Crealogix: "Wir haben den Durchbruch noch nicht geschafft"

15. September 2020, 15:01
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Der Verlust von Crealogix beträgt 4,6 Millionen Franken. Inside-channels.ch hat sich mit CEO Oliver Weber über den Stand der Transformation unterhalten.

Wie wir vor knapp zwei Monaten berichtet haben, hat Crealogix, trotz leicht gestiegenem Umsatz auch in seinem Geschäftsjahr 2019/2020 wie schon im Jahr davor einen Verlust erlitten. Der Umsatz des Bankensoftware-Anbieters stieg zwar im Vergleich zum Vorjahr um 1,7% auf 103,7 Millionen Franken. Auch der operative Gewinn stieg gemäss den nunmehr veröffentlichten endgültigen Geschäftsergebnissen von 1,9 Millionen Franken auf nunmehr 2,4 Millionen Franken. Wenn man allerdings Sonderkosten von 7 Millionen Franken für die laufende Umstrukturierung einrechnet, resultierte ein Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibern von 4,6 Millionen Franken.
Crealogix hat vor zwei Monaten auch den Abbau von etwa 10% der Stellen angekündigt. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt rund 700 Mitarbeitende.
Crealogix kann aber auch einige positivere Entwicklungen herausstreichen. Trotz Covid-19 beispielsweise lag der Nettoumsatz in der zweiten Jahreshälfte um 13,2% höher als in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres. Der bereinigte freie Cash Flow betrug 7,9 Millionen Franken. Im vorherigen Geschäftsjahr hatte Crealogix noch einen negativen Cash Flow (-2,5 Millionen Franken). Der Barbestand stieg von 12,7 auf 36 Millionen Franken, unter anderem auch aufgrund einer vor knapp einem Jahr herausgegebenen Wandelanleihe.
Schon seit längerer Zeit verfolgt Crealogix das strategische Ziel, den mit SaaS- und gehosteten Lösungen erzielten Umsatz zu steigern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg dieser Anteil laut Crealogix um 15% auf 44%. Diese Umstellung von einem einmaligen auf ein wiederkehrendes Ertragsmodell senkt aber den Nettoumsatz und den Gewinn. Crealogix beziffert diesen Negativeffekt im abgelaufenen Jahr auf 6,9 Millionen Franken.
Und dieser Effekt wird auch noch eine Weile lang bestehen bleiben, wie uns der Crealogix CEO Oliver Weber in einem Gespräch zu den Geschäftsergebnissen erklärte. Das Ziel sei es, den Anteil der wiederkehrenden Umsätze am Gesamtumsatz bis zum Ende des Geschäftsjahres 2022/2023 auf 60% zu steigern.
Weber ist seit Januar 2020 CEO von Crealogix. Sein Fazit zur laufenden Transformation: "Den Durchbruch haben wir noch nicht geschafft." Sein klares Kriterium für den "Durchbruch" sind schwarze Zahlen. Und Weber betonte, dass Crealogix wieder profitabel werden müsse, noch bevor der angestrebte 60%-Anteil an wiederkehrenden Erträgen erreicht sei.
Der im Juli bekannt gegebene Stellenabbau ist laut Weber seit dem Mai im Gang und wird sich noch bis in den kommenden Juni fortsetzen. Das Unternehmen sei bemüht, den Abbau sozial verträglich abzuwickeln und beispielsweise Stellen für betroffene Mitarbeitende bei Partnern zu finden.
Die oben genannten Einmalkosten von 7 Millionen Franken sollen eingesetzt werden, um die Transformation zu beschleunigen, insbesondere um das Produktportfolio zu straffen. Wie Weber erläuterte, hat Crealogix für gewisse Einsatzzwecke gegenwärtig noch zwei bis drei verschiedene Produkte im Portfolio, was sich in Zukunft ändern soll. Zudem habe man entschieden, dass einige ältere Lösungen, die nicht mehr als strategisch erachtet werden, entweder durch modernere Lösungen ersetzt oder eingestellt werden.

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