Seco-Affäre wird zum FuM-Skandal

24. Februar 2014, 10:04
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'Tages-Anzeiger' enthüllt Schritt für Schritt weitere Aspekte des Affäre rund um den IBM-Partner Fritz & Macziol (FuM) und die Informatik-Beschaffung des Seco.

'Tages-Anzeiger' enthüllt Schritt für Schritt weitere Aspekte des Affäre rund um den IBM-Partner Fritz & Macziol (FuM) und die Informatik-Beschaffung des Seco.
Fast täglich enthüllen 'Tages-Anzeiger' und 'Der Bund' neue Einzelheiten zum Bestechnungsskandal im Seco Die dem Tagi vorliegenden Dokumente stammen aus der Buchhaltung von FuM und sind sehr detailliert.
Revision und IBM-Audit überstanden
Zur Erinnerung: Man wirft einem Ressortleiter des Seco vor, Geschenke und vielleicht sogar Geld von zwei ehemaligen FuM-Kadern angenommen zu haben. Er habe im Gegenzug der FuM grosse Aufträge ohne Ausschreibung zugeschanzt. Der Ressortleiter des Seco sowie einer der FuM-Manager sind unterdessen in Untersuchungshaft gesetzt worden.
Bereits früher hat der 'Tages-Anzeiger' geschrieben, FuM habe grosse Rabatte (so genannte Special Bid Offers), die der Server-Lieferant IBM gewährt hat, nicht an das Seco weitergegeben. Dies erstaunt, denn IBM schreibt Händlern vor, diese Rabatte weiterzugeben und überprüft dies mit so genannten Audits auch. Offenbar ist es aber den ex-FuM-Kadern gelungen, IBM zu täuschen. FuM bracht 'Big Blue' nicht nur grosse Umsätze mit dem Seco, sondern auch mit Kantonen (Zürich, Zug) und Städten (Stadt Zürich, VRSG).
Im PC-Geschäft sind Margen von zwei bis acht Prozent (inklusive Co-Marketing-Gelder und ähnliches) normal, im Server-Business können es auch mehr sein. FuM aber erzielte offenbar viel höhere Margen, nämlich 50 Prozent (!) – durch Nicht-Wiedergabe von Hersteller-Rabatten? Diese hohe Margen sind offenbar auch den Revisoren bei Fritz & Macziol aufgefallen und führten zu Nachfragen. Der Revisor liess sich mit der Aussage, es seien keine zusätzlichen Kosten zu erwarten, beruhigen.
Verdacht im Seco
Auch im Seco ist man offenbar auf die Deals mit FuM aufmerksam geworden, liess sich dann aber beruhigen. Ein Auditor kam gemäss dem Bericht zum Schluss es gebe Potential zu Einsparungen – FuM erhielt aber weitere Aufträge.
Ausserdem sind der heute in U-Haft sitzende Seco-Mitarbeitende und zwei andere bereits 1997 von ihrem damaligen Chef schriftlich angewiesen worden, keine Vergünstigungen mehr anzunehmen. Der Lieferant, der die Seco-Leute zu gut behandelt hatte, war – IBM (!).
Bargeld von Fritz & Macziol
Doch auch Fritz & Macziol, Platzhirsch wenn es um den Verkauf von IBM-Infrastruktur an Behörden ging, könnte gemäss 'Tagi' geschädigt worden sein.
Die Zeitung berichtet von drei Vorgängen, bei denen Geld von FuM abgezogen worden ist. Die Firma habe einerseites 238'000 Franken für "Motorsportaktivitäten" eines ihrer Kader bezahlt. Zweitens stellte ein befreundeter Geschäftsmann, der zusammen mit dem verdächtigten FuM-Kader eine Drittfirma hatte, Rechnungen für "Beratungsdienstleistungen" über 440'000 Franken an FuM. Über 200'000 davon wurden im Sommer 2012 in Bar (!) an den ehemaligen Chef von FuM-Schweiz ausbezahlt.
Und drittens gibt es Rechnungen von einem Treuhänder an FuM, die auffallen. Der Treuhänder ist nämlich gemäss 'Tages-Anzeiger' per Mail vom ehemaligen FuM-Chef aufgefordert worden, die Rechnungen für IT-Beratungen ("Konzeption und Redesign Toolkit ... entspricht 175 St.d à 200.00. Danke") zu stellen.
FuM-Mutter Imtech verspricht Kooperation
Das deutsche Mutterhaus von Fritz & Macziol gehört seit 2006 zum holländischen Konzern Imtech. Imtech veröffentlichte am 19. Februar eine Pressemitteilung zum möglichen Korruptionsskandal in der Schweiz. Darin verspricht der Konzern eine eigene interne Untersuchung und Kooperation mit der Schweizer Justiz. Und erwähnt den Umsatz der Schweizer Tochter: 25 Millionen Euro (etwa 30 Millionen Franken). Mehr als die Hälfte davon machte FuM nach eigenen Angaben mit Behörden.
FuM suchte auch Nähe zum OIZ
Wer je (wie der Schreibende) von einem IT-Dienstleister an einen Sportanlass eingeladen worden ist, weiss, dass diese Sport-Sponsoring gerne verwenden, um Kunden und "Beeinflusser" zu "pflegen".
So hat FuM gemäss 'Tages-Anzeiger' von heute auch den ehemaigen OIZ-Chef Daniel Heinzmann als VIP-Gast nach Basel eingeladen. Heinzmann ist Walliser – die Einladung ging an einen Sion-Match...
Heinzmann hat allerdings gemäss dem Bericht (hc)

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