Für das Epidemie-Meldesystem des BAG sind weitere Millionen fällig

25. März 2022, 09:37
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Foto: Jonas Zürcher / Unsplash

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) muss knapp 3,8 Millionen Franken nachschiessen, um den Betrieb seiner Meldesysteme bis 2026 aufrecht zu erhalten.

Wie einem Zuschlag auf Simap zu entnehmen ist, sind für die nahtlose "Weiterführung des Betriebs der .NET Meldeplattform für Meldesysteme" bis zum Sommer 2026 weitere 3,8 Millionen Franken fällig. Den ursprünglichen Auftrag hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) für die gesamte Laufzeit vom 1. Januar 2020 bis 31. Juli 2026 für fast 2,6 Millionen Franken an den IT-Dienstleister Ti&m vergeben, der nun auch den Folgeauftrag erhält. Für den Grundauftrag zum Aufbau und Betrieb der Prozesse und Infrastruktur bis zum Sommer 2022 waren damals gut 500'000 Franken veranschlagt und für die weiteren 4 Jahre Betrieb, für Anpassungen und Erweiterungen die übrigen knapp 2,1 Millionen Franken als Optionen gesprochen worden.
Mit diesen Geldern wollte man die Fachanwendung Meldesysteme finanzieren. Darüber werden für die Abteilung Übertragbare Krankheiten des BAG "jährlich rund 80'000 Meldungen der Ärzteschaft und Laboratorien zu rund 55 Krankheitserregern" verarbeitet und weitgehend automatisiert epidemiologisch bewertet (klassifiziert) und zu Berichten für die Überwachung, Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten konsolidiert, hiess es damals im Pflichtenheft.
Dort wird auch festgehalten: "Durch epidemische Krisen entstehen unvorhergesehene Situationen, auf welche der Auftragnehmer innert kürzester Zeit dem Auftraggeber Dienstleistungen mit kompetenten Mitarbeitenden für Systemanpassungen bereitstellen muss". Nur sind diese schon in der Ausschreibung formulierten Skalierungsansprüche noch vor Ausbruch der Corana-Pandemie formuliert worden.

Skalierung allein reichte in der Pandemie nicht aus

Denn dass Ti&m wieder zum Zuge und nun zusätzlich den 3,8 Millionen Franken schweren Auftrag freihändig erhält, wird so begründet: "Bedingt durch unvorhersehbare Anstrengungen im Covid-Umfeld werden die in der WTO 19072 (Zuschlag vom 12. Dezember 2019, A.d.Red.) zugeschlagenen Mittel vorzeitig erschöpft sein".
Weiter wird dann erläutert, dass laut BAG ein Anbieterwechsel Mehrkosten von mindestens 850'000 Franken verursachen würde. Vor allem wäre er mit Risiken für die Systemverfügbarkeit, den Datenschutz und die Datensicherheit verbunden, und würde bei Problemen in der nahtlosen Leistungsabwicklung "weitreichende Folgen für die öffentliche Gesundheit in Zusammenhang mit der herrschenden Covid-Pandemie" verursachen, heisst es zur Erklärung des Freihänders weiter.
Auf Nachfrage erläutert das BAG, warum trotz der im Pflichtenheft formulierten Skalierungsansprüche die Gelder des ersten Zuschlag bereits vor Abschluss der Initialisierungsphase mit Aufbau und Inbetriebnahme der Prozesse und Infrastruktur nicht mehr ausreichen.
Demnach erfolgen allein die Covid-19 Meldungen seit Mai 2020 digitalisiert und in Spitzenzeiten wurden 130'000 Meldungen pro Tag verarbeitetet. "Dieses Volumen wäre ohne Digitalisierung und massive Skalierung des Systems nicht zu bewältigen gewesen", schreibt BAG-Mediensprecher Simon Ming.
Die Skalierung betreffe das Gesamtsystem mit der grundlegenden Architektur, den Schnittstellen sowie CPU und RAM der physischen Systeme.

Corona-Pandemie brachte zusätzliche Anforderungen

Mit der aktuellen Pandemie seien allerdings auch zusätzliche Anforderungen hinzugekommen, fügt er an und nennt konkret 4 Punkte: Die Erfassung der Analysen ausserhalb der Laboratorien (Antigen-Schnelltest), die Einbindung von neuen Akteuren (Apotheken, Covid-19 Testzentren), die Anforderung der Erfassung von Erreger-Varianten (insbesondere der Variant-of-Concerns), die Einbindung der Deklaration für Reisende und Grenzsanitarische Massnahmen (electronic Passenger Location Form).
In der Summe sind dies die "unvorhersehbare Anstrengungen im Covid-Umfeld", die im nun erfolgten Zuschlag genannt worden seien, so das BAG.

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