Fachkräftemangel bremst Digitali­sierung der Steuer­verwaltung

24. November 2023 um 10:10
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Foto: Raj Rana / Unsplash

Die Eidgenössische Steuerverwaltung tut sich schwer mit dem Recruiting von IT-Fachleuten. Auch beim bundeseigenen IT-Dienstleister BIT gibt es nicht genügend Ressourcen.

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis Ende 2027 alle Daten online eingereicht und von der Verwaltung elektronisch versandt oder publiziert werden können. Auch sollen interne Bearbeitungen durchgängig digital möglich sein.
2018 hat die ESTV das Projekt Fiscal-IT abgeschlossen und in den Betrieb übergeben. Damit hat die Verwaltung bereits einige Ziele erreicht. So seien etwa beim Scanning zwischen 2015 und 2021 rund 30 Stellen eingespart worden, heisst es in einem Bericht der Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK).

Personalmangel führt zu Verzögerungen

Wie aus dem Bericht der EFK hervorgeht, mussten mehrere Digitalisierungsvorhaben der ESTV verschoben werden. Ein Grund dafür war, dass die dafür notwendigen Spezialisten vom Bundesamt für Informatik (BIT) nicht verpflichtet werden konnten oder bestehendes Personal unerwartet für die Entwicklung anderer prioritärer Anwendungen benötigt wurde, etwa für den Bau der Covid-App.
Die ESTV habe Schwierigkeiten, eigene Fachkräfte mit Digitalisierungserfahrung aufzubauen. Ein grosser Teil der Expertise komme von extern, wodurch eine grosse Abhängigkeit entstehe, heisst es bei der EFK. Die IT-Abteilung der Steuerverwaltung beschäftige zwar Digitalisierungsspezialisten, aber keine Softwareentwickler. Zum Teil würden externe Mitarbeitende auch Schlüsselpositionen einnehmen, was zu Risiken im Wissensmanagement und der Unabhängigkeit führen könne.

Auch das BIT muss auf Externe setzen

Mit Ressourcen zu kämpfen hat auch das BIT. Der Markt insgesamt sei ausgetrocknet, sagt das Amt gemäss EFK. Auch könne man oft nicht mit den im Markt gängigen, steigenden Stundensätzen mithalten. Daher beschafft das Amt externe Spezialisten mittels WTO-Ausschreibungen. Diese sind aufwendig und dauern bis zu einem Jahr.
Damit steigt aber auch der Anteil an Externen in den Teams. Den hohen Anteil an Externen habe die ESVT beim BIT beanstandet, so der Bericht. Denn diese Mitarbeitenden dürfen nur so lange beschäftigt werden, wie es in den Laufzeiten der WTO-Verträge vereinbart wurde. Dies wiederum führe zu häufigen und ruckartigen Personalwechseln.

Der steinige Weg zu Core-IT

Die heutige Applikationslandschaft der ESTV ist historisch gewachsen. Die Steuerverwaltung wickelt den grössten Teil ihrer Kernprozesse, zum Beispiel die Erhebung der Mehrwertsteuer, der direkten Bundessteuer, der Verrechnungssteuer und weiterer Abgaben, über die Plattform Core-IT ab.
Diese Plattform – genauer gesagt, Applikationslandschaft – hat ihren Ursprung im Programm Insieme, mit dem die zentralen IT-Anwendungen der Hauptabteilungen hätten abgelöst werden sollen. Nach erheblichen Schwierigkeiten wurde beschlossen, das Programm 2012 abzubrechen. 2013 folgte Fiscal-IT, mit den Zielen, die Komplexität der IT zu reduzieren, die Effizienz zu steigern und die langfristige Operationalität sicherzustellen.

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