Der Schweizer Softwarebranche geht es blendend, aber …

1. November 2022 um 12:39
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Foto: Luke Peters / Unsplash

Sollte das Geschäft auch weiterhin so stabil wachsen, wird sich der Fachkräftemangel in der Schweiz noch weiter zuspitzen, sagen die Autoren einer Umfrage.

Die Softwareindustrie in der Schweiz kehrt zu den Wachstumsraten von vor der Covid-19-Pandemie zurück. Für die Jahre 2022 und 2023 wird von einem branchenweiten Umsatzwachstum von über 6% ausgegangen. Diese Prognosen gehen aus der jüngsten Swiss Software Industry Survey (SSIS) des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern hervor. Im Mittelpunkt der Studie standen dieses Jahr aber auch die Auswirkungen des Fachkräftemangels auf die Branche sowie mögliche Strategien für dessen Bewältigung.
So würde mit dem Umsatzwachstum auch der Bedarf an Mitarbeitenden immer weiter zunehmen, schreiben die Autoren wenig überraschend. Erwartet wird in Zukunft eine Zunahme der Mitarbeitenden von 5,7%, was rund 3,6 Prozentpunkten mehr entspricht als noch im Vorjahr. Entsprechend soll der Fachkräftemangel in Zukunft zunehmen und es seien entsprechend neue Ansätze gefordert, sagte Jens Dibbern von der Uni Bern anlässlich der Präsentation der Arbeit in Bern.
Eine weitere Zahl unterstrich diese These: Gemäss der Umfrage benötigen Softwareunternehmen im Durchschnitt 81 Tage, um eine offene Stelle zu besetzen. Das ist deutlich länger als in anderen Branchen, wo diese Zeitdauer nur gerade 50 Tage beträgt. Die Zahl sei ein wichtiger Schlüsselindikator zur Bemessung des Fachkräftemangels, hiess es. Die Softwarebranche könne ihr Wertschöpfungspotenzial nur dann vollständig ausnutzen, wenn auch genügend Personal vorhanden ist.

Mehr Flexibilität gefordert

Die Flexibilisierung der Arbeit werde für Softwareunternehmen immer wichtiger. 70% gaben in der Umfrage an, dass sie in den letzten 3 Jahren verstärkt flexible Arbeitsmodelle eingeführt haben. Weiter wurden auch die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder von Ausbildung und Beruf sehr häufig genannt. Bemerkenswert sei dabei, dass solche Angebote wichtiger sind als ein hoher Lohn oder überdurchschnittliche Nebenleistungen.
"Diese Ergebnisse decken sich auch mit unseren Erkenntnissen", hält Judith Bellaiche, Geschäftsführerin des ICT-Branchenverbands Swico fest. "Unser Bestreben nach Flexibilisierung der Arbeit wird damit erneut bestätigt. Der Innovationsstandort Schweiz wird unter anderem von unserer Fähigkeit für 'New Work' und angepassten Rahmenbedingungen abhängen."

Branchenfremde Fachkräfte sind gesucht

Um die hart umkämpften Fachkräfte zu rekrutieren, setzen die befragten Softwareunternehmen hauptsächlich auf Hochschulabsolventinnen und -absolventen und dabei ganz gezielt auch auf Frauen. Das Potential hier sei riesig, heisst es an der Präsentation. Deutlich weniger Anstrengungen würden die Unternehmen aber auf sich nehmen, um Mitarbeitende aus dem Ausland anzuwerben. Auffallend dabei ist, dass sie sich weder um Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger noch um Lernende besonders bemühen.
Angesichts des tobenden "War for Talents" erstaunt dieses Ergebnis. Auch deckt es sich nicht mit den Empfehlungen von Swico, dass vermehrt in Lehrstellen investiert und auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger berücksichtigt werden. Im Rahmen eines Workshops haben sich die anwesenden Personen dann Gedanken dazu gemacht, wie im ICT-Sektor vermehrt Arbeitsplätze für Frauen, Lernende oder Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger geschaffen werden können. Im Gross war sich das Plenum einig darüber, dass dafür viel Geld, Kommunikation und Marketing nötig sein wird.
Interessenbindung: Die Teilnahme am CNO Panel in Bern erfolgte auf Einladung von Sieber&Partner und Swico.

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