Exklusiv: Hinderling Volkart geht in Dept Agency auf

27. Januar 2020, 17:00
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Nach Namics und Notch gibt eine weitere namhafte Digitalagentur den Alleingang auf. Die Chefs von Hinderling Volkart und Dept erklären warum.

Dept Agency, eine internationale Gruppe von Digitalagenturen aus Amsterdam, übernimmt Hinderling Volkart. Dies meldet uns ein Branchen-Insider. Die beiden Agenturen bestätigen dies auf Anfrage. Dept erwerbe 100% der Aktien, inklusive jener der Tochtergesellschaften Hinderling Volkart Bern und HV Italic. "Im Gegenzug beteiligen sich die bisherigen Agenturinhaber an Dept", erklären die Firmen.
Es findet offensichtlich eine Marktkonsolidierung statt. Kleine Agenturen schliessen, bauen ab oder richten sich neu aus. Grosse wie Namics und Notch Interactive werden übernommen. Und jetzt gibt auch Hinderling Volkart den Alleingang auf. "Es ist kein Aufgeben", widerspricht Michael Hinderling, Co-Gründer und Chef des Bereichs Creation. "Es ist das Zünden der nächsten Stufe. Wir haben die Konsolidierung auch beobachtet und haben uns Gedanken gemacht, wie wir die Firma in die Zukunft führen. Mit Dept bietet sich hier eine einzigartige langfristige Möglichkeit im Einklang mit unserer Vision." 
Wirtschaftliche Gründe stünden nicht hinter dem Verkauf, so Hinderling. "Wir hätten auch alleine weitermachen können und haben diesen Schritt nicht aktiv gesucht. Aber mit Dept stimmt es auf so vielen Ebenen, dass ich mich nun sehr freue."
Er hält fest, dass es mit den Digital-Marketing-Kompetenzen von Dept neue Möglichkeiten und Synergien für Hinderling-Volkart-Kunden im Schweizer Markt gebe. Und es stimme auch bezüglich der Kultur beider Firmen und den Menschen.

"Wir investieren in Menschen und eine Kultur"

Nun hätte Dept, seit eineinhalb Jahren mit einem Schweizer Standort präsent, ja nicht unbedingt eine Firma wie Hinderling Volkart übernehmen müssen, um deren Skills zu erhalten, sondern gute Leute auf dem Markt abwerben können. Lukas Stuber sagt dazu: "Dept hat eine sehr konsequente Herangehensweise. Wir investieren in Menschen und in eine Kultur. Wenn man in eine Agentur investiert mit diesem Track Record und dieser Kultur, dann kann die Kultur weiterleben und das Management bleibt an Bord. Das hat Dept mit dem Zukauf von Yourposition ebenso gemacht."
Stuber weiss, wovon er spricht, er war Mitgründer und Managing Director von Yourposition und ist nun Managing Director von Dept in der Schweiz.
Nun, so sagt Stuber, deckt Hinderling Volkart mit ihrer "Creative Excellence" die Service Line Design & Technology für Dept in der Schweiz ab.
Hinderling ergänzt: "Unser Hauptfokus bleibt Design und Technology, wir konzipieren Plattformen und setzen diese um. Wir können dies bei Bedarf nun ergänzen und Teams formieren, die ideal mit einem Kunden zusammenarbeiten können. Wir haben den Anspruch, Kunden sehr breit unterstützen zu können, ohne den Fokus zu verwässern."
Stuber ist ebenso überzeugt, dass man sich optimal ergänze. Die einen konzipieren und bauen die Plattform, die anderen bewerben diese und machen die Search-Engine-Optimierung (SEO). Beim Kunden Swissmilk habe man bereits erfolgreich so zusammengearbeitet, sagt Hinderling.
Hinderling Volkart, eine 2007 in Zürich gegründete Digitalagentur, hat rund 60 Mitarbeitende und führt die "ewige Bestenliste" des Best-of-Swiss-Web-Awards an. Die Agentur hat weitere Niederlassungen in Basel und Bern. Alle drei Standorte werden unter dem bisherigen Management weitergeführt, halten die Firmen fest.
"Die Teams werden eng mit dem bereits in Zürich ansässigen Digital Marketing Team von Dept zusammenarbeiten", heisst es weiter. Personalabbau wegen Doppelspurigkeiten im HR oder in der Administration werde es keinen geben. Auch bleibe die Firmenkultur erhalten, betonen beide. Was harmonisiert werde, seien die Prozesse und die Infrastruktur. Die bis anhin eingesetzten Tools seien bei beiden Firmen weitgehend kongruent. "Wir agieren weiterhin eigenständig", betont Hinderling nochmals. "Es wird nicht alles zusammengewürfelt. Dept hat eine digitale DNA und hat erkannt, dass Teams zusammenarbeiten müssen, und dass die Balance aus Eigenständigkeit und Zusammenhalt wichtig ist. Das ist nicht eine Übernahme alter Schule, bei der eine neue Abteilung hinzukommt."
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Die Vertragspartner: Severin Klaus (Managing Partner/Head of Technology), Dimi Albers (CEO Dept), Michael Volkart (Managing Director), Michael Hinderling (Managing Partner/Creative Director), Paul Manuel (Co-Founder Dept) (v.l.)
Es werde auch neue Dienstleistungen geben, aber welche, sei noch offen. Die Services seien "extrem komplementär", sagen beide Chefs. Der Hauptfokus und das Daily Business von Dept und Hinderling Volkart werde auch weiterhin der Schweizer Markt sein. "Wir werden weiterhin mit unseren Schweizer Partnern zusammenarbeiten", sagt Hinderling. Aber es gebe für die Mitarbeitenden interessante Perspektiven, auch auf internationaler Ebene mit Dept-Agenturen zusammenzuarbeiten. Stuber bestätigt dies. Zum Beispiel sei ein Trainee soeben sechs Monate in Rotterdam gewesen.
Hinderling und Volkart bleiben Geschäftsführer ihrer "Ex-Firma" und rapportieren, wie die Schweizer Digital-Marketing-Chefs von Dept, Lukas Stuber und Beat Muttenzer, an den Dept-CEO Dimi Albers in Amsterdam.

Geht die Konsolidierung weiter?

Die Agenturgruppe hat ihren Hauptsitz in Amsterdam und nach Eigenangaben total 23 weitere Standorte in Deutschland, Dänemark, den USA sowie einen in Zürich. In Zürich arbeiten 50 Leute, mit Hinderling Volkart stossen weitere 60 dazu. Die Gruppe, 2015 gegründet, zählt rund 1500 Mitarbeitende und hat sehr ambitionierte Ziele: "Dept will beste digitale Agentur der Welt werden." Der Private-Equity-Investor Carlyle Group hatte kurz vor Weihnachten angekündigt, die Mehrheit an Dept zu übernehmen. "Diese Investition wird es Dept ermöglichen, sein Wachstum im schnelllebigen digitalen Agenturbereich weiter zu beschleunigen", hiess es dazu. Folgt also schon bald eine weitere Übernahme in der Schweiz? Stuber winkt ab. "Das wird man sehen. Jetzt ist das Setup mit Hinderling Volkart die Priorität Nummer eins. Es ist eine Riesenchance und ich spüre eine grosse, grosse Vorfreude auf die nächsten Schritte."
Was prognostizieren die beiden für den Schweizer Digitalagentur-Markt? Namics gehört zu Merkle, einer Tochter des japanischen Riesen Dentsu, Ende 2019 ging Notch Interactive in Publicis auf. Geht die Konsolidierung weiter? "Sie geht weiter, keine Frage", antwortet Stuber. "Das ist in der Globalisierung normal. Es werden auch neue Agenturen in den Markt kommen. Einen fundamentalen Paradigmenwechsel erwarte ich aber nicht."
Hinderling ergänzt, es hänge vom Einzelfall ab. Je nach Agentur gebe es immer auch Vorteile für einen Einzelgang oder in einem grösseren Setup. 

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