Das sind Gartners Tech-Trends für 2023

19. Oktober 2022, 13:34
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Der Marktforscher nennt 10 Tech-Trends, die die IT-Branche nächstes Jahr dominieren werden. Nachhaltigkeit werde dabei eine besonders grosse Rolle einnehmen.

Metaverse, KI und Super-Apps: Das sind ein paar Schlüsselworte für nächstes Jahr, die Gartner in seiner Liste der strategisch wichtigsten Technologietrends für das Jahr 2023 aufzählt. Die Trends stellen Chancen und Risiken für Unternehmen dar und sollen die Grundlage für Roadmaps sein, wie der Marktforscher schreibt. So will er den Digital-, IT- und Tech-Chefs sowie den CEOs dazu verhelfen, "ein zuverlässiges und nachhaltiges Geschäftswachstum zu ermöglichen und die Konkurrenz zu übertreffen."
Die Trends lassen sich in 3 Hauptkategorien gruppieren: Optimierung, Skalierung, und Pionierarbeit. Das "Streben nach nachhaltigen Technologien" rundet die Liste ab und zieht sich durch alle Trends hinweg durch.
Die Top 10 für 2023 zusammengefasst:
  1. Digitales Immunsystem
  2. Angewandte Beobachtbarkeit
  3. KI-Vertrauens-, Risiko- und Sicherheitsmanagement
  4. Industrielle Cloud-Plattformen
  5. Platform Engineering
  6. Drahtlose Wertrealisierung
  7. Super-Apps
  8. Adaptive KI
  9. Metaverse
  10. Nachhaltige Technologien

IT-Systeme optimieren

Nach dem Wachstum in der Pandemie stehen nun drohende Rezession und Inflation vor der Tür. Für die Festlegung von strategischen Zielen sei insbesondere die Technologie der Schlüssel zum Problem und es sei notwendig zu wissen, wann und wo Tech-Trends potenziell einen Einfluss haben werden, findet Gartner.
Dabei stehe die Optimierung der IT-Systeme an vorderster Stelle. Drei Technologien sollen die Systeme verbessern, um mehr Zuverlässigkeit, bessere datengeschützte Entscheidungsfindung und die Werterhaltung von KI-Systemen in der Produktion zu gewährleisten.
Ein digitales Immunsystem (DIS) soll die Resilienz von Produkten, Services und Systemen erhöhen. Es kombiniere Praktiken und Technologien aus den Bereichen Beobachtbarkeit, künstliche Intelligenz (KI), erweitertes Testen, Chaos-Engineering, Autoremediation, Site Reliability Engineering und Software Supply Chain Security. Laut Gartner ist das Immunsystem eine Möglichkeit für CIOs, einen hohen Geschäftswert und eine hohe Kundenzufriedenheit zu erzielen, gleichzeitig aber Risiken zu minimieren.
Ein weiterer Trend ist die angewandte Beobachtbarkeit. Hierfür sollen Daten mit KI analysiert und beobachtet und anschliessend aufbereitet werden, um Geschäfts- und IT-Entscheidungen zu beschleunigen.
Auch KI-Risiken würden die IT-Systeme beeinflussen und Unternehmen herausfordern. KI verlange künftig neue Formen des Vertrauens-, Risiko- und Sicherheitsmanagements. Wer die in Gartners Liste vorgestellten Funktionen implementiere, der könne Risiken, den Datenschutz und die Sicherheit aktiv verwalten und somit bessere KI-Modelle entwickeln.

Gartners Software-Tipps für die Skalierung

Bis 2027 werden gemäss dem Marktforscher mehr als 50% der Unternehmen branchenspezifische Cloud-Plattformen nutzen, um ihre Geschäfte zu beschleunigen. Solche Cloud-Plattformen bündeln verschiedene Modelle wie etwa Software as a Service (SaaS), Platform as a Service (PaaS) und Infrastructure as a Service (IaaS) und integrieren so anpassbare Branchenlösungen, die Unternehmen flexibler machen, ihre Innovationen beschleunigen und die Wertschöpfungszeit verkürzen sollen.
Beim Plattform-Engineering geht es um den Aufbau und Betrieb interner Self-Service-Entwicklerplattformen für die Softwarebereitstellung und das Lifecycle-Management. Die Betriebsplattformen stehen zwischen den Nutzenden und den angebotenen Diensten und bieten verschiedene Tools, Funktionen sowie Prozesse für eine einfachere Nutzung an.
Ausserdem wird in der IT-Branche laut Gartner künftig nicht eine einzelne drahtlose Lösung dominieren, sondern es wird eine Integration mehrerer kabelloser Technologien geben, um jeder Arbeitsumgebung gerecht zu werden – von Wi-Fi im Büro und Diensten für mobile Geräte bis hin zu stromsparenden Diensten und Funkverbindungen. Dieser Zusammenschluss der drahtlosen Lösungen bewege sich über eine reine Konnektivität zwischen den Netzwerken hinaus.

Grosse Vorhersage fürs Metaverse

2023 werden auch Pionierarbeiten dominieren, wie Gartner im Bericht erklärt. Sie ermöglichen den Wandel von Geschäftsmodellen, erfinden die Beziehung zu Mitarbeitenden und Kunden neu und beschleunigen Strategien zur Erschliessung neuer virtueller Märkte.
Eine Super-App bringe beispielsweise die Eigenschaften eines Ökosystems, von Apps und Plattformen in einer einzigen Anwendung zusammen. Kunden, Mitarbeitende und Partner erhalten Zugang zu verschiedenen Kernfunktionen und unabhängig erstellen Miniapps. Man wolle damit ein personalisiertes und kontextualisiertes digitales Erlebnis innerhalb einer einzigen App möglich machen.
"Obwohl die meisten Beispiele für Super-Apps mobile Apps sind, kann das Konzept auch auf Desktop-Client-Anwendungen wie Microsoft Teams und Slack angewendet werden, wobei der Schlüssel darin besteht, dass eine Super-App mehrere Apps zur Verwendung durch Kunden oder Mitarbeiter konsolidieren und ersetzen kann", schreibt Francis Karamouzis, Vizepräsident und Analyst bei Gartner, in einer Mitteilung.
Bis 2027 sollen mehr als 50% der Weltbevölkerung täglich aktive Nutzer mehrerer Super-Apps werden, heisst es im Bericht zu den Tech-Trends.
Weiter im Trend: Der Wechsel von starren KI-Engineering-Pipelines zu adaptiven KI-Systemen. Adaptive KI-Systeme zielen darauf ab, sich selbständig in der Produktion laufend anzupassen. Dafür verwenden sie beispielsweise Echtzeit-Feedback und lernen auf der Grundlage neuer Daten, damit sie sich schnell an eine veränderte Umgebung anpassen können.
Auch das Metaverse spiele in Zukunft eine grosse Rolle: Gartner geht davon aus, dass ein komplettes Metaverse geräteunabhängig sein wird und nicht einem einzigen Anbieter gehören wird. In 5 Jahren werden über 40% der grossen Unternehmen weltweit eine Kombination aus Web3, AR-Cloud und digitalen Zwillingen in Metaverse-basierten Projekten zur Umsatzsteigerung einsetzen, glaubt Gartner.
Technologien allein werden im Jahr 2023 jedoch nicht ausreichen. Das Trendwort "Nachhaltige Technologie" sei hier eine übergreifende Lösung, die IT-Services noch effizienter gestalten soll. Konkret: Führungskräfte müssen mehr in innovative und nachhaltige Lösungen investieren, was eine grössere operative Widerstandsfähigkeit und finanzielle Leistung ermögliche.
Der ganze Bericht ist online einsehbar.

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