Huawei will sich auf Software fokussieren

25. Mai 2021, 10:26
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Der Konzern-Gründer möchte die Sanktionen der USA unterlaufen. Er zielt auf Europa und eine technologische Spaltung des Weltmarktes.

Ren Zhengfei, der Gründer von Huawei, will seinen Konzern stärker auf Software ausrichten. Dies geht aus einem internen Memo hervor, das 'Reuters' vorliegt. Er reagiert damit auf die Sanktionen der USA, die immensen Druck auf das Hardware-Geschäft des chinesischen Unternehmens ausüben.
Zhengfei erhofft sich, dass Huawei mit dem Fokus auf Software eine grössere Unabhängigkeit erreicht, weil die Entwicklung in diesem Bereich nicht von den USA kontrolliert werden können. Zu den konkreten Produkten, die nun gefördert werden sollen, gehören unter anderem das Betriebssystem HarmonyOS und das Cloud-KI-System Mindspore. Harmony wird am 2. Juni auf den Markt kommen, damit löst sich Huawei von Googles Android.
Wie gross der Anteil der Software am Umsatz von Huawei bereits ist, geht aus dem Geschäftsbericht nicht hervor. Laut dem Memo soll der Konzern dabei einen Open-Source-Ansatz verfolgen, muss aber erst noch das richtige Geschäftsmodell finden.

Droht eine technologische Spaltung der Welt?

Die Entwicklung ist auch für Europa brisant, wie aus dem Memo hervorgeht: "Sobald wir Europa, den asiatisch-pazifischen Raum und Afrika dominieren und unsere Standards nicht mit jenen aus den USA übereinstimmen, können wir nicht mehr in den US-Markt, aber die USA auch nicht in unser Gebiet eindringen".
Das dürfte der Diskussionen über eine technologische Spaltung der Welt weiter antreiben. Die EU hat im letzten Winter eine Initiative für einen "Transatlantischen Handels- und Technologierat" ergriffen, der den Kontinent näher an die USA bringen soll. Allerdings sind einige Dinge, wie etwa die Besteuerung der US-Techkonzerne in Europa, Gegenstand von hitzigen Debatten. Mit China ist die EU Anfangs 2021 in Diskussionen über einen Handelsvertrag gestiegen, der aber mittlerweile auf Eis gelegt ist.
Der damalige US-Präsident Donald Trump hatte Huawei 2019 auf eine schwarze Liste gesetzt, die dem Unternehmen den Zugang zu kritischer Technologie aus den USA verwehrt. Damit wurde der Zugang zu Komponenten von Drittanbietern verhindert und die Entwicklung eigener Hardware erschwert, wie 'Reuters' schreibt. China reagierte verschiedentlich, nun beschwert sich der schwedische Huawei-Konkurrent Ericsson, dass man es im chinesischen Markt immer schwerer habe. Huawei hat im neuen Memo auf angekündigt, sich stärker auf den Heimmarkt konzentrieren zu wollen.
Wie 'ZDNet' berichtet, glaubt man auch bei Ericsson, dass die Entwicklung eine technologische Spaltung der Welt befördern könnte: "Die geopolitische Situation kann Auswirkungen auf die gesamte Branche haben, mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer weiteren Aufspaltung der Branche, einer Trennung der globalen Wertschöpfungsketten und einer Trennung der globalen Standards für die mobile Telekommunikation."

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