Swico zur Digitalisie­rung: "Die Schweiz ist blossgestellt worden"

27. Mai 2021, 10:32
  • politik & wirtschaft
  • channel
  • swico
  • verband
image

Der Verband hat ein Programm zur Digitalisierung vorgelegt. Nach dem gescheiterten Rahmen­abkommen sieht er Dringlichkeiten wegen des "Totalschadens".

Abstürzende Impfplattformen, Desaster mit dem digitalen Impfbüchlein, Durcheinander bei den Zahlen des BAG… Die Pandemie habe die Defizite in der Digitalisierung der Schweiz schonungslos entblösst, heisst es in einer Mitteilung von Swico: "Der Handlungsbedarf wurde jahrelang kleingeredet oder gar ignoriert." Der Verband hat nun ein Programm vorgelegt hat, das dem Abhilfe schaffen soll.
"Die Schweiz ist blossgestellt worden, der Peinlichkeitsgrad ist enorm", sagte Swico-Geschäftsleiterin Judith Bellaiche während der Präsentation des 10-Punkte-Programms. An der Veranstaltung fiel auch der Begriff "Gebote", allerdings wurden keine alttestamentarischen Du-sollst-nicht-Formulierungen gewählt. Das Programm soll eher als Kompass verstanden werden, wie Bellaiche erklärte.
Die Architektur des Dokuments ist naheliegend: Das Programm ist in 10 Bereiche wie Gesellschaft, Bildung, Arbeitsmarkt, Infrastruktur, Regulierung und Daten unterteilt, zu denen es insgesamt 32 Forderungen gibt. Diese würden bereits beim Swico beherzigt, um mit Behörden zu verhandeln, sagte Bellaiche.
Im Fokus stehen in der ersten Phase drei Impulse: Schweizweit soll eine digitale Bildungskultur vorangetrieben werden, in Umfragen sollen die digitalen Wünsche der Bevölkerung eruiert werden und schliesslich soll sich die Schweiz international, aber vor allem gegenüber der EU gut positionieren.
Letzteres gab angesichts des gestrigen Scherbenhaufens mit dem Rahmenabkommen besonders zu Diskutieren. "Der Souveränitätsverlust ist vor allem in der Digitalisierung gross", sagte Bellaiche. Der Handlungsabbruch komme einem "Totalschaden" gleich und man sei auf die Position eines Zaungastes degradiert worden. Nun müssten dringend Lösungen her, damit die Schweiz wieder mitreden könne, sagte Bellaiche. Auf die Frage nach konkreten Forderungen blieb sie vage, und erklärte, dass man mindestens eine defensive Linie brauche, die man vertreten könne. Zudem müssten die Zuständigkeiten in der Verwaltung klar definiert werden.
Etwas weniger zu Reden gaben die beiden anderen Punkte: Swico hat einen Appell formuliert, der an die Parlamentsmitglieder der 26 Schweizer Kantone verschickt wird, um einen koordinierten Vorstoss zu erwirken. Gegenstand des Aufrufs sind die Aufnahme von ICT und Programmieren in den Lehrplan, die Entwicklung von neuen Berufsbildern, die Ausbildung der Lehrpersonen sowie die Etablierung digitaler Bildungskanäle.
Im Herbst sollen Ergebnisse einer Studie vorliegen, denen zu entnehmen ist, was sich die Bevölkerung an digitalen Projekten und Infrastruktur in der Verwaltung wünscht. E-Voting hält man bei Swico nicht für besonders dringlich, stattdessen betont Bellaiche auf Nachfrage, dass es erstmal medienbruchfreie Zugänge zu den Behördenangeboten brauche. Dafür wäre auch eine E-ID mehr als hilfreich. Das vorgelegte Konzept wurde bekanntlich im ersten Anlauf von den Schweizer Stimmbürgern hoch verworfen.

Loading

Mehr zum Thema

image

BRACK.CH Business: digital und persönlich

Das Einkaufserlebnis so angenehm und einfach wie möglich zu gestalten, ist im Privatkundenbereich längst selbstverständlich. BRACK.CH Business hat sich das und noch mehr für seine Geschäftskunden auf die Fahnen geschrieben – sowohl beim Online-Angebot als auch in der persönlichen Betreuung.

image

SBB kaufen UX-Know-how für bis zu 31 Millionen

EBP, Zeix und Unic wurden ausgewählt und können sich die nächsten 5 Jahre über Aufträge freuen. Sie sollen Kaufprozesse, Ticketing und Omnichannel optimieren.

publiziert am 9.12.2022
image

Farner kauft Digital-Marketing-Agentur Blueglass

Das Blueglass-Team wird in Farner integriert, der Name bleibt aber bestehen. Weitere Übernahmen ähnlicher Agenturen werden folgen.

publiziert am 9.12.2022
image

EU: Ab 28. Dezember 2024 sind USB-C-Kabel Pflicht

Wer ab dem Stichtag ein Gerät auf den europäischen Markt bringt, muss einen USB-C-Anschluss bieten. Laptop-Hersteller haben noch etwas mehr Zeit.

publiziert am 9.12.2022