Dialog ist raus, Affoltern a. A. tauscht IT-Dienstleister

18. November 2022, 15:26
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Affoltern am Albis. Foto: Standortförderung Knonauer Amt

Die gewünschte Automatisierung sei von Dialog Verwaltungs-Data nicht erreicht worden, heisst es von der Stadt. Nun soll OBT einspringen. Dialog-Chef Stefan Fellmann äussert sich zum Kundenverlust.

Im Jahr 2019 hat sich die Stadt Affoltern am Albis entschieden, ihren Informatik-Dienstleister zu wechseln. In der Ausschreibung konnte sich ein Anbieter in allen Kriterien durchsetzen. Nun wird der Vertrag, der Anfang 2023 ausläuft, aber nicht verlängert. Laut einer Mitteilung der Stadt konnte der gewünschte Automatisierungsgrad nicht erreicht werden. Der Stadtrat der rund 12'400 Einwohner zählenden Gemeinde hat die Reissleine gezogen.
Affoltern nennt die Firma nicht, aber auf der Ausschreibungsplattform "Simap" findet sich im betreffenden Jahr ein Zuschlag für die Hauptapplikation inklusive Gesamterneuerung für die Stadtverwaltung. Der Auftrag ging für 4,7 Millionen Franken an die Firma Dialog Verwaltungs-Data aus dem Kanton Luzern, die für die Laufzeit von 3 Jahren von der Stadt beauftragt wurde.
Auf Anfrage bestätigt man seitens der Stadt, dass man einen höheren Automatisierungsgrad verlangt hatte. Obwohl sich die Firma stark für die Weiterentwicklung und die zusätzlichen geforderten Applikationen eingesetzt habe, sei das nicht gelungen, heisst es. Nun soll der IT-Dienstleister OBT einspringen, der sich bei der Ausschreibung von 2019 auf dem zweiten Rang positionieren konnte.

Dialog-Chef Fellmann: "Datenqualität war oftmals ungenügend"

Stefan Fellmann, Geschäftsleiter von Dialog, sagt auf unsere Anfrage: Man habe mit der aktuellen Steuerbezugslösung die gewünschte Automatisierung nicht erreicht, die Verwaltung habe indes nicht auf die Neuentwicklung Dialog G6 warten wollen. "Bei den anderen Bereichen wie Finanzen, Einwohnerkontrolle, Gebührenfakturierung, Liegenschaftsbewertung und Geschäftsverwaltung konnte die Anforderungen erfüllt werden", präzisiert er.
Auch eine weitere Aussage aus Affoltern will er konkretisiert haben. Die Stadt sei damals die erste grössere Verwaltung gewesen, welche im Kanton Zürich auf dieses "innovative und zukunftsweisende Produkt" setzte, heisst es in der Mitteilung von Affoltern zur Vertragsbeendung. War der Auftrag schlicht zu gross? Das Unternehmen zählt derzeit knapp 80 Mitarbeitende. Laut Fellmann betreut Dialog heute mit rund 80 Beschäftigten 620 öffentliche Verwaltungen in der deutschen Schweiz, darunter die Gemeinde Köniz mit 40'000 Einwohnern, die Stadt Olten mit 18'000 Einwohnern und die Stadt Langenthal mit 16'000 Einwohnern. Die Firma war im Herbst 2021 von der Post übernommen worden.
Die Grösse ist aus Sicht der Firma also nicht ausschlaggebend. Dennoch sei der Auftrag anspruchsvoll gewesen, ergänzt Fellmann: "Während des Projektes stellte sich heraus, dass wir Daten aus verschiedenen Ursprungslösungen migrieren mussten und die Datenqualität oftmals ungenügend war. Wir haben viel Projektaufwand geleistet, um mit diesen Datenbeständen zurecht zu kommen". Man habe Erkenntnisse für künftige Projekte aus der lehrreichen Arbeit gewonnen, so der Dialog-CEO.

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