Im OVH-Rechenzentrum fehlte eine auto­matische Lösch­vor­richtung

23. März 2022, 11:40
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Löscharbeiten im Rechenzentrum im März 2021. Foto: Xavier Garreau auf Twitter

Der nun veröffentlichte Feuerwehrbericht zeigt auf, weshalb die Feuerwehr beim Brand in Strassburg 3 Stunden lang zusehen musste.

Ein Jahr nach dem Brand in den Rechenzentren von OVHcloud in Strassburg hat die Feuerwehr des Departements Bas-Rhin ihren Unter­such­ungsbericht veröffentlicht. Unmittelbar nach dem Vorfall wurde bereits spekuliert, ob die Feuer­melde­systeme ordnungsgemäss funktioniert haben und ob im Gebäude überhaupt eine Löschvorrichtung vorhanden war. Während Ersteres laut dem Bericht der Fall gewesen ist, hätte aber insbe­sondere das Fehlen eines automatischen Feuerlöschsystems und einer allgemeinen elektrischen Abschaltvorrichtung den Einsatz der Feuerwehrleute behindert.
Wie das französische 'Journal du net' (JDN) meldet, stellten die Feuerwehrleute bei ihrer Ankunft "Lichtbögen von mehr als einem Meter um die Aussentür des Energieraums" fest, in dem das Feuer ausgebrochen war. "Die Lichtblitze waren beein­druck­end und die Geräusche ohrenbetäubend", heisst es weiter. Zudem habe der Raum lediglich über eine Holzdecke mit einer Brandschutzkapazität von rund einer Stunde und ungedämmten technischen Leitungen verfügt. Zudem scheint sich auch die Raumkühlung des Rechenzentrums negativ auf die Brand­ent­wicklung ausgewirkt zu haben. "Die beiden Innenhöfe fungierten als Brandschornsteine", wird der Untersuchungsbericht zitiert.

Fast 3 Stunden unlöschbar

Während das Feuer laut den Untersuchungsergebnissen am 10. März 2021 gegen 00:40 Uhr ausbrach, traf der Strom­versorger des Geländes bereits um 01:20 Uhr am Ort des Geschehens ein. Die Verantwortlichen seien allerdings auf Schwierigkeiten gestossen, die eine Abschaltung des Stromes verhindert haben. Effektiv sei die Stromversorgung des Standorts erst um 03:28 Uhr abgeschaltet worden, so der Bericht der Feuerwehr. Zu diesem Zeitpunkt habe sich auch noch Strom in den Wechselrichtern befunden, was ein Löscheinsatz unmöglich gemacht habe.
Der Bericht wird auch noch ein juristisches Nachspiel haben. Die Pariser Anwalts­kanzlei Ziegler Associes hatte im Dezember angekündigt, eine Sammelklage gegen OVHcloud einzureichen. Mittlerweile haben sich dieser über 130 Geschädigte angeschlossen. Weil es immer mehr werden, halten sich die Anwälte die Klage noch bis Mitte April offen, damit sich noch weitere Geschädigte anschliessen können. Vorgeworfen wird dem französischen Cloud-Anbieter in der Sammelklage, dass er fahrlässig gehandelt habe und keine ausreichende Entschädigung für die verloren gegangenen Daten seiner Kundinnen und Kunden angeboten hat.

Keine klaren Antworten

Auch mehr als ein Jahr nach dem Vorfall hat sich OVHcloud noch nicht zu der Ursache des Brandes geäussert. Auf Anfrage von 'Data Center Dynamics' teilte das Unternehmen mit, dass es nicht im Detail auf den Bericht der Feuerwehr eingehen könne, da es noch mit seinen Versicherern und Regierungsbehörden an einem offiziellen Bericht arbeite. Ein Datum für die Veröffentlichung dieses Berichts konnte der RZ-Betreiber allerdings keines nennen.
Aus Börsendokumenten geht hervor, dass der Brand bis anhin Kosten von rund 105 Millionen Euro verursacht hat. Nicht einkalkuliert ist dabei allerdings der Reputationsschaden, den das Unternehmen durch den Brand und seine Auswirkungen erlitten hat.

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