Nur wenige Tage nachdem sich Cassis mit dem damaligen Premierminister Boris Johnson und seiner damaligen Aussenministerin Liz Truss getroffen hat, um über Sanktionen gegen Russland zu diskutieren. Neben dem Angriff auf Cassis und Berset gäbe es aber auch noch eine weitere Spur in die Schweiz, schreibt die Zeitung.
Im Zentrum der Affäre soll eine indische IT-Firma stehen, die "Hacking as a Service" betreibt. Gegenüber der 'Sunday Times' wies der Chef des Unternehmens sämtliche Anschuldigungen zurück. Während einer verdeckten Recherche soll er jedoch damit geprahlt haben, dass seine Firma insbesondere "hochrangige Personen" ins Visier nehme. Darunter sollen sich auch Personen befinden, die mit dem Weltfussballverband Fifa in Zürich in Verbindung stehen.

Schweizer Auftraggeber?

Er habe im Auftrag von Katar gehandelt und sei für dieses Projekt von einem privaten Ermittler angeworben worden, sagte der Chef der Firma, gegenüber dem Journalisten, der sich zur Tarnung ebenfalls als Privatdetektiv ausgab. Gemäss der Recherche soll der Ermittler, der den Auftrag gab, ein Mann aus der Westschweiz sein, der als angesehener Fachmann gilt und in Genf für etablierte Firmen zur Beschaffung von Wirtschaftsinformationen arbeitet.
Laut der 'Sunday Times' soll er die indischen Hacker direkt mit dem Angriff auf 48 Personen beauftragt haben, darunter die erwähnten Schweizer und andere Persönlichkeiten, welche zuvor die kommende Fussball-Weltmeisterschaft in Katar kritisiert hatten. Gegenüber der 'Sunday Times' bestreitet der Mann jedoch, dass er die Cyberkriminellen beauftragt hat, und behauptet, die englische Zeitung veröffentliche Unwahrheiten. Auch der Wüstenstaat Katar dementiert über Anwälte, dass Hacker beauftragt worden seien.
Auf Anfrage der 'Sonntagszeitung' (Paywall) sagte ein Mitglied des britischen Recherche-Teams, es gebe im Fall von Cassis und Berset "Beweise" dafür, dass die indischen Hacker den Auftrag von Genf aus ausgeführt hätten. Man könne aber noch nicht definitiv sagen, ob der Angriff erfolgreich war und ob tatsächlich Daten der beiden Bundesräte abgegriffen wurden. Laut dem Journalisten haben sowohl Berset als auch Cassis nicht auf entsprechende Anfragen reagiert.

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