EPD verliert in der Bevölkerung an Bedeutung

18. Mai 2022, 13:58
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Foto: Natanael Melchor / Unsplash

Eine Befragung von Bevölkerung und Fachpersonen stellt der Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht nur Bestnoten aus. Grosser Nachholbedarf besteht auch beim E-Patientendossier.

Aktuell bestehe Nachholbedarf bei der Software in Arztpaxen, bei der Spitex, in Spitälern und Heimen. Das ist dem Swiss eHealth Barometer 2022 zu entnehmen. Eine deutliche Mehrheit der dafür befragten 1438 Gesundheitsfachpersonen meldet einen "gewissen" bis "grossen" Verbesserungs- respektive Innovationsbedarf. Laut dem Barometer gilt das vor allem für die digitalen Schnittstellen zu externen Institutionen (76%) und für den Datenschutz und die Datensicherheit (71%). Klarer Nachholbedarf besteht laut der befragten Ärzteschaft, den Spital-CIOs, Pflegekräften und kantonalen E-Health-Verantwortlichen auch bei der digitalen Transformation der Versicherer und Krankenkassen (69%), bei den Apps und anderen digitalen Entscheidungshilfen in der Behandlungskette (67%) sowie bei der digitalen Transformation im E-Government-Bereich zum vereinfachten Datenaustausch mit Behörden (66%).

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Swiss eHealth Barometer 2022
Auch die Befragung von 1207 Schweizerinnen und Schweizern für das Barometer kommt zu eher wenig schmeichelhaften Ergebnissen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die Kenntnis von elektronischen Angeboten wie dem elektronische Patientendossier (EPD) oder Fitness-Apps ist genauso rückläufig wie die von Apps zur Erkennung von Krankheiten und Allergien. Zugelegt hat neben der Kenntnis von Apps zur Messung von Vitalwerten wie Blutdruck und Blutzucker pandemiebedingt auch die des elektronischen Impfausweises.

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Swiss eHealth Barometer 2022
Etwas skeptischer scheinen Herrn und Frau Schweizer hingegen gegenüber der elektronischen Speicherung von Gesundheitsdaten geworden zu sein. Der Anteil derjenigen, die "sehr" und "eher" damit einverstanden sind reduzierte sich von 70 auf 65%.
In Sachen EPD sieht die Lage ebenfalls nicht rosig aus. Von den über 1000 Befragten aus der Bevölkerung nutzten es im Januar 2022 gerade 37. Das bestätigt ein Factsheet des Bundes vom Ende März, indem das noch kaum genutzte EPD sich wegen technischer Probleme, stockender Prozesse und Skepsis in der Bevölkerung als eher langwierige Baustelle präsentiert.
Da verwundert es ein wenig, wenn angesichts dieser Situation das aktuelle Swiss eHealth Barometer die so geringe Zahl der Befragten mit EPD-Erfahrungen für die Abbildung eines breit getragenen EPD-Lobs nutzt. Das betreffe die Tatsache, dass man im Notfall wichtige Informationen verfügbar habe, jederzeit gut über die Behandlungen informiert sei und sich unnötige Behandlungen erspare. Hier liegen die Zustimmungsraten durchwegs bei knapp 90 bis 100%.
Ganz ähnlich positiv, heisst es in der Mitteilung weiter, sehe man auch bei der das EPD nutzenden Ärzteschaft die Lage: "Auch nach den ersten Erfahrungen im Berufsalltag gibt es von der Mehrheit der Gesundheitsfachpersonen Zustimmung für das elektronische Patientendossier (EPD). Gemäss der aktuellen Studie hilft das EPD bei der Prozessoptimierung und der Vermeidung von Doppelspurigkeiten", heisst es in einer Mitteilung zur Studie.
Immerhin wird erwähnt, dass berechtigte Kritik und kritische Stimmen in den Medien existieren, doch "ist das EPD ein wichtiger Schritt für die Zukunft des digitalen Gesundheitswesens", schreiben die Studienverfasser weiter. Es gelte, "das EPD aktiv der Bevölkerung zu empfehlen, um es auch mit zusätzlichen Erfahrungswerten weiter zu verbessern".

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