Die IT-Woche: In unruhigen Gewässern

12. August 2022, 13:25
  • kolumne
  • rückblick
  • it-woche
image

Bei Avaya scheint eine Krise auf die nächste zu folgen. Turbulenzen gab es auch bei Axsana, der Armee und der Bundeskanzlei.

Der Kommunikations-Spezialist Avaya kommt nicht zur Ruhe. Diese Woche präsentierte der Konzern seine Bilanz für das 2. Quartal 2022. Der Umsatz ging um 20% zurück. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse sackte die Aktie um 45% ab. Schönreden kann man das Ergebnis nicht. Es würden gar "erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens bestehen, den Betrieb fortzusetzen", hiess es. Man kann sich fragen, inwiefern der überraschende CEO-Wechsel damit zusammenhängt. Unabhängig davon untersucht ein Ausschuss des Verwaltungsrats die Umstände rund um die Finanzergebnisse. Ausserdem geht das Unternehmen Whistleblower-Vorwürfen nach – allerdings ist für die Öffentlichkeit unklar, um was es dabei geht.
Nicht zur Ruhe kommt auch die Gesellschaft Axsana, die in 14 Kantonen das elektronische Patientendossier (EPD) anbietet. Die Organisation war letztes Jahr in finanzielle Schieflage geraten, die beteiligten Kantone mussten Geld nachschiessen. Im Frühling 2022 kam die Eidgenössische Finanzkontrolle nach einer Prüfung zum Schluss, dass keine nachhaltige Finanzierung sichergestellt sei. Diese Woche wurde bekannt, dass Axsana von der Post übernommen wird. 75% der Gesellschaft will der Gelbe Riese übernehmen.
Für Unruhe gesorgt haben diese Woche auch zwei voneinander formell unabhängige Meldungen. Die Schweizer Bundeskanzlei will künftig die Video-Identifikation für die Authentifizierung von Personen testen, die auf interne Applikationen zugreifen können. Just am selben Tag, berichtet der Chaos Computer Club aus Deutschland, mehrere Video-Identifikationssysteme übelistet zu haben. Die Publikation hatte zur Folge, dass ein deutscher IT-Dienstleister der Gesundheitsbranche den Krankenkassen die Nutzung des Online-Verfahrens untersagt hat.
Um etwas Ruhe in die IT-Projektorganisation zu bringen, hat sich der IT-Dienstleister der Armee (FUB) viel externe Unterstützung geholt. Denn dort fehlen Ressourcen, wie letztes Jahr bekannt wurde. Es müsste 300 Personen zusätzlich einstellen, um alle Aufträge der Armee in gesetzter Frist erfüllen zu können, sagte uns FUB-Chef Thomas Fankhauser. Nun hat der Armee-Dienstleister Rahmenverträge mit Externen über 55 Millionen Franken geschlossen.
Apropos Beschaffung: Auch das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) sicherte sich externe Hilfe. Dort holte man für 17 Millionen Franken Dienstleister an Bord, die dem Bundesamt bei Beschaffungen helfen können.

Loading

Mehr zum Thema

image

IT-Woche: Datenschutz vs. Anwälte – wer gewinnt?

Es läuft die Schlussviertelstunde des Spiels. Aktuell steht es Unentschieden. Die Anwälte sind im Angriff, aber die Datenschützer haben eine starke Verteidigung im Aufgebot.

publiziert am 30.9.2022
image

Vor 39 Jahren: Word 1.0 für MS-DOS erscheint

Im September 1983 brachte das Hause Redmond seine Textverarbeitungs-Software für das Microsoft Disk Operating System, kurz MS-DOS, auf den Markt.

publiziert am 30.9.2022
image

Prantl behauptet: Der Fachkräftenotstand und die "Rache der Büezer"

Heute habe IT-Fachkräfte die längeren Spiesse, sagt unser Kolumnist, nicht mehr ihre Arbeitgeber.

publiziert am 26.9.2022
image

IT-Woche: Zum Leben zu wenig…

Es geht nicht nur im Gesundheitswesen um Leben und Tod, sondern auch in der IT.

publiziert am 23.9.2022 1