"Wir freuen uns auf unsere 'Back-to-the-Office-Party'"

28. April 2021, 11:31
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Wie gestalten Schweizer IT-Firmen und -Ab­teilungen Home­office, was finden die Teams und wie soll es künftig sein? In einer Artikel­serie gehen wir diesen Fragen nach.

Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Dies zeigt eine Vielzahl von Befragungen und Prognosen. Wir wollten von Schweizer IT-Firmen sowie Anwenderunternehmen wissen, wie sie mit dem Thema umgehen, was ihre Mitarbeitenden von der Arbeit im Homeoffice halten und was die Konsequenzen der Erfahrungen des vergangenen Jahrs sind. Um einige Trends auszuarbeiten, haben wir rund 20 IT-Anbieter sowie Anwenderunternehmen zum Thema befragt.
In Teil 1 dieser Artikelserie geht es um den Ist-Zustand. Noch gilt die vom Bundesrat verordnete Homeoffice-Pflicht. Unternehmen sind aufgefordert, Homeoffice überall dort anzuordnen, wo dies möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar ist.
Entsprechend arbeitet der Grossteil der Angestellten in allen von uns befragten Unternehmen im Homeoffice. Von Axians über Infinigate bis hin zu Xelon hören wir, dass 80% oder mehr der Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeiten. Ausnahmen gibt es für Mitarbeitende, deren Wohnsituation Homeoffice nicht ermöglicht, wie uns beispielsweise das Berner Amt für Informatik und Organisation (Kaio) schreibt.
Andere Unternehmen nennen Aufgaben, die nur vor Ort an einem der Firmenstandorte ausgeübt werden können als Ausnahmen. Dies betrifft bei den IT-Dienstleistern unter anderem Logistik-Mitarbeitende, Monteure oder wenn Arbeiten in Rechenzentren anfallen. 
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An den Blick in die leeren Büros hat man sich gewöhnt.
Ist Homeoffice nicht möglich, betonen die Unternehmen, werde Wert auf Massnahmen wie Abstand, Maskentragen und weitere Hygienemassnahmen gelegt. Aufgrund der Lage und Vorgaben arbeite ein Grossteil der Verwaltungsmitarbeitenden, inklusive der IT-Angestellten, im Homeoffice, schreibt Valora. Physische Präsenz sei nur für Arbeiten zugelassen, die nicht remote erledigt werden können, und auf freiwilliger Basis, so das Unternehmen – wohl stellvertretend für einen Grossteil der Firmen in der Schweiz.

Ein Jahr Homeoffice – wie geht es den Teams?

"Einerseits schätzen viele Mitarbeitende den Zeitgewinn, da das Pendeln wegfällt, die Nähe zur Familie und dass sie Zuhause konzentriert arbeiten können. Auch die Meetings seien virtuell sehr effizient. Andererseits fehlen der persönliche Kontakt und der Austausch – geschäftlich sowie kollegial – oder auch einfach die Tagesstruktur, inklusive Kaffeepause mit den Kollegen und Kolleginnen." So die Antwort auf unsere Frage von Infoguard, die vermutlich die Situation in vielen Teams widerspiegelt. "Einige finden es toll und fühlen sich sehr wohl im Homeoffice; andere wünschen sich den 'alten' Büroalltag sehnlichst zurück", schreibt auch Bexio exemplarisch.
Für Arbeitgeber und Angestellte ergeben sich durch die Arbeit daheim zwar durchaus Vorteile. Die Mitarbeiter schätzen die Flexibilität, ersparen sich den Arbeitsweg und melden eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, erklärt das Kaio. Weniger Ablenkung wird als Vorteil genannt, gleichzeitig fehle der informelle und spontane Austausch, ergänzt die Post. Letzteres, so Abacus, sei durch nichts zu vergleichen.
Während bei Leuchter der "Corona-Koller" noch nicht eingetroffen sei, sieht man bei Competec eine gewisse "Homeoffice-Müdigkeit". Nach einem Jahr schlage das Homeoffice auf die Gemüter, findet man auch bei Netstream.

Virtuelles Onboarding, Zoom-Cafi-Pause und externe Sozialberatung

Die Firmen geben sich entsprechend viel Mühe, auch in den verteilten Teams, die Unternehmenskultur zu fördern oder wenigstens aufrechtzuerhalten. Dies umfasst virtuelle Morgenkaffee-Termine, Feierabend-Zooms und Aperos oder Wettbewerbe. Statt einen fixen Termin gibt es bei iWay einen Kafi-Raum, der zweimal am Tag geöffnet ist. Dort könnten sich die Mitarbeitenden vormittags und nachmittags jeweils in einer Pause mit den Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice treffen.
Der fehlende persönliche Austausch könne eine motivationshemmende Ausstrahlung auf manche Mitarbeitenden habe, erklärt Axians. Motivationsförderung und Führung auf Distanz würden deshalb wichtige Themen bleiben und in die Aus- und Weiterbildung einfliessen.
Obwohl man eine sehr gute Unternehmenskultur habe, heisst es von Leuchter, sei es eine "Riesenchallenge", diese in einer reinen Homeoffice-Situation aufrecht zu halten oder neue Mitarbeiter in diese Kultur zu bringen. Für neue Angestellte kann die aktuelle Situation also eine besondere Herausforderung sein. Da dem Onboarding eine spezielle Beachtung geschenkt werden müsse, führe man Kennenlern-Termine durch, erklärt Abacus. Bei diesen Gesprächen, bei denen auch der CEO und die HR-Leiterin anwesend seien, soll auch der teamübergreifende Austausch ermöglicht werden.
Manchen Angestellten falle es schwerer, Privatleben und Arbeit voneinander abzugrenzen, beschreibt Competec eine weitere Herausforderung, vor der wohl viele stehen. Hierzu habe das betriebliche Gesundheitsmanagement diverse Unterstützungsangebote entwickelt.
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Manchen Angestellten fällt es schwerer, Privatleben und Arbeit voneinander abzugrenzen.
Einen ganz neuen Weg geht iWay: Es gebe seit neuestem eine betriebliche, aber externe Sozialberatung, damit sich die Mitarbeitenden bei allfälligen Schwierigkeiten zuhause an eine neutrale Stelle wenden könnten. Entstanden sei die Idee, weil sich Mitarbeitende bei persönlichen Schwierigkeiten nicht mehr wie gewohnt austauschen können und diese nun alleine tragen müssen, vielmals wohl unbemerkt.

Die gewonnene Flexibilität will man behalten

Praktisch alle der von uns befragten Unternehmen haben ihre Angestellten im Homeoffice-Kontext zu ihren Wünschen befragt. Während das bei Grossfirmen wie der ZKB, Post oder Swisscom formalisierter abgelaufen ist, setzen die kleineren Unternehmen auf den informellen Austausch und individuellen Input.
Befragt nach den Wünschen für die Zeit nach der Pandemie respektive nach der Aufhebung der Homeoffice-Pflicht, zeigt sich der deutliche Bedarf nach Flexibilität. Diese wollen sich viele nicht mehr nehmen lassen.
Auch wenn sich eine pauschale Antwort nicht liefern lässt, wünscht sich ein Grossteil der Angestellten einen Mix: 2 bis 3 Tage Homeoffice, heisst es etwa von Axa und ähnlich klingt es bei der Mehrheit der Firmen.
Beispielsweise bei Competec wurde ferner auch der Wunsch geäussert, dass – nach Corona – niemand ins Homeoffice muss, der dies nicht möchte. Bei Infinigate wurde zudem auf eine reibungslose IT-Infrastruktur verwiesen, sodass es keinen Unterschied mache, wo man arbeite. Die "einfache Technik" habe es schon lange gegeben, sagte uns die Migros, nun habe man gelernt, diese konsequent einzusetzen und damit zu arbeiten. Damit sei man für die Zukunft flexibler aufgestellt.
Die Bedürfnisse der Mitarbeitenden hätten sich über die Zeit verändert, stellt man bei Valora fest: Während der Wunsch nach Homeoffice in den Anfängen der Pandemie dominiert habe, stehe aktuell der Wunsch, wieder ins Büro zurückzukehren zu dürfen, im Vordergrund.
Oder, wie es von Infinigate heisst: "Wir freuen uns bereits jetzt auf unsere 'Back-to-the-Office-Party', sobald das möglich ist!"
Im März und April 2021 haben wir IT-Anbieter aus verschiedenen Bereichen sowie Anwenderfirmen zu ihrem Umgang mit Homeoffice befragt. Wie war es vor der Pandemie und wie soll es künftig sein? Was wünschen sich die Mitarbeitenden und können die Bedürfnisse erfüllt werden? Geantwortet haben uns Abacus, Axa, Axians, Bexio, Competec, die FFHS, Infinigate, Infoguard, IMS, iWay, das Kaio, Leuchter, Migros, Netstream, die Post, Sage, Swisscom, Valora, Xelon sowie die ZKB.
Während der erste Teil sich insbesondere der Ist-Situation gewidmet hat, haben wir für Teil 2 und 3 konkreter nach der Zukunft und der Zeit nach Corona gefragt und wollten wissen, was die Konsequenzen sind. 

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