Deepfakes von Vitali Klitschko sorgen für Aufregung

27. Juni 2022, 09:38
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Ein Deepfake von Vitali Klitschko im Gespräch mit Franziska Giffey, Bürgermeisterin von Berlin. Foto: Senatskanzlei Berlin / Twitter

Mehrere europäische Politikerinnen und Politiker haben mit einem falschen Vitali Klitschko telefoniert. Manche haben die Deepfakes durchschaut, andere nicht.

Für Franziska Giffey hat alles gepasst: das Gesicht von Vitali Klitschko auf dem Bildschirm, die Gestik, die Mimik und die Lippen­bewegungen – doch er war es nicht. Nicht der bekannte Kiewer Bürgermeister und ehemalige Profi-Boxer hat nacheinander mit Rathauschefs quer durch Europa konferiert, sondern ein Unbekannter. Die Politiker sind Opfer von Deepfakes geworden, einer besonders sorgfältig manipulierten Videoschalte. Auch Madrid, Wien, Budapest und möglicherweise weitere Städte sind betroffen. Der Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg ist offensichtlich, doch ein Tatverdächtiger wurde noch nicht genannt.
Der echte Klitschko sagte gegenüber 'Bild', dass dahinter wohl kriminelle Energie stecke. "Bei mehreren Bürgermeistern in Europa hat sich ein falscher Klitschko gemeldet, der absurde Dinge von sich gegeben hat," sagte er in einem Statement. Es müsse dringend ermittelt werden, wer dahinter stecke. Klitschko betonte, offizielle Gespräche könne es nur über die offiziellen Kanäle in Kiew geben. Für Gespräche auf Deutsch oder Englisch würde er auch nie einen Übersetzer benötigen, fügte er hinzu.
Giffey hatte bei einer Videokonferenz Zweifel bekommen, ob sie tatsächlich mit Kiews Bürgermeister verbunden war. Das Gespräch endete dann vorzeitig. Die Senatskanzlei geht von einer digitalen Manipulation aus. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Altes Interview als Grundlage der Fälschung?

Die Berliner Senatskanzlei geht von einer digitalen Manipulation aus: "Allem Anschein nach haben wir es mit Deepfake zu tun", sagte Senatssprecherin Lisa Frerichs. Bislang lässt sich aber nur darüber spekulieren, welche Art der Manipulation beim Video-Telefonat mit dem falschen Klitschko verwendet wurde. Das von der Senatskanzlei veröffentlichte Foto zeigt Kiews Bürger­meister in einem Setting, das dem eines Interviews aus dem Frühjahr zum Verwechseln ähnlich sieht. Klitschko trägt die gleiche hellbraune Jacke und im Hintergrund ist ebenfalls unter anderem die ukrainische Flagge zu sehen.
Möglicherweise wurde das Videomaterial des damaligen Interviews als Grundlage verwendet und in Echtzeit mit dem Gesprochenen und den Lippenbewegungen desjenigen zusammengeführt, der tatsächlich mit Giffey sprach. Fachleute nennen das Face Reenactment. Zu Beginn des Gesprächs sei gefragt worden, ob es auf Russisch stattfinden und übersetzt werden könne, so Giffey auf Twitter. Es wäre nachvollziehbar, dass sie also relativ wenig auf die Stimme ihres Gesprächspartners achtete, da sie der Übersetzung folgte.

Nicht nur Berlin betroffen

Auch in Madrid wurde Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida bei dem Videotelefonat mit dem angeblichen Bürgermeister Klitschko schnell miss­trauisch und brach das Gespräch ab, wie ein Sprecher des Bürgermeisteramtes bestätigte.
Ebenfalls mit dem falschen Klitschko telefoniert hat auch der Wiener Bürger­meister Michael Ludwig von der SPÖ. Einer Journalistin des 'ORF' sagte er, der Anrufer habe auf Englisch gesprochen. Die E-Mail-Adressen, über die das Gespräch vorbereitet wurde, hätten vertrauenswürdig gewirkt. Gegen Ende wäre der angebliche Klitschko dann fordernder aufgetreten.
Man habe deshalb das Gespräch beendet, Zweifel an der Identität seien dabei aber nie aufgekommen. Ludwig sagte gegenüber dem 'ORF': "Nachdem in dem Gespräch keine verfänglichen Themen behandelt worden sind, ist das im konkreten Anlassfall sicher ärgerlich, aber kein grosses Problem."

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