IT-Woche: AWS legt los, aber was ist öffentlichkeitsrelevant?

11. November 2022, 13:47
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Foto: Kristina Flour / Unsplash

Obwohl die Branche scheinbar schon monatelang Bescheid wusste, gab der Start von AWS in der Schweiz zu reden. Wir wurden gefragt: Muss die Öffentlichkeit die Standorte kennen?

"AWS will nun auch Schweizer RZs" und "Wo siedelt AWS seine Schweizer RZ an?" titelten wir im November und Dezember 2020. Die Frage nach den neuen Datacentern umtreibt die Branche also schon jahrelang.
Und die damals durchgesickerten Gerüchte erwiesen sich grösstenteils als wahr. Zwei Jahre danach hat AWS drei "Verfügbarkeitszonen", wie der Anbieter seine RZs nennt, eröffnet. Mehr als "Grossraum Zürich" ist AWS nicht zu entlocken, wenn es um die konkreten Standorte geht, aus Sicherheitsgründen, wie es heisst.
Doch in der Branche ist es ein offenes Geheimnis und wir haben deshalb exklusiv geschrieben, dass sich AWS in Lupfig, Glattbrugg und Winterthur bei Green, Interxion und Vantage einmietet. Aber ist diese Info öffentlichkeitsrelevant, fragte ein User auf Twitter:
Ein anderer User schrieb: "Also ich finde es sehr fragwürdig, dass sich IT Magazine als Cowboys sehen und meinen alles untersteht einem öffentlichen Interesse. Wenn eine private Firma 'aus Gründen' ihre Standorte nicht angeben möchten, dann darf man das doch tolerieren. Oder warum ist das jetzt wichtig?"
Das ist wichtig, weil viele Schweizer Firmen mit das wertvollste, was sie haben – ihre Daten – dort speichern. Für teures Geld, notabene. Und gemessen am Interesse unserer Leserinnen und Leser an allen Artikeln rund um Hyperscaler, Cloud und Schweizer RZ-Standorten sind letztere durchaus öffentlichkeitsrelevant. Ausserdem ist das nicht zuletzt klassischer IT-Journalismus: Bei Microsoft und Google haben wir dasselbe gemacht.
Weit weniger zu reden als erwartet gaben unsere Geschichten zum Ende des Nationalen Transplantationsgesetzes. Weil dort Ende Jahr sämtliche Einträge gelöscht werden und keine Nachfolgelösung bereitsteht, ist das eine Katastrophe für alle Menschen, die auf ein Spenderorgan warten.
Ist also die Lösung, also das Löschen der Daten, schlimmer als das Problem mit dem Datenschutz? Diese durchaus ethische Frage debattieren wir in der aktuellen Podcast-Folge. Fakt ist: Bis im Jahr 2025, dem frühstens Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Transplantationsgesetzes mit der Widerspruchslösung, ist man besser nicht auf ein Spendeorgan angewiesen.

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