EU will mit Daten und KI an die Weltspitze

19. Februar 2020, 15:06
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Die Europäische Kommission will die EU mit Milliarden-Geldern, Regulierung, "EU-Datenräumen" und einem Cloud-Marktplatz in die Zukunft bringen.

Die Europäische Kommission hat Vorschläge vorgestellt, wie man Europas Daten nutzen könnte und wie die Regulierung von künstlicher Intelligenz und von Konzernen wie Facebook oder Google aussehen sollte.
Das Paket, das erste einer ganzen Reihe von Vorschlägen, werde Europas digitale Zukunft definieren, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. "Es deckt alles ab, von der Cybersicherheit bis zu kritischen Infrastrukturen, von der digitalen Bildung bis zu Fähigkeiten, von der Demokratie bis zu den Medien. Ich möchte, dass das digitale Europa das Beste von Europa widerspiegelt – offen, fair, vielfältig, demokratisch und selbstbewusst", sagte sie.
Die Pläne sehen vor, dass Rechenzentren und Telekommunikation bis 2030 klimaneutral sein sollen, um einen Beitrag zum "European Green Deal" zu leisten. "Der ICT-Sektor muss seine eigene grüne Transformation durchlaufen", heisst es dazu.

"Vertrauenswürdige" KI-Anwendungen etablieren

Das Gros der Vorschläge betrifft aber speziell Künstliche Intelligenz (KI), denn man will EU-weit deren Chancen aktiv nutzen und Risiken minimieren. Die EU-Kommission will damit Europa als weltweit führenden Standort für "vertrauenswürdige" Anwendungen von KI etablieren. Um dies zu erreichen und konkurrenzfähig zu werden, schlägt die Kommission Investitionen in KI von jährlich 20 Milliarden Euro vor. Die Gelder sollen während den kommenden 10 Jahren fliessen.
Neben dem Auf- und Ausbau eines KI-Ökosystems will die EU-Kommission beispielsweise Frauen für KI begeistern und KMU die Nutzung der Technologien ermöglichen.
Andererseits seien "Hochrisiko-Anwendungen" im Bereich Machine Learning zu finden, welche die Gefahr von Diskriminierung, Verletzungen, Tod oder juristische Konsequenzen in sich bergen. Diese KI-Lösungen sollen "transparent, nachvollziehbar und unter menschlicher Kontrolle" bleiben, heisst es. Damit gemeint sind die Bereiche Polizei, Verkehr, Medizin und Justiz.
Die Kommission fordert in Konsequenz, dass Behörden befähigt sein müssten, solche Anwendungen zu überprüfen, "wie sie Kosmetika, Autos oder Spielzeuge kontrollieren." Dementsprechend sollen KI-Nutzer Daten zum Training von Machine-Learning-Systemen aufbewahren müssen.
Im regulatorischen Bereich stehen anwendbares Recht, Rechtssicherheit und der Umfang mit Updates bei KI-Lösungen im Fokus.
In einem White Paper stellt die Kommission dar, wie sie sich den Bereich KI in der EU konkret vorstellt. Diese Pläne gehen nun in eine Art öffentlicher "Vernehmlassung" und sollen bis Ende 2020 verabschiedet werden.

Einen EU-Binnenmarkt für Daten schaffen

Gleichzeitig veröffentlichte die Kommission eine Datenstrategie, welche der Wirtschaft, Forschung und Verwaltung ermöglichen soll, das Potenzial von Daten zu nutzen, die für KI notwendig sind. Ziel sei "ein wirklicher Binnenmarkt für Daten", der persönliche und anonymisierte Informationen nach europäischen Standards schütze. In diesem EU-Binnenmarkt sollen "Datenräume" geschaffen werden, in denen Daten in einem Governance-Rahmen genutzt und ausgetauscht werden können.
Auf dem Weg dahin identifiziert das Strategiepapier auch Probleme wie die aktuell geringe Nutzung der Cloud bei Verwaltung und Firmen in der EU. Aber auch Abhängigkeiten seien zu beachten: "Cloud-Betreiber mit Sitz in der EU haben nur einen geringen Anteil am Cloud-Markt, was die EU in hohem Masse von externen Anbietern abhängig und anfällig gegenüber Bedrohungen von aussen macht sowie das Investitionspotenzial der europäischen Digitalindustrie auf dem Datenverarbeitungsmarkt schmälert", heisst es.
Zudem bestehe Unsicherheit darüber, ob Cloud-Dienstleister EU-Vorschriften und -Standards respektieren würden.

Die Cloud für alle

Die "europäische Cloud" soll nun in grossem Stile etabliert werden: "Im Zeitraum 2021–2027 wird die Kommission in ein High-Impact-Projekt für europäische Datenräume und zusammengeschlossene Cloud-Infrastrukturen investieren", wird angekündigt. Dazu sollen 4 bis 6 Milliarden Euro investiert werden. Das Geld soll in bestimmte Branchen und Sektoren wie Industrie, Mobilität, Finanzdaten und Gesundheit fliessen. Details dazu will man im März 2020 publizieren.
Nicht zuletzt soll ein EU-geförderter Marktplatz für Cloud-Services für Firmen und Behörden entstehen: "Der Marktplatz wird potenzielle Nutzer (insbesondere öffentliche Stellen und KMU) in die Lage versetzen, Verarbeitungs-, Software- und Plattformdienste in der Cloud auszuwählen, die bestimmte Anforderungen in Bezug auf Datenschutz, Sicherheit, Datenübertragbarkeit, Energieeffizienz und Marktpraxis erfüllen."
Ganz optimistisch heisst es in diesem Papier (PDF): "Die EU kann zu einem Vorbild für eine Gesellschaft werden, die dank Daten in der Lage ist, in der Wirtschaft wie im öffentlichen Sektor bessere Entscheidungen zu treffen."

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