Drohnen sollen das Schweizer Elektrizitätsnetz inspizieren

13. Januar 2023 um 15:22
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Foto: Yitzhak Rodriguez / Unsplash

Swissgrid sucht Anbieter für eine "kritische Flugmission": Drohnenpiloten sollen rund 12'000 Masten in der ganzen Schweiz fotografieren und Schäden finden.

Durch die Schweiz führen rund 3800 Kilometer Stromleitungen, die von 12'000 Masten getragen werden. Das Netz ist der Inbegriff kritischer Infrastruktur, schon ein partieller längerer Ausfall kann katastrophale Folgen nach sich ziehen. Die Organisation Swissgrid muss als Eigentümerin und Betreiberin die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur sicherstellen. Dafür sind auch regelmässige Inspektionen nötig: Eine Mammutaufgabe, die nun Drohnen übernehmen sollen.
Dies zeigt eine Ausschreibung, in der Swissgrid Anbieter sucht, die über die nächsten drei Jahre mit den Fluggeräten hochauflösende Bilder von den Freileitungen und den Masten schiessen. Bei laufendem Betrieb der Infrastruktur sollen sie aus verschiedenen Winkeln Beschädigungen, technische Probleme und ähnliches aufspüren. Danach werden sie nach einem Katalog klassifiziert: Der Stromnetzbetreiber erlaubt neben der Auswertung durch menschliche Spezialisten auch Künstliche Intelligenz – wenn deren Zuverlässigkeit sichergestellt sei, wie es in den Unterlagen zur Ausschreibung heisst.
Eine ausgebleichte Markierungskugel wird in den Musterunterlagen etwa mit dem Schweregrad "hoch" angegeben, ein rostiger Gabelring an einer Leitung als "niedrig". Entsprechend der Dringlichkeit lässt Swissgrid dann Reparaturen und Wartungsarbeiten ausführen. Bis 2025 stehen der Organisation für Unterhalt, Erneuerung und Ausbau 2,5 Milliarden Franken zur Verfügung.
Man erachte die Drohnenflüge im nahen Trassenumfeld als "kritische Flugmission", heisst es in den Ausschreibungsunterlagen. Anbieter müssen deshalb strenge Regeln einhalten und zertifizierte Pilotinnen und Piloten beschäftigen. Zudem sollen sie vorab eine Risikoanalyse und ein Notfallkonzept erarbeiten.
Swissgrid hat vor der Ausschreibung ein Pilotprojekt (kein Wortspiel) durchgeführt, um die Arbeiten, die man früher mit dem Feldstecher gemacht hatte, von Drohnen ausführen zu lassen. Schon heute setzt die Organisation teilweise auf Drohnen, wie ein Blogbeitrag zeigt: Bereits werden sie für die Erfassung bei bekannten Schäden genutzt, Förster von Swissgrid verschaffen sich zudem einen Überblick, ob Bäume Leitungen bedrohen. Nun soll ihr Einsatz stark ausgeweitet werden.

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