Einmal mehr will sich der Bund mit einem Grossauftrag IT-Spezialisten sichern

26. Oktober 2022, 15:08
image
Foto: Andreas Fischinger / Unsplash

Für "Vorhabensaufgleisende Ressourcen" will sich der Bund über 5 Jahre für gut 47 Millionen Franken Spezialistenwissen von Gross- und Kleinunternehmen sichern. Das BIT erklärt die Ausschreibung.

Ab dem 1. Quartal 2023 will sich der Bund für 5 Jahre Spezialisten in den Bereichen Lösungsarchitektur, Business Consulting und Business Requirements Engineering sichern. Ausgeschrieben sind dazu 3 Lose in jeweils 2 Teillosen für Rahmenverträge mit 12 mittleren und grossen sowie mit 12 kleineren Unternehmen, die insgesamt rund 45 Millionen Franken betragen.
Konkret geht es in Los 1 und 2 (mit den Teillosen 1.1 und 1.2) um die "Erarbeitung und Dokumentation der Lösungsarchitektur für Realisierungsprojekte". An die grossen Unternehmen können hierfür maximal 15 Millionen Franken vergeben werden und an die Kleinfirmen mit bis zu 49 Mitarbeitenden maximal 5 Millionen Franken.
In den 2 weiteren Losen geht es bei deren 4 Teillosen ums Business Consulting für das "Erheben, Analysieren sowie Identifizieren und Kommunizieren der Schwachstellen von Business-Prozessen, Organisationsstrukturen, Informatik- und Sachmitteleinsätzen. Ausarbeiten von Anforderungen für das Realisieren von betrieblichen Lösungen. Analysieren des Digitalisierungspotenzials und Beraten, wie dieses umgesetzt werden kann." Hierbei fliessen in den Losen 3 und 4 (mit den Teillosen 2.1 und 2.2) ins Business Consulting und Business Requirements Engineering maximal 15 Millionen Franken an Grossfirmen und höchstens 5 Millionen Franken an Kleinunternehmen.
Zudem bestehen in den zwei letzten Losen (mit den Teillosen 3.1 und 3.2) für die Services in Lösungsarchitektur, Business Consulting und Business Requirements Engineering Kostendächer von 5,45 Millionen Franken für die grossen und 1,5 Millionen Franken für die kleineren Unternehmen.
Wie das federführende Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) auf Anfrage mitteilt, ist der Zweck der Splittung in Teillose "die Förderung sowie die Stärkung der Leistungskraft und Wettbewerbsfähigkeit von kleineren Unternehmen". Hierfür habe man im Pflichtenheft die Anforderungen "entsprechend angepasst, um eine Chancengleichheit gegenüber grösseren und leistungsstärkeren Unternehmen herzustellen", erklärt man beim BIT die hier angewandte Ausschreibungspraxis. Wobei sich die jeweiligen Teillos-Paare im Inhalt der gefragten Skills respektive Funktionen unterscheiden, wie das BIT nachschiebt.

Hundertmillionenaufträge aber keine Synergie

Aufschlussreich ist, dass die Ausschreibung aller 6 Lose "keine konkreten Projekte adressiert". Vielmehr soll so "sichergestellt werden, dass wir bei künftigen Kundenprojekten das benötigte Spezialistenwissen gemäss den Kundenbedürfnissen abrufen können", heisst es bei Bund weiter. Diese Antwort bringt geradezu die Frage auf, ob es nicht jetzt schon zu Überschneidungen bei all den IT-Aufträgen und Rahmenverträgen kommt, die beim Bund nur schon im vergangenen Jahr vergeben worden sind.
So hatte das BIT unter anderem für die SAP-Unterstützung rund 42 Millionen Franken gesprochen, für den IT-Support rund 44 Millionen Franken, für .Net-Dienstleistungen rund 117 Millionen Franken und für die Individualentwicklungen im Java- und Go-Umfeld rund 49 Millionen Franken, um nur einige Rahmenverträge zu nennen. Allein das sind Rahmenverträge für über 250 Millionen Franken.
Nicht berücksichtigt sind dabei die Riesenaufträge von mehr als 600 Millionen Franken unter anderem für Handys, Tablets und Smartwatches und Bildschirme oder für die Netzwerkerneuerungen.

Überschneidungen gibt's aber keine

Also: Warum gibt es bei dieser Ausschreibung zu den "Vorhabensaufgleisende Ressourcen" keine Überschneidungen oder Synergien mit gerade erst erfolgten Auftragsvergaben? Wie oben festgehalten sind laut BIT für diesen Auftrag keine konkreten Projekte definiert, gleichwohl sollen sich aber keine Synergien nutzen lassen: Die erwähnten, früheren Rahmenverträge seien eben den entsprechenden Inhalten vorbehalten, schreibt das BIT. Überschneidungen gebe es nur mit den Rahmenverträgen der Vorgängerausschreibung zu der jetzt erfolgten aus dem Jahr 2017. Da deren "Abrufvolumen nahezu ausgeschöpft ist", sei die neue Ausschreibung nötig geworden.
Auch den Hinweis, dass der Bund ohnehin immer mehr oder weniger die gleichen IT-Dienstleister wie beispielsweise Swisscom, Adesso, Elca, Bechtle, Isolution, Ti&m und so weiter auswählt, lässt das BIT nicht gelten. Man arbeite mit unterschiedlichen Lieferanten zusammen und mit jeder Ausschreibung könnten sich neue Dienstleister anbieten. Zudem trage die in der vorliegenden Ausschreibung gewählte Teillos-Struktur dazu bei "einem breiteren Kreis zum Beispiel auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, ein Angebot zu unterbreiten".
Schliesslich wollten wir noch wissen, wie gross das gesamte Kostendach des BIT über ein Jahr für externe Leistungen ist. Darauf erklärt das BIT zunächst, dass das Budget hauptsächlich durch das Auftragsvolumen der Kundenämter an das BIT bestimmt wird und deshalb von Jahr zu Jahr stark variiert. Im Durchschnitt der letzten 2 Jahre haben man im Auftrag der Kunden rund 150 Millionen Franken für externe Dienstleistungen ausgegeben, so das BIT. Dort gibt man zudem zu bedenken, dass "ein Grossteil der zugeschlagenen Beträge optional über mehrere Jahre hinweg bezogen wird, das heisst, es gibt nur für einen kleinen Teil eine Abnahmeverpflichtung".
Ohnehin müsse man wissen, dass das BIT "seine Leistungen wenn immer möglich mit internen Mitarbeitenden" erbringe. Allerdings sei der "Personalaufwand dabei festgelegt und darf nicht überschritten werden". An externe Dienstleister source man in 3 Fällen aus: Um Auftragsvolumen abzudecken, die "wir nicht mit internen Mitarbeitenden erbringen können", wenn man die entsprechenden "Fachkräfte nicht auf dem Arbeitsmarkt findet" und wenn "temporär spezifisches Know-how benötigt" werde.

Loading

Mehr zum Thema

image

Genfer Kantonalbank gewinnt erneut im Rechtsstreit gegen IBM

Im jahrelangen Gezanke um einen IT-Vertrag hat die BCGE die nächste Hürde genommen. Nun kann nur noch das Bundesgericht IBM vor der Zahlung von 46,8 Millionen bewahren.

publiziert am 25.11.2022
image

Bazl übernimmt EU-Drohnenregeln

Mit den neuen Drohnen-Regeln will der Bund unter anderem die Privatsphäre der Bevölkerung schützen. Insbesondere im Kanton Zürich wartete man schon lange auf verbindliche Regeln.

publiziert am 25.11.2022
image

Aargau migriert die SAP-Basis für 10 Millionen Franken in die Cloud

Der Kanton wechselt von einem On-Prem- in einen Cloud-Betrieb und vergibt den Auftrag für 10 Millionen Franken freihändig an SAP Schweiz.

publiziert am 25.11.2022
image

Meteoschweiz braucht viel Data-Know-how

Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie will seine IT-Architektur umstellen und sucht dafür externe IT-Fachleute.

publiziert am 25.11.2022