IT-Woche: Fachmangellage

9. September 2022, 13:03
  • kolumne
  • rückblick
  • it-woche
image

Diese Woche stand im Zeichen des Fachkräftemangels. Ausserdem wurde ein Geheimnis gelüftet.

Es ist ein Evergreen in Moll, der in der IT-Branche wieder laut ertönt: Es gibt einfach zu wenige Fachleute. Bis 2030 müssten 120'000 neue ausgebildet werden oder zuwandern, sonst droht eine Lücke von fast 40'000 Personen. Das würde einen Wertschöpfungsverlust von 30 Milliarden Franken generieren, hat ICT-Berufsbildung Schweiz vorgerechnet. Fällt die Zahl der Fachkräfte zu tief aus, ist nicht nur die Wirtschaftsleistung bedroht, auch die so dringend benötigten Verbesserungen der ICT-Sicherheit fielen damit flach. Der Schlüssel liegt laut dem Verband in der Berufsbildung, denn noch immer werden fast 80% aller ICT-Abschlüsse von Lehrlingen oder ehemaligen Lehrlingen geholt – auch an den Hochschulen.
Mehr Lehrstellen zu schaffen ist aber gar nicht so einfach. Über die Hürden, Stolpersteine und wenigen Lichtblicke haben wir mit Barbara Jasch gesprochen. Die Betriebswirtin arbeitet seit einem Vierteljahrhundert in der ICT-Berufsbildung und leitet heute ICT Berufsbildung Zürich. Das Problem beschäftige die Branche, seit sie dabei sei, sagt Jasch und erläutert: "Seitdem ist aber der Bedarf an Fachleuten ständig gewachsen. Wenn mal wieder vom 'War of Talents' gesprochen wird, wie gerade eben, ist die Lage düster." In Zürich ruft der Verband jeden Monat 150 Firmen an, um sie für einen ICT-Ausbildungsplatz zu begeistern. Gerade mal 5 bis 8 laden dann zum Gespräch ein und bei jenen, die schliesslich tatsächlich eine neue Lehrstelle schaffen, dauere dies mindestens ein Jahr.
Längerfristig etwas Entspannung soll das Programm "Swiss TecLadies" bringen. Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) hat dieses im September gestartet, um 13- bis 16-Jährige für technische Berufe zu begeistern. Am Eröffnungstag trafen 120 Mädchen, sogenannte Mentees, zum ersten Mal ihre Mentorinnen, bekannte Frauen aus der Technik. Darunter etwa Deborah Müller, Space Technology and Industrial Relations Advisor für die europäischen Raumfahrtagentur ESA. Das Unterfangen könnte einen bescheidenen Beitrag zu einem Kulturwandel leisten, aber das dauert und ist angesichts der düsteren Zahlen gering.
Gar nicht gering sind hingegen die Absichten von AWS in der Schweiz. Seit dieser Woche wissen wir, wo der Hyperscaler seine hiesigen Rechenzentren unterbringen will: Bei Green, Vantage und Interxion in Lupfig, Winterthur und Glattbrugg. Bestätigt hat das nicht AWS, sondern mehrere Quellen aus der Branche. Noch nicht klar ist der Betriebsstart der Standorte – mutmasslich mit grossangelegter PR-Offensive. Ein möglicher Zeitpunkt ist der 29. September, dann feiert AWS seine Swiss Cloud Days in Zürich – wir werden dabei sein und uns weiter umhören.

Loading

Mehr zum Thema

image

IT-Woche: Datenschutz vs. Anwälte – wer gewinnt?

Es läuft die Schlussviertelstunde des Spiels. Aktuell steht es Unentschieden. Die Anwälte sind im Angriff, aber die Datenschützer haben eine starke Verteidigung im Aufgebot.

publiziert am 30.9.2022
image

Vor 39 Jahren: Word 1.0 für MS-DOS erscheint

Im September 1983 brachte das Hause Redmond seine Textverarbeitungs-Software für das Microsoft Disk Operating System, kurz MS-DOS, auf den Markt.

publiziert am 30.9.2022
image

Prantl behauptet: Der Fachkräftenotstand und die "Rache der Büezer"

Heute habe IT-Fachkräfte die längeren Spiesse, sagt unser Kolumnist, nicht mehr ihre Arbeitgeber.

publiziert am 26.9.2022
image

IT-Woche: Zum Leben zu wenig…

Es geht nicht nur im Gesundheitswesen um Leben und Tod, sondern auch in der IT.

publiziert am 23.9.2022 1