Gartner: Die Chipnachfrage wird 2024 wieder stark anziehen

5. Dezember 2023 um 10:46
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Foto: Igor Omilaev / Unsplash

Marktforscher sagen nach einem lauen Jahr wieder einen Halbleiter-Boom voraus. In Deutschland könnte die Ansiedelung von Chip­fabriken auf der Kippe stehen.

Gartner sagt für das kommende Jahr einen Aufschwung der Chipnachfrage voraus. 2024 soll der Umsatz mit Halbleitern laut den Marktforschern weltweit um 17% zulegen und bei 624 Milliarden Dollar zu stehen kommen. Die Prognose folgt auf ein schwächliches Jahr: 2023 wird der Markt für Halbleiter verglichen mit dem Vorjahr voraussichtlich um fast 11% auf 534 Milliarden schrumpfen.
"Wir befinden uns am Ende des Jahres und die starke Nachfrage nach Chips zur Unterstützung von Künstlicher Intelligenz wird nicht ausreichen, um die Halbleiterindustrie vor einem zweistelligen Rückgang im Jahr 2023 zu bewahren", sagt Gartnerforscher Alan Priestley in einer Mitteilung. Laut dem VP Analyst sind die geringe Nachfrage nach Smartphones und PCs sowie die Ausgabenreduktion von RZ-Betreibern und Hyperscalern Schuld am Einbruch der Umsätze.
Die Entwicklungen im Bereich der generativen KI und grosser Sprachmodelle werden laut Gartner vor allem die Nachfrage nach GPU-basierten Hoch­leistungs­servern und Beschleunigungstechnologie in Rechenzentren antreiben. Die Analysten schätzen, dass die Integration von KI-Techniken in RZ-Anwendungen bis 2027 dazu führen wird, dass mehr als 20% der neuen Server Workload-Beschleuniger enthalten werden.
Auf Nachfrage und fallende Preise folgt also laut Gartner bald schon wieder eine Trendwende. Zugleich wird weltweit in Chipfabriken investiert, auch um die Abhängigkeiten zu reduzieren. In Deutschland sollen etwa in Magdeburg eine Chipfabrik von Intel und in Dresden eine von TSMC entstehen. Bloss: Es fehlt an Fachkräften. Und es fehlt möglicherweise an Geld.

Hausgemachte Probleme

Die Lücke an Spezialisten für die Chipproduktion soll 82'000 Personen gross sein, berichtet die 'Rheinische Post' mit Verweis auf eine noch nicht publizierte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Es fehle von Schweissern und Mechatronikern über Ingenieure an einer ganzen Palette an Spezial­fähig­keiten.
"Eine grosse und schnell wachsende Fachkräftelücke kann die erfolgreiche Ansiedlung neuer Chipfabriken und den Ausbau bestehender Standorte der Halbleiterindustrie gefährden", zitiert die Zeitung eine Studienautorin. Sie wünscht sich mehr Anreize für ältere Arbeitende sowie eine vereinfachte Zuwanderung von Fachkräften.
Dabei könnte ihr die erstarkende AfD einen Strich durch die Rechnung machen. Zugleich sind die Probleme bereits gross genug: Die Chipfirmen erhoffen sich riesige Subventionen für ihre Fabriken. Intel sollte 9,9 Milliarden Euro erhalten, TSMC rund 5 Milliarden. Die Regierung wollte Kredite für die Bewältigung der Covid-19-Pandemie unter anderem für die industrielle Modernisierung verwenden.
Bloss hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass die Ausgabenpläne verfassungswidrig sind. Sie widersprechen der Schuldenbremse, die Deutschland aus der Schweiz importiert hatte und die den politischen Handlungsspielraum stark einschränkt.
Die Regierung führt derzeit Gespräche, um einen Ausweg aus der Haushaltskrise zu finden und einen überarbeiteten Ausgabenplan für 2024 zu erstellen, berichtet die 'Financial Times'. Wirtschaftsminister Habeck habe gar eine Reise zum UN-Klimagipfel in Dubai abgesagt, um sich auf das Thema zu konzentrieren.

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