Corona hinterlässt im Sourcing-Markt Schäden

27. Juli 2020, 15:45
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Public Cloud Provider feiern, Managed Services Provider leiden, doch in der DACH-Region läuft es besser als in Rest-Europa, sagt ISG.

Im DACH-Raum ist das Vertragsvolumen von Managed Services im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 38% gestiegen auf 1,4 Milliarden Euro. Dies meldet der Marktforscher ISG im neuen EMEA ISG Index.
Hauptverantwortlich für das grosse Wachstum sei aber das erste Quartal 2020 gewesen, im zweiten, dem "Corona-Quartal" schrumpfte das Vertragsvolumen von Managed Services in der DACH-Region nämlich um 2,4% auf 596 Millionen Euro.
Für klassische Managed Services Provider sei speziell das Geschäft mit Finanzdienstleistern schwierig, das Vertragsvolumen sank im ersten Halbjahr 2020 um 40%. Differenzierter ist das Auftragsvolumen beim Handel und der Konsumgüterindustrie. Wer während des Lockdowns geschäften konnte, investierte auch in Managed Services rund um Online-Handel und Automatisierung (plus 16% im Jahresvergleich). Wer hingegen – wie die Gastronomie – schliessen musste, legte Projekte auf Eis oder sagte sie ab.
Im Markt zeigte sich gleichzeitig eine Verlagerung in Richtung Infrastructure-as-a-Service: In der Finanzbranche wuchs das Vertragsvolumen um 15,4%, im Handel und der Konsumgüterindustrie um 19%, schreiben die Marktforscher.
Der As-a-Service-Markt insgesamt zeigte im EMEA-Raum laut ISG ein plus von 13% im zweiten Quartal.
Die Marktforscher prognostizieren auf globaler Ebene für das Q3 und Q4 2020 ein leichtes Wachstum im Sourcing-Bereich, allerdings werde der Markt der Managed Services 2020 ein Minus von 7,5% ausweisen.
Das geht noch, für BPO-Anbieter bilanziert ISG im EMEA-Raum ein Minus von 34% im ersten Halbjahr, für SaaS-Anbieter ein Minus von 23%.

"Wendepunkt bei Public-Cloud-Infrastruktur"

Als Gewinner der Corona-Pandemie gingen laut ISG bis anhin die Public-Cloud-Anbieter hervor. "In vielerlei Hinsicht haben wir den Wendepunkt bei der Einführung der Public Cloud erreicht. Angesichts des Erfolgs der Public-Cloud-Infrastruktur, die den Anforderungen des Remote-Arbeitens und der steigenden Bandbreitenanforderungen standgehalten hat, wird es schwierig sein, zu einem Ansatz mit festen Anlagen wie internen Rechenzentren oder privaten Clouds zurückzukehren", glaubt Steve Hall, President ISG EMEA.
Vermutlich sei der negative Impact von Corona auch weiterhin dominierend, so Barbara Florschütz, Geschäftsführerin der Information Services Group (ISG) Germany: "Die DACH-Region hat sich im Vergleich zum Rest Europas relativ gut geschlagen. Im Verhältnis zu 2019 ist der Sourcing-Markt derzeit relativ stabil. Dennoch sehen wir trotz der starken Nachfrage nach Public Cloud und Infrastructure-as-a-Service das Risiko, dass das Managed-Services-Segment im zweiten Halbjahr weiter zurückgeht."
Sourcing-Anbieter sollten sich darauf vorbereiten, dass ihre Deals nun kleiner werden, glaubt Florschütz: "Die Unternehmen werden sich in der näheren Zukunft mehr auf die Widerstandsfähigkeit ihres Geschäfts und auf die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebs als auf eine breit angelegte digitale Transformation konzentrieren", lässt sie sich zitieren.
Der EMEA ISG Index erfasst Outsourcing-Abschlüsse der Privatwirtschaft mit einem jährlichen Vertragsvolumen von mindestens 5 Millionen Euro.

Am Puls der Schweizer ICT-Branche

Im ersten Digital Channels Forum spüren wir der Schweizer ICT-Branche den Puls. Wie überstehen ICT-Dienstleister, Software-Hersteller, Cloud-Provider, Hardware-Vendors und Outsourcer die Corona-Krise? Wer sind die Verlierer und wer die Gewinner? Und: Übersteht der stationäre Handel die Krise? Wir fragen bei Exponenten der Branche nach und lassen sie in vier Texten, vier Podcasts und einem Video zu Wort kommen.

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