Einmal mehr Übernahme­gerüchte um Temenos

28. April 2022, 12:42
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Foto: AbsolutVision / Unsplash

Diesmal will 'Bloomberg' erfahren haben, dass die Private-Equity-Firma Thoma Bravo den Genfer Bankensoftwarespezialisten kaufen will.

Das auf Technologieunternehmen fokussierte Private-Equity-Unternehmen Thoma Bravo soll erste Übernahmegespräche mit dem in Genf ansässigen Bankensoftwarehersteller Temenos geführt habe. Das berichtet die Nachrichtenagentur 'Bloomberg', die sich auf anonyme Insiderquellen beruft. Laut dem Bericht wird der Marktwert der Bankensoftware-Schmiede diesmal mit rund 7,1 Milliarden Franken angegeben. Weder bei Thoma Bravo noch bei Temenos hat man Stellung zu den Kaufgerüchten bezogen.
Allerdings hat die Aktie in Zürich um rund 14% zugelegt, was der grösste Anstieg innerhalb eines Tages seit mehr als sechs Monaten gewesen sei, heisst es weiter. Bei früheren Übernahmegerüchten hatte 'Bloomberg' ähnliche Entwicklungen gemeldet. So soll es im letzten Oktober ein Übernahmeangebot des schwedischen Investmentfonds EQT gegeben haben, und auch bei Bekanntwerden dieses Gerüchts war der Kurs der Temenos-Aktie in den USA um 17% gestiegen.
Der Börsenwert lag damals bei rund 9 Milliarden Franken. Seither hatte die Aktie aber fast ein Drittel an Wert verloren. Sie sank bis Anfang März auf noch knapp 78 Franken, notierte aber heute bei 94 Franken, was dem derzeitigen Marktwert von etwa 7,1 Milliarden Franken entspricht.
Nach den jüngsten Quartalszahlen vom Temenos nahm der Umsatz um gut 5% auf umgerechnet rund 215 Millionen Franken zu und der Betriebsgewinn (EBIT) nahm um 4% auf umgerechnet gut 57 Millionen Franken zu.
Noch ist aber auch diese Übernahme noch keineswegs in trockenen Tüchern, sagen die Insider. Zudem habe sich Thoma Bravo schon im letzten Jahr zugleich mit EQT für Temenos interessiert. Laut den anonymen Quellen stehe der Übernahme die hohe Bewertung von Temenos entgegen. Zudem werde "für Private-Equity-Firmen das Geschäftsumfeld angesichts steigender Finanzierungskosten immer schwieriger", so 'Bloomberg' weiter. Auch wird darauf hingewiesen, dass Investmentfirmen, die über reichlich Bargeld verfügen, auf der Jagd nach Wachstumsunternehmen sind, die am Aktienmarkt in Ungnade gefallen sind. Laut dem Bericht hat sich der Wert der Private-Equity-Geschäfte, die auf europäische Unternehmen abzielen, in diesem Jahr auf 159 Milliarden Dollar fast verdoppelt.
Thoma Bravo steht exemplarisch für die Dynamik dieser Entwicklung. Allein in diesem April sind von der Private-Equity-Firma Sailpoint gekauft und Barracuda verkauft worden. Ausserdem macht das Wirtschaftsportal darauf aufmerksam, dass Thoma Bravo die deutsche Software AG und Suse im Auge habe.
Sollte die Übernahme tatsächlich realisiert werden, wäre Temenos nach Avaloq der zweite grosse Schweizer Bankensoftware-Hersteller, der in ausländischen Besitz übergeht. Avaloq wurde im Jahr 2020 für rund 2 Milliarden Franken vom japanischen Technologie-Konzern NEC aufgekauft.

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