Ebbe und Flut: Wohin treibt der Halbleitermarkt?

29. Juli 2022, 08:05
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Foto: Vishnu Mohanan / Unsplash

Intel, Samsung und Qualcomm haben ihre Geschäftszahlen publiziert. Sie unterstreichen die Tendenzen im Chipmarkt. Die USA wollen die Produktion mit Steuergeldern ankurbeln.

Intel hat nach einem Umsatzeinbruch und roten Zahlen im vergangenen Quartal seine Jahresziele kassiert. Der Umsatz des Konzerns fiel in dem Anfang Juli abgeschlossenen 2. Geschäftsquartal im Jahresvergleich um 22% auf 15,3 Milliarden Dollar. Unter dem Strich gab es einen Verlust von 454 Millionen Dollar nach einem Gewinn von gut 5 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Für das gesamte Jahr senkte Intel nun die Umsatzprognose auf 65 bis 68 Milliarden Dollar von zuvor 76 Milliarden Dollar.
Ein Auslöser war der Rückgang der Erlöse im PC-Geschäft um ein Viertel auf 7,7 Milliarden Dollar, wie Intel mitteilte. Dies schreibt auch Samsung anlässlich der neusten Geschäftszahlen: Die Nachfrage für Verbraucherprodukte wie etwa PCs und mobile Geräte sei zurückgegangen, heisst es bei dem Elektronikriesen.
Das bestätigt bereits eine Tendenz, die Marktforscher erkannt haben wollen: 2022 werde der weltweite Halbleiterumsatz zwar weiter zulegen, Gartner schätzt auf 639 Milliarden US-Dollar. Doch die Analysten gehen nur noch von einem Wachstum von 7,4% aus und korrigieren damit ihre Prognose um fast die Hälfte nach unten.
"Der Halbleitermarkt folgt dem Abwärtszyklus der Branche, was nicht neu ist und schon viele Male vorgekommen ist", sagte ein Gartner-Forscher und ergänzte: "Während sich der Verbraucherbereich verlangsamen wird, werden die Halbleiterumsätze aus dem Rechenzentrumsmarkt aufgrund anhaltender Investitionen in die Cloud-Infrastruktur länger stabil bleiben."

Samsung im Glück

Darum dürfte sich die Gesamtsituation bei Samsung anders als bei Intel darstellen. Der Konzern hat im 2. Quartal dank der anhaltend starken Nachfrage nach Chips in Rechenzentren trotz des schwächelnden PC-Marktes erneut deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor. Der Gewinn legte um 15% auf umgerechnet 8,6 Milliarden Dollar zu. Der Umsatz kletterte auf 59 Milliarden Dollar.
Das robuste Geschäft mit Halbleitern hatte Samsung schon im 1. Quartal trotz der weltweiten Probleme bei den Lieferketten hohe Zuwächse beschert. Dabei profitieren die Chip-Hersteller vor allem vom gestiegenen Bedarf an Kapazitäten in den Datenzentren. Der operative Gewinn allein der Halbleitersparte von Samsung stieg in den Monaten April bis Juni den Angaben zufolge bei gleichzeitigem Quartalsrekord auf 7,7 Milliarden Dollar
Die Server-Nachfrage werde sich voraussichtlich weiter solide entwickeln, heisst es auch von Samsung. Im Geschäft mit Smartphones konstatierte das Unternehmen im Vergleich zum 1. Quartal einen weiteren Abschwung im Markt, der neben saisonalen Gründen auf geopolitische Probleme und Inflationssorgen zurückzuführen sei.

Qualcomm als Querschläger

Die starke Position im Smartphone-Markt beflügelt hingegen das Geschäft des Chipkonzerns Qualcomm, so das Unternehmen in einer Mitteilung. Im Ende Juni abgeschlossenen 3. Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 36% auf 10,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn von Qualcomm sprang um 84% auf 3,7 Milliarden Dollar.
Qualcomm spielt eine führende Rolle bei Modems, die Handys mit dem Mobilfunk-Netz verbinden. Von der Firma aus San Diego kommen auch die Hauptprozessoren vieler Smartphones mit Android. Ein zweites Standbein ist das Geschäft mit Lizenzen auf von Qualcomm patentierte Technologien. Im vergangenen Quartal war auch mit dem Smartphone-Marktführer Samsung eine neue mehrjährige Lizenzvereinbarung abgeschlossen worden.
Wohin sich der Markt für Chips langfristig entwickelt, ist indes nicht klar: Gartner glaubt, dass nach einem Tiefpunkt im kommenden Jahr, spätestens 2024 eine Erholung zu verzeichnen sein wird. Derweil arbeitet die USA an der Angebotsseite: Ein soeben verabschiedeter "Chips and Science Act" bewilligt etwa 52 Milliarden Dollar an staatlichen Subventionen für die Halbleiterproduktion und -forschung in den USA sowie eine Steuergutschrift für Investitionen in Chipfabriken, deren Wert auf 24 Milliarden Dollar geschätzt wird.
Die Produktionszyklen für Halbleiter sind aber derart lang und zentrale Produktionsschritte so zentralisiert, dass das Geld nicht in absehbarer Zeit in Kapazitätszuwächsen zum tragen kommen dürfte: Der Bau einer neuen Produktionsstätte für Chips wird etwa von Intel auf 4 bis 5 Jahre geschätzt.

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