Die IT-Woche: Auf Talfahrt

20. Januar 2023, 16:09
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Foto: Skyler Gerald / Unsplash

Entlassungen, Kündigungen, Konkurse… und ein Lichtblick in wirtschaftlich turbulenten Zeiten.

Die Angst vor Kündigung geht in der Bigtech-Branche um, nachdem sie von einer Welle von Massenentlassungen erfasst wurde: Bereits sind 18'000 Jobs bei Amazon, 11'000 bei Meta, 8000 bei Salesforce, 6000 bei HP, 5000 bei Micron, 4000 bei Twitter und "Tausende bei Citrix und Tibco" dem Spardruck in der wirtschaftlichen Entwicklung zum Opfer gefallen.
Mitte dieser Woche kündigte Microsoft an 10'000 Beschäftigte zu entlassen. Der Konzern zahlt offenbar bis zu 1,2 Milliarden Dollar an Abfindungen. Die Schweizer Ländergesellschaft wollte sich nicht zu Massnahmen in der Schweiz äussern. Auch Google Schweiz zeigte sich schweigsam, als die Mutter Alphabet heute ankündigte, ganze 12'000 Jobs zu streichen.
Härter erwischt hat es offenbar Avaya, den einst aufstrebenden Konkurrenten von Netzwerk-Gigant Cisco. Laut Berichten soll sich das Unternehmen in den USA am Rande einer Insolvenz bewegen. Es wäre nicht das erste Mal: Zuletzt musste das New Yorker Unternehmen 2017 unter den Schutz des US-Konkurs- und Gläubigerschutzverfahrens "Chapter 11" flüchten. Daraufhin verkaufte es unter anderem seine Netzwerksparte und wurde aus dem Chapter 11 entlassen.
Massenentlassungen unter besonderen Umständen gibt es auch in der Kryptobranche zu beklagen. Nach dem Konkurs der Börse FTX will es nicht besser werden. Erst kündigte Coinbase an, 950 Mitarbeitende auf die Strasse zu stellen, dann erklärte Crypto.com, jeden fünften Angestellten zu entlassen. Zum Wochenabschluss kam dann der Paukenschlag: Die Kryptoplattform Genesis hat in den USA für einige Gesellschaften Antrag auf Gläubigerschutz gestellt. Die Muttergesellschaft zählt rund 100'000 Gläubiger, die 50 grössten ungesicherten Forderungen sollen sich auf 3,4 Milliarden Dollar summieren. Das ist mehr als damals bei FTX.
Das dürfte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) antreiben, ein Papier ihres Forschungsarms intensiv zu diskutieren: Darin geht es um Regulierung und Isolation des Kryptobereichs – sogar ein Verbot von Kryptoaktivitäten ist im Gespräch. Letzteres dürfte im Schweizer Crypto Valley niemanden freuen, sonst erhofft man sich dort aber von den Regulationsabsichten durchaus auch Vorteile. Dies zeigte unsere Nachfrage bei Bitcoin Suisse, Crypto Finance und Sygnum, die aber durchaus auch ihre Sorgen mit sich rumtragen.
Einen Lichtblick gab es indes aus der Schweizer ICT-Branche: In seinem ICT-Index berichtet der Branchenverband Swico von "erfreulichen Aussichten" für den Jahresanfang. Der Gesamtindex sei um fast 10 Punkte gestiegen und habe mehr als 120 Punkte erreicht. Dies sei der viertbeste Wert, der je erzielt worden sei. Man schaut dort also hoffnungsfroh in die Zukunft.

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