IT-Fachkräftemangel: Zuwanderung kann Situation nur ungenügend entschärfen

7. Juli 2022, 08:43
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Foto: Imre Tömösvári / Unsplash

Jede zweite Stelle in der IT ist bereits mit einer ausländischen Fachkraft besetzt. Laut Seco sind die Rekrutierungs­möglichkeiten im Rahmen der Personen­freizügigkeit ausgeschöpft.

Die Schweizer Wirtschaft hat sich von der Corona-Krise erholt und kämpft trotz Personen­freizügigkeit mit dem Fachkräftemangel. Besserung ist nicht in Sicht: In der IT-Branche sind laut den Bundesbehörden sogar die Rekrutierungs­möglichkeiten im Rahmen der Personenfreizügigkeit ausgeschöpft.
Zu diesen Schlüssen kommt das "Observatorium zum Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU" in einem Bericht, den das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) publiziert hat.
Demnach erreichte die Arbeitslosigkeit im Frühjahr 2022 sowohl für die einheimischen als auch die ausländischen Erwerbspersonen das Vorkrisenniveau erstmals wieder und unterschritt dieses in der Folge.

Fachkräftemangel in der IT spitzt sich weiter zu

Damit hat sich das Problem des Fachkräftemangels laut Bericht in verschiedenen Wirtschaftszweigen wieder akzentuiert. Eine vertiefte Analyse widmete das Observatorium der IT-Branche. Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung habe die Anzahl Erwerbstätiger in diesem Bereich seit 2010 um 60% zugenommen.
Der Bedarf ist nach wie vor hoch. Für Firmen wird es aber immer schwieriger, an geeignetes IT-Personal zu kommen. Das inländische Arbeitskräftepotenzial sei in diesem Bereich praktisch ausgeschöpft, so das Observatorium. Die Erwerbsbeteiligung lag demnach im Jahr 2021 bei 92,2% und die Arbeitslosenquote bei tiefen 1,6%.
Fast jede zweite Stelle in diesem Bereich sei deshalb mit ausländischen Fachkräften besetzt worden, heisst es im Bericht. Ohne Zuwanderung wäre das Wachstum demnach kaum zu bewältigen gewesen. Es gebe sogar Hinweise darauf, dass trotz bereits sehr hohen Löhnen selbst die Rekrutierungsmöglichkeiten im Rahmen der Personenfreizügigkeit mittlerweile ausgeschöpft seien. Bereits in den vergangenen Jahren hätten die Firmen deshalb vermehrt auf Arbeitskräfte aus Drittstaaten wie den USA, Grossbritannien oder Indien gesetzt.
Das Problem könnte sich laut Seco sogar noch verschärfen. Da sich die Digitalisierung weiter fortsetzen werde, bleibe auch der Bedarf nach entsprechenden Arbeitskräften hoch. Gleichzeitig steige auch im Ausland der Bedarf nach solchen Fachkräften, die Konkurrenzsituation könnte sich also zuspitzen. Zudem gelten IT-Fachleute als vergleichsweise mobil, viele liessen sich nicht dauerhaft in der Schweiz nieder.

Zuwanderung proportional zur Wirtschaft

Die turbulente Wirtschaftsentwicklung während der Corona-Krise war auch an den Wanderungsbewegungen abzulesen, wie der Bericht weiter ausführt. 2020 seien Auswanderungen und noch stärker Einwanderungen aus dem EU-/Efta-Raum deutlich zurückgegangen, wobei vor allem der Rückgang bei Kurzaufenthaltern einen entlastenden Effekt auf den Arbeitsmarkt gehabt habe. Insgesamt sei das Einwanderungssaldo betreffend EU-/Efta-Raum 2020 mit 29'500 Personen relativ tief gewesen. Bereits 2021 stieg es wieder an und betrug 35'900 Personen.

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