HPE fordert 4 Milliarden Dollar von Autonomy-Verantwortlichen

13. Februar 2024 um 12:27
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Foto: Gene Gallin / Unsplash

Vor einem englischen Gericht wird darüber gestritten, wie viel Geld HPE durch die Übernahme von Autonomy verloren hat. Der Betrag könnte tiefer sein, als zuvor behauptet.

Die Anwälte von HPE fordern vom ehemaligen Autonomy-Chef Mike Lynch und seinem Ex-CFO Sushovan Hussain insgesamt 4 Milliarden Dollar Schaden­ersatz. Die beiden haben den Wert ihres Softwareunternehmens vor der Fusion mit HP aufgebläht, um mehr Geld einzunehmen. Dafür haben sie die Buchhaltung ihres Unternehmens frisiert.
Im Jahr 2022 verklagte HPE Lynch vor einem britischen Gericht erfolgreich. Der britische Tech-Tycoon wurde daraufhin an die USA ausgeliefert, wo er sich im Zusammenhang mit der Autonomy-Übernahme wegen Betrugs ver­ant­worten musste. Lynch steht derzeit in San Francisco unter Hausarrest, während Hussain seit 2019 in den USA hinter Gittern sitzt.
Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit der 11-Milliarden-Dollar-Über­nahme des britischen Softwareentwicklers durch HP im Jahr 2011. Nach der Fusion mit Autonomy behauptete HP, das damals noch nicht in HP und HPE aufgespalten war, dass sie über den wahren Wert des Softwareherstellers getäuscht worden wären. 2012 musste der Konzern deshalb eine Ab­schrei­bung in Höhe von 8,8 Milliarden Dollar vornehmen.

Neue Beweise vorgelegt

Bereits 2015 ging HPE gegen Lynch und Hussain vor und verklagte sie in England in einem Zivilverfahren, bevor sie später an die USA ausgeliefert wurden, um sich dort einer Anklage wegen Betruges zu stellen. Der High Court in London entschied damals, dass sich Lynch und Hussain im Vorfeld der Übernahme eines umfangreichen Betruges schuldig gemacht haben, setzte aber noch keine Schadenssumme fest.
Obwohl HPE vor dem Obersten Gerichtshof erfolgreich war, vertrat der Richter die Ansicht, dass der zugesprochene Schadenersatz deutlich unter den geforderten 5 Milliarden Dollar liegen würde. Wie 'The Register' schreibt, haben die Anwälte von HPE bei der jüngsten Anhörung in London jedoch Dokumente vorgelegt, die belegen sollen, dass durch den Übernahmebetrug rund 4 Milliarden Dollar Verlust entstanden sind.

1 Milliarde mehr Wert

Ein Experte für die Bewertung von Unternehmen erklärte, dass Autonomy auf der Grundlage überarbeiteter Informationen etwa 1 Milliarde Dollar mehr wert gewesen sei als die Schätzungen, die zuvor bei der Verhandlung abgegeben wurden. So soll sich der Verlust gemäss der Schätzung von 5 auf rund 4 Milliarden Dollar reduziert haben.
Die definitive Höhe des Schadenersatzes, der HPE wahrscheinlich zu­ge­sprochen wird, ist von mehreren Faktoren abhängig. Einer davon ist, ob das Gericht zum Schluss kommt, dass HP von der Transaktion Abstand genommen hätte, wenn es den wahren Wert von Autonomy gekannt hätte, oder ob es die Übernahme trotzdem vorangetrieben, aber auf einem niedrigeren Preis bestanden hätte.

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