Mit welchen ERP-Lösungen die Nutzer gern leben

17. November 2020, 15:52
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In der Trovarit-Studie benoten Nutzer ihre Lösungen in der Praxis und äussern Kritik. Ein 2018er Trend ist in der Versenkung verschwunden.

Die Technologie von ERP-Softwares mag sich rasch wandeln und weiterentwickeln, die höchste Nutzer-Zufriedenheit bleibt relativ stabil. Das zeigt die neueste Ausgabe der Trovarit-Nutzerumfrage "ERP in der Praxis 2020/21" von Trovarit.
Das höchste Lob der Teilnehmenden erhalten wiederum "schlanke" ERP-Lösungen, regionale, spezifische Branchenlösungen sowie kleinere Anbieter mit verhältnismässig kleinem Kundenstamm und mittlere Installationen (mit 25 bis 99 Nutzern).
Die Komplexität einer Lösung sowie die mit dem ERP-System abbildbaren Prozesse, Unternehmensstrukturen und Branchen-Spezialitäten sind also für hohe Nutzerzufriedenheit zentral.
Die grossen, in grösseren Firmen weit verbreiteten Anbieter wie SAP und Microsoft dagegen landeten in der neuen Studie erneut eher im Mittelfeld. Nachteilig für sie seien das "hohe Anforderungsniveau in Verbindung mit spürbar grösserem Aufwand bei Einführung, Wartung und (End-)Anwenderbetreuung". Zudem seien Release-Wechsel bei den grossen, komplexen Installationen aufwändiger und entsprechend seltener, was die Nutzer wiederum nicht positiv bewerten. "So bewegt sich bei grossen Installationen das durchschnittliche Alter der Release-Stände bei drei Jahren, während es bei kleineren Installationen nur halb so gross ist".
41 einzelne ERP-Systeme von 139 von den Nutzern genannten erhielten genügend gültige Antworten, so dass belastbare Zufriedenheitsaussagen gemacht werden könnten, wie die Autoren schreiben.
Aus Schweizer Sicht nicht vertreten sind in den Zufriedenheitsquadranten speziell Abacus, Myfactory, Proffix oder auch Sage.
Unter den belastbaren Aussagen über hiesige Anbieter konnte das Opacc-ERP seine guten Noten bestätigen, es schneide laut den Autoren gar "deutlich überdurchschnittlich" ab.
"Signifikante Verbesserungen" erzielte im Vergleich zu 2018 Tosca, heisst es weiter. Andere konnten ihre Benotungen weitgehend bestätigen wie die allermeisten ERP-Anbieter im DACH-Raum auch.

Alter der ERP-Installationen sinkt

Die Anbieter von "kleineren" ERP-Lösungen können sich aber nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, die Studie deutet darauf hin, dass die Dynamik zunimmt.
So sei das durchschnittliche Alter der ERP-Installationen ist "erstmalig wieder leicht gefallen nachdem das durchschnittliche Installationsalter in den Untersuchungen der Vorjahre jeweils spürbar gestiegen ist". Das heisst, die meisten Firmen hängen lange an ihrem ERP, aber einige haben den Anbieter gewechselt oder komplett modernisiert. So waren die untersuchten Systeme durchschnittlich "nur" noch seit 11,3 Jahren in Betrieb (2018: 11,7 Jahre).
Allerdings wissen die Nutzer, dass ein Anbieter- oder Technologiewechsel mit erheblichen Aufwänden verbunden ist, das bekamen einzelne Anbieter negativ zu spüren, insbesondere wenn sie etablierte Kommunikationswege störten, indem sie beispielsweise Services vermehrt über Partner angeboten haben.
Eher kritisch bewerten sie bei den Systemen die mobile Einsetzbarkeit, die Qualität der Dokumentation, Formulare & Auswertungen sowie die Release-Fähigkeit..

Fernab vom Hypecycle

Die Welt der ERP-Systeme folgt auch bis heute nicht dem Gartner-Hypecycle, das zeigen die Trend-Nennungen in der Studie.
Blockchain interessierte 2018 noch viele der User. 2020 ist das Thema aber ganz aus den Top-10 gefallen, Big Data ebenfalls. Und Cloud interessierten 2020 nur 35% der Nutzer (2018: 34%), während Security, Compliance, UX und mobile Nutzung die Trend-Hitparade anführen.
Grosse Themen wie Augmented/Virtual Reality, Robotic Process Automation (RPA) und IoT sind in vielen Branchen ein Thema - aber nur bei einer recht kleinen Minderheit, wenn es um ihr ERP geht, das zeigt die Nutzer-Studie ebenfalls.
Dafür stieg die Plattform-Ökonomie erstmals in die Top-10 der Trends und ERP-Themen auf. Man wird bei der nächsten Umfrage sehen, ob das mehr als ein Sturm im ERP-Glas ist.
Zur Studie: Die Umfrage zur ERP-Praxis seit 2004 im 2-Jahres-Rhythmus durchgeführt von Trovarit mit dem Forschungsinstitut für Rationalisierung an der RWTH Aachen, ERP-Tuner/Wien und 2BCS St. Gallen. Mit 2'089 Bewertungen und Antwortenden aus allen Branchen und Unternehmensgrössen sei es ein umfassender Überblick, so die Autoren.

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