EU soll globale Standards für KI setzen

23. März 2022, 11:44
image

Europa soll im globalen KI-Wettlauf nicht ins Hintertreffen geraten, finden Abgeordnete. Statt einzuschränken, soll sich die Debatte auf das "enorme Potenzial" konzentrieren.

Nach 18-monatiger Arbeit hat der KI-Sonderausschuss seinen Bericht verabschiedet und Empfehlungen vorgelegt. Die EU sei im Wettlauf um die technologische Führungsrolle ins Hintertreffen geraten, warnt der Ausschuss. Somit bestehe die Gefahr, dass Standards in Zukunft anderswo entwickelt werden, oft von nicht-demokratischen Akteuren. Ziel aber müsse sein, dass die EU als globaler Standardsetzer im Bereich der KI agiert.
Der Textentwurf unterstreicht, dass KI-Technologien entscheidende ethische und rechtliche Fragen aufwerfen könnten. Die Abgeordneten weisen darauf hin, dass es schwierig sei, innerhalb der Weltgemeinschaft einen Konsens über Mindeststandards für den verantwortungsvollen Einsatz von KI zu erreichen.
"Die EU hat jetzt die einmalige Chance, einen auf Menschen zentrierten und vertrauenswürdigen Ansatz für KI auf der Grundlage der Grundrechte zu fördern", so der federführende Europaabgeordnete Axel Voss (CDU, DE).
Die Abgeordneten betonen weiter ihre Sorge über die militärische Forschung und technologische Entwicklungen im Bereich tödlicher autonomer Waffensysteme. Autoritäre Regime setzten KI-Systeme ein, um ihre Bürger zu kontrollieren, massenhaft zu überwachen und zu klassifizieren, heisst es in einer Mitteilung zum Bericht weiter. Dominante Tech-Konzerne würden die Technologie nutzen, um immer mehr Informationen über eine Person zu erhalten und Profile zu erstellen. Dies stelle ein Risiko für demokratische Systeme und den Schutz der Grundrechte dar, so die Abgeordneten.

Vorteile im Zentrum

Trotz der Risiken finden sie aber, dass die Haltung gegenüber KI eine positive sein müsse. Man solle sich in den Debatten auch auf das enorme Potenzial der Technologie konzentrieren. KI treibe die Digitalisierung voran und werde den globalen digitalen Wettbewerb verändern. Die Technologie könne grosses Potenzial in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Klimawandel freisetzen, bei der Hunger- oder Pandemiebekämpfung helfen und zur Lebensqualität der Menschen durch personalisierte Medizin betragen.
In Verbindung mit der notwendigen Infrastruktur, Bildung und Ausbildung könne KI die Produktivität von Kapital und Arbeit, die Innovation, das nachhaltige Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen steigern, schreiben die Ausschussmitglieder.
Dazu brauche es einen Rechtsrahmen, der Raum für Innovationen gebe, und einen harmonisierten digitalen Binnenmarkt mit klaren Standards. Die künftige globale Wettbewerbsfähigkeit der EU im digitalen Bereich hänge von den Regeln ab, die man heute aufstellt, ergänzt Dragoş Tudorache (Renew, RO), Vorsitzender des Ausschusses. "Diese Regeln müssen im Einklang mit unseren Werten stehen: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte und Achtung der regelbasierten internationalen Ordnung. Dies ist von grösster Bedeutung, denn der Kampf zwischen Autoritarismus und Demokratie wird immer schärfer – und leider auch tödlicher, wie wir bei Russlands ungerechtfertigter Invasion in der Ukraine gesehen haben."

Loading

Mehr zum Thema

image

EU wirft wohl einen Blick auf VMware-Übernahme

Befürchtet wird eine eingehende Prüfung durch die Wettbewerbshüter, die den 69-Milliarden-Deal stark verzögern könnte.

publiziert am 24.6.2022
image

Github macht KI-Tool Copilot breit verfügbar

Mit Hilfe von KI soll Entwicklern die tägliche Arbeit erleichtert werden. Copilot ist nun als Erweiterung für gängige Editoren allgemein verfügbar.

publiziert am 24.6.2022
image

Bericht zeigt russische Cyber­aktivitäten seit Kriegs­beginn

Mit dem russischen Angriffskrieg gehen massive Cyber­kampagnen einher. Diese betreffen die Ukraine, aber auch weitere Länder, darunter die Schweiz, zeigt ein Report.

publiziert am 23.6.2022
image

Arbeiten in der virtuellen Welt ist anstrengend

Wie fühlt es sich an, eine Woche lang in der virtuellen Welt zu arbeiten? Eine Studie zeigt, nicht sehr gut, aber vielleicht gewöhnt man sich (ein bisschen) daran.

publiziert am 23.6.2022