Cyberkriminelle attackieren EU-Parlament

24. November 2022, 09:05
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Foto: Christian Lue / Unsplash

Die Website des EU-Parlaments wurde Ziel eines DDoS-Angriffes. Dahinter steckte angeblich eine kremlnahe Cyberbande.

Nachdem das EU-Parlament Russland in einer Resolution als Unterstützer von Terrorismus bezeichnet hat, ist die Internetseite der Institution angegriffen worden. "Unsere IT-Experten setzen sich dagegen zur Wehr und schützen unsere Systeme", schrieb die Präsidentin des Europaparlaments, Roberta Metsola, auf Twitter. Eine kremlnahe Cyberbande habe sich zu der DDoS-Attacke bekannt.
Wegen zahlreicher Zugriffe war die Website des Parlaments am 23. November für mehrere Stunden nur eingeschränkt nutzbar oder teilweise gar nicht erreichbar, wie der Presseverantwortliche Jaume Duch zuvor mitgeteilt hatte.
Im Telegramkanal "We Are Killnet" (Wir sind Killnet) wurde am frühen Nachmittag ein Screenshot geteilt, der nahelegt, dass die Gruppe für die Attacke verantwortlich sein könnte. Unabhängig bestätigt wurde dies zunächst nicht. Die russische Cyberbande "Killnet" ist schon öfter im Zusammenhang mit Angriffen auf westliche Behörden in Verbindung gebracht worden.
Am Tag des Angriffs hatte das EU-Parlament die russlandkritische Resolution mit grosser Mehrheit verabschiedet, in der auch gefordert wurde, die EU solle eine Terrorliste für Staaten wie Russland schaffen. Konkret heisst es, dass eine Listung eines Landes als ein "dem Terrorismus Vorschub leistender Staat" restriktive Massnahmen auslösen und Auswirkungen auf die Beziehungen der EU zu Ländern auf dieser Liste haben könnte. Welche konkreten Auswirkungen eine entsprechende Listung für Russland hätte, ist unklar und müsste von den EU-Staaten entschieden werden.
Linke-Co-Chef Martin Schirdewan sieht die Resolution kritisch, betont aber: "Darauf offensichtlich mit einer grossangelegten, kriminellen Cyberattacke zu antworten, wirft ein klares Licht auf das Demokratieverständnis der Angreifenden", so der Europaparlamentarier.
Der Grünen-Abgeordnete Rasmus Andresen bezeichnete die Attacke als Warnschuss. "Es ist ein Angriff auf das demokratische Herz Europas." Es werde nicht das letzte Mal gewesen sein, dass man Opfer von solchen Angriffen werde. "Wir sind nicht ausreichend vorbereitet auf solche Attacken", sagt er. Die Fraktion der Liberalen schrieb auf Twitter, der Cyberangriff zeige Russlands Verachtung für die Demokratie. "Putins Cyberkriminelle werden uns nicht zum Schweigen bringen oder unsere Arbeit behindern."

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