Corona-App-Auftrag für Zühlke erregt Aufsehen in Grossbritannien

11. Mai 2020, 14:37
image

Zühlke soll bei der Fertigstellung helfen. In England erregt ein kleiner Passus des Vertrags Aufmerksamkeit: Könnte die App nun doch dezentral werden?

In der vergangenen Woche hat die britische Regierung einen Auftrag für die Londoner Niederlassung von Zühlke Engineering veröffentlicht,  der mittlerweile in der britischen Presse für Aufregung gesorgt hat. Für rund 3,9 Millionen Pfund soll Zühlke ab sofort bis zum 10. November bei der Fertigstellung, Auslieferung und dem Betrieb einer von Pivotal entwickelten App helfen. 
Der Vertrag umfasst, wie auch Marius Gartmann, Sprecher von Zühlke Schweiz, gegenüber inside-it.ch bestätigte, die Breitstellung eines Teams, um die Proximity-Tracing-App zu betreiben und zu supporten. In Zusammenarbeit mit Pivotal und der staatlichen britischen Gesundheitsorganisation NHS soll Zühlke möglichst innert sechs Wochen die App, die Plattform sowie die zugehörige Services zur Übergabe bereit machen. Später gehören auch die kontinuierliche Weiterentwicklung, Tests und die Entwicklung zusätzlicher Features zu den Aufgaben.
Unter anderem enthält der Auftrag auch die Ausarbeitung eines transparenten Konzepts für das Produktmanagement, um eine langfristige Roadmap für die Weiterentwicklung zu ermöglichen. Auch die Erlangung der für einen nationalen Rollout notwendigen Genehmigung des Systems durch die britische Digitalisierungsbehörde GDS gehört zum Aufgabenheft.
Wie ein Sprecher des NHSX, des Digitalisierungsarms des NHS gegenüber 'CNBC' erklärte, hat Zühlke auch schon bei der bisherigen Entwicklung der App mit Pivotal zusammengearbeitet. Beim aktuellen Vertrag handle es sich um eine Verlängerung für die nächste Phase. 

Prüfung der Google- und Apple-APIs

Die Vergabe dieses Auftrags an die britische Tochter eines Schweizer Unternehmens ist es aber nicht, was die Aufmerksamkeit der britischen Presse erregt hat. Es geht um einen ganz kurzen Passus: Während zwei Wochen soll Zühlke in einem "Technical Spike" die Möglichkeit überprüfen, die nativen APIs, die Google und Apple für Corona-Tracing-Apps entwickelt haben, in die bestehende App und deren Plattform einzubinden. Zühlke soll abschätzen, ob dies überhaupt machbar und wie komplex eine solche Integration wäre. 
Nach den bisherigen Plänen sollte die App in Grossbritannien eine zentralisierte Architektur erhalten. Die Daten sollten in einer NHS-Datenbank zusammengeführt werden. Dies beinhaltet Gefahren für den Datenschutz und die Privatsphäre. Ausserdem wäre es schwierig, die Applikation interoperabel mit den Apps anderer Länder zu machen, die mehrheitlich eine dezentrale Architektur bevorzugen. Dies hat auch ennet dem Ärmelkanal zu Protesten von Experten geführt hat.
Auf der anderen Seite könnten Forscher, Gesundheitsexperten und die Regierung durch die Auswertung einer solchen Datenbank ein viel genaueres Bild über die Ausbreitung des Coronavirus erhalten.
Apple und Google stehen für ein dezentrales Konzept, bei dem alle eingegebenen Daten zum Gesundheitszustand nur auf dem Smartphone eines Users bleiben, und bei dem nur dieser davon erfährt, wenn er einen Alert erhält.
Weil Zühlke nun eine Einbindung der Google- und Apple-APIs überprüfen soll, haben Vertreter der britischen Presse bei der britischen Regierung nachgefragt, ob man es sich anders überlegt habe und nun doch eine dezentrale Variante wählen werde. Ein Sprecher des Premierministers reagierte mit einem entschiedenen Nein, aber…: "Wir haben uns für ein zentralisiertes Modell entschieden und werden damit auch fortfahren. Aber wir überprüfen kontinuierlich alle Optionen um sicher zu stellen, dass die App letztendlich so effizient wie möglich sein wird."

Loading

Mehr zum Thema

image

BBT kriegt eine neue Mutter-Organisation

Der BBT-Besitzer Volaris gründet Vencora. Die neue Organisation soll global passende Fintech-Unternehmen kaufen, um ein Technologie-Ökosystem für den Finanz-Sektor aufzubauen.

publiziert am 25.11.2022
image

Aargau migriert die SAP-Basis für 10 Millionen Franken in die Cloud

Der Kanton wechselt von einem On-Prem- in einen Cloud-Betrieb und vergibt den Auftrag für 10 Millionen Franken freihändig an SAP Schweiz.

publiziert am 25.11.2022
image

Meteoschweiz braucht viel Data-Know-how

Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie will seine IT-Architektur umstellen und sucht dafür externe IT-Fachleute.

publiziert am 25.11.2022
image

Fenaco gründet neue IT-Töchter

Über die Firma Sevra will die Agrargenossenschaft Soft- und Hardware-Lösungen für die Landwirtschaft in der Schweiz und in Frankreich bieten.

publiziert am 25.11.2022