Das IT-Jahr 2022: Pleiten, Pech und P2P

23. Dezember 2022, 12:36
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Foto: Eastman Childs / Unsplash

Ein Jahresrückblick auf einige der grossen Informatik- und Datenschutzdesaster.

Das letztes Jahr wartet rasch mit einem grossen Aufreger auf. Im Mai wurde Bexio zum Lakaien der Mobiliar degradiert, schrieb unser Kolumnist Urs Prantl. Grund für die scharfe Kritik waren neue AGBs des Businesssoftware-Anbieters, die die Datenschutzerklärung nach eigenen Angaben vereinfachen sollten. Vereinfachung hiess laut Prantl: "Die Mobiliar plant, alle Bexio-KMU-Kunden mit dem eigenen Versicherungskundenstamm abzugleichen, die Noch-nicht-Kunden anschliessend mit penetrantem Marketing und – ich fürchte auch – nervigem Hardselling zu traktieren und gleichzeitig den bereits bestehenden Versicherungskunden so viele zusätzliche Policen wie möglich aufs Auge zu drücken." Die Sache sorgte für Aufsehen, vor allem weil die Frist für eine Kündigung und Umstellung auf ein neues ERP auf 12 Tage angesetzt war. Bexio versuchte abzuwiegeln und sprach von "vereinzelten Reaktionen von Kunden".
Im Herbst schlug beim Schoggifabrikant Läderach ein Cyberangriff ein: Dank eines Workarounds blieben sämtliche Verkaufsstellen im In- und Ausland geöffnet, obwohl das Kassensystem sowie Produktion und Logistik beeinträchtigt waren. Ob Daten abgeflossen waren, war noch nichts klar, wie die Firma mitteilte. Sie warnte aber die Mitarbeitenden vor möglichem Missbrauch ihrer persönlichen Daten und richtete ein spezielle HR-Stelle für den Fall ein. Bald tauchten denn auch tatsächlich Datenpakete im Darkweb auf: Management-Dokumente, Files zu Produktentwicklung und zukünftigen Projekten, weiter Budgetplanungen sowie technische Dateien zum Läderach-Netzwerk. Auch ein HR-Ordner befand sich unter dem Material.
Eingeschlagen ist auch eine drohende Entdigitalisierung im Gesundheitswesen. Swisscom Health hat im Herbst Verhandlungen mit dem Dienstleister Medidata einseitig abgebrochen. Die Folgen: Kunden von Swisscom Health – rund 5000 Ärzte, 750 Therapeuten, 160 Spitäler sowie 70 Laboren – droht Anfang 2023 ein Rückfall in vordigitale Zustände. Sie müssen mit Krankenkassen wieder auf Papier abrechnen, falls bis dahin keine Einigung gefunden wird, warnte Medidata. Swisscom wollte sich nicht konkret äussern, teilte aber mit, dass der Service für die Health-Kunden in gewohnter Qualität weitergeliefert würde.
In einer anderen Affäre hat Swisscom aber nachgegeben: Ab dem 1. Januar 2023 will Swisscom nämlich wieder Glasfaseranschlüsse anbieten, die private Haus- und Wohneigentümer beantragen können. Der "Turning Point". Der Telco baut die Anschlüsse jetzt doch im Point-to-Point-Verfahren (P2P-Verfahren). Und dies entgegen den ursprünglichen Pläne, nachdem lange mit dem Provider Init7 und der Weko gestritten worden war. Zwei Verfahren in der Sache laufen indes noch.
Die kriselnde Grossbank Credit Suisse kündigte im Sommer harte Sparmassnahmen an – auch in der Informatik. Dabei sollen auch RZs geschlossen und auf eine Multi-Cloud-Strategie gesetzt werden, im Gespräch ist eine Zusammenarbeit mit Microsoft. Im Technologie-Team inklusive Operations zählt die Bank 14'400 Beschäftigte sowie 14'300 externe Angestellte. Der grösste Teil davon arbeitet in Indien und anderen Tieflohn-Standorten. Dahinter folgt bereits die Schweiz. Welche Auswirkungen die angekündigten Massnahmen auf diese haben, steht noch nicht fest, unter dem Begriff "Vereinfachung" ist bei Hannaford von einer "Optimierung der Beschäftigten-Strategie" die Rede. Im Herbst kursierte dann die Zahl von 4000 externen IT-Mitarbeitenden, die auf der Strasse landen könnten.

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