Wird Open RAN zur Alternative zu einem 5G-Vendor-Lockin?

25. Januar 2021, 11:13
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4 grosse europäische Telcos wollen das Funkzugangsnetz für 5G herstellerneutral und offen gestalten. Warum? Eine Analyse.

Bis anhin hiess es beim Aufbau von 5G: Ericsson, Huawei oder Nokia? Nun, da wegen der politischen Probleme in Europa ein Duopol aus Ericsson und Nokia droht, kriegt das Open RAN-Konzept immer mehr Schub. Soeben unterzeichneten die grossen 4 Telcos in Europa - Deutsche Telekom, Telefónica, Vodafone und Orange - eine Absichtserklärung, Open RAN zu unterstützen und voranzutreiben.
Das Funkzugangsnetz RAN (Radio Access Network) ist das Bindeglied zwischen Endgeräten und dem Core Netzwerk, und Betreiber müssen bis anhin oftmals komplette Paketlösungen eines Herstellers einkaufen. Die Alternative dazu könnte Open RAN sein. Damit sollen Hard- und Software interoperabel werden und ohne herstellerspezifische Schnittstellen und Funktionen auskommen, so dass ein Telco unterschiedliche Anbieter für die Software, die Antenne und die Basisstation des Funkzugangsnetzes seines 5G-Netzes wählen könnte.
Die 4 grossen Telcos halten nun fest, dass Open RAN eine Schlüsseltechnologie sein werde, falls Politik und Branchen-Player rechtzeitig die Weichen dahingehend stellen.
Sie argumentieren mit der Duopol-Gefahr, und glauben, dass "die Nutzung der Open RAN-Technologie zu einem wettbewerbsfähigeren 5G-Umfeld führen wird, das eine Diversifizierung der Anbieter in Europa gemäss den EU-Richtlinien (...) ermöglicht und der Industrie mehr Flexibilität für Innovationen und Differenzierung bietet."
Mit Open RAN könnte die Politik also entscheiden, Huawei ein- oder auszuschliessen für einzelne Komponenten eines 5G-Netzes, und Länder erhielten eine gewisse "technologische und digitale Souveränität", so eine Hoffnung, welche seit einiger Zeit bei Politik und Telcos an Unterstützung gewinnt.
Weg vom Vendor-Lockin und hin zu Open RAN würde zudem die preisliche Verhandlungsmacht der Hersteller schwächen und andere 5G-Anbieter wie Samsung und NEC, Cloud-Anbieter, spezialisierte Startups ebenso wie Amazon, Google und Microsoft könnten im wachsenden 5G-Markt in Europa stärker Fuss fassen.
Dies könnte nur gelingen, falls bezüglich Open RAN noch diverse Hausaufgaben gemacht werden, denn bei der Entwicklung und der Anerkennung von Spezifikationen und Standards ist das Konzept nicht sehr weit gediehen. Dies wissen die 4 Telcos: "Die Förderung ist dazu da, eine echte Multi-Vendor-Umgebung in Europa zu ermöglichen", heisst es in der Absichtserklärung (PDF).
Im besten Fall wären die Architektur und die Standards zudem so gedacht, dass auch der Nachfolger von 5G, nämlich 6G, leichter und besser umgesetzt werden könnte als 5G heute.
Auch wenn Open-RAN in den Kinderschuhen steckt, könnte der herstellerneutrale und flexible Ansatz eine vergleichsweise rasch und einfach umzusetzende Alternative bieten, statt sich auf "Alleskönner" von Huawei, Ericsson oder Nokia festzulegen, sind sich Experten einig.
Entsprechend hat sich eine O-Ran-Alliance aus Telcos, Vendors und Forschungsinstituten formiert, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Konzept gemeinsam voranzutreiben. Die 4 Unterzeichner der Absichtserklärung sind dort auch Mitglieder, ebenso Ericsson und Nokia, aber Huawei nicht, so die Mitgliederliste.
Erste Pilotprojekte sind auch am Laufen, aber die werden nicht genügen, um die grossen Antworten auf zentrale Fragen zu finden: Welches Know-how benötigt Europa, um bei 5G "digital souverän" mithalten zu können? Was fehlt? Warum? Und wie soll ein "digital souveränes Land" oder eine EU das fehlende "Ökosystem" aufbauen?
Eine Antwort ist Geld, sagt Deutschland: Die Regierung will 2 Milliarden Euro in die Open-RAN-Technologie investieren.

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