Schweizer Firmen mangelt es an Geld für Investitionen

5. März 2021, 16:20
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Eine KOF-Umfrage zeigt: In der IT-Branche sanken die Investitionen überdurchschnittlich, sie konnte aber von einer guten Nachfrage profitieren.

In der Wirtschaftskrise infolge der Pandemie sind die Investitionstätigkeiten der Schweizer Firmen eingebrochen. Zwar wollen sie 2021 einige der aufgeschobenen Projekte nachholen, aber jedem fünften Unternehmen fehlen die finanziellen Ressourcen dazu. Dies geht aus einer Investitionsumfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) hervor.
Bei einer früheren Befragung im Herbst 2019, rund 6 Monate vor der Pandemie, wollte noch ein Drittel der Schweizer Firmen ihre Investitionen für das Jahr 2020 erhöhen, nur 21% beabsichtigten eine Reduktion. Die Pandemie machte aber vielen einen Strich durch die Rechnung: Im Frühling 2020 gab fast ein Drittel der Befragten an, dass die Investitionen im ersten Pandemiejahr heruntergefahren werden sollen, nur noch 29% wollten aufstocken.
Die neuste Umfrage zeigt nun: Die Anlageinvestitionen sind im letzten Jahr um 9,2% gesunken. Für 2021 rechnen die ETH-Forscher mit einem Wachstum von 7,3%. "Dass der Investitionsrückgang im vergangenen Jahr grösser ausfällt als das Investitionswachstum in diesem Jahr, legt die Vermutung nahe, dass sich die Investitionen nur langsam und schleppend von der Corona-Krise erholen werden", lautet ihr Fazit. Der wesentliche Grund dafür finde sich in der finanziellen Situation der Firmen.
Auf Anfrage von inside-it.ch erklärt KOF-Forscher Pascal Seiler, dass die F&E-Investitionen im Gegensatz zu den Anlageinvestitionen stabil geblieben seien. Sie nahmen 2020 um 1,5% ab und sollen 2021 wieder um 1,6% zulegen. Damit kommen sie knapp über Vorkrisenniveau.

Die IT-Branche kämpfte mit grosser Unsicherheit

Die finanziellen Schäden verteilen sich sehr ungleich: Während Reisebranche, Verkehr und Hochbau mit fehlenden finanziellen Investitionsgeldern zu kämpfen haben, sieht es in der Werbebranche, im Verlagswesen und im Tiefbau deutlich besser aus. Die IT liegt ungefähr im Mittelfeld.
Bei den IT-Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, wurden die Bruttoinvestitionen 2020 um 9,5% gekürzt und sollen dieses Jahr nochmals um 1,4% reduziert werden. Sie liegen damit unter dem Schnitt der Schweizer Wirtschaft. Allerdings sollen die F&E-Investitionen in diesem Jahr in der Branche stark zulegen: um über 10%.
Die Realisierungsunsicherheit von Investitionsplänen sei in der IT-Branche 2020 vergleichsweise gross gewesen, so Seiler. Viele Investitionen galten der Ersatzbeschaffungen, während die Bedeutung von Erweiterung und Rationalisierung deutlich gesunken ist.
Es gibt aber auch gute Neuigkeiten: "Die Nachfrage befeuert die geplanten Investitionen in der Branche. Das unterscheidet sie grundsätzlich von der Situation in der übrigen Wirtschaft, wo sich die Nachfrage weniger positiv auf die Investitionen auswirkt", erklärt Seiler.
Als Unternehmen der IT-Branche wurden jene nach NOGA 62: "Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie" gezählt.

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