IT-Woche: Fear and Loathing im Cyberspace

17. Juni 2022, 13:12
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Der Untergang einer Software-Firma, die Sperrung des Schweizer Luftraums und die Ransomware-Abwehr eines Kantonsspitals machten diese Woche Schlagzeilen.

Ein Ende mit Schrecken gibt es im Fall Educase, der Schulsoftware, die in Luzern und anderswo für rote Köpfe, finanzielle Verluste und politische Debatten gesorgt hatte. Base-Net Education, die Entwicklerfirma, gibt auf und stellt den Betrieb ein. Die negativen Schlagzeilen hätten die Reputation nachhaltig zerstört, lautet deren Begründung. Das bestätigt auch Appenzell Ausserrhoden, wo die Software noch immer im Einsatz ist. Der Kanton muss nun in aller Eile und mit hohem Aufwand Ersatz beschaffen. Das Vertrauen in die Firma "ist seit längerem stark beeinträchtigt", schreibt uns das dortige Bildungsdepartement.
Dem Schrecken ein Ende bereitete bei der Flugsicherheit Skyguide ein neuer Switch. Sein kaputter Vorgänger sorgte für eine derart gravierende Panne in der Informatik, dass praktisch der gesamte Luftraum über der Schweiz für mehrere Stunden gesperrt werden musste. Ein Failover scheiterte, weil der redundante Switch die Fehlfunktion des ersten Geräts nicht erkannte. Mehr Details wollte Skyguide-Chef Alex Bristol nicht preisgeben. Möglicherweise hätte der Totalausfall verhindert werden können, wäre ein bereits 2011 geplantes Projekt durchgeführt worden. Der Abschluss wird aber erst im Jahr 2027 erwartet.
Schrecken ohne Ende könnte indes drohen, wenn Hacker die kritische Infrastruktur systematisch attackieren. Der Vorfall bei Skyguide muss ein Weckruf sein, endlich Massnahmen zu ergreifen. Immerhin laufen in den Räten derzeit mehrere Vorstösse. Im Kanton Basel-Stadt wurde Anfang Juni eine Motion angenommen, die eine kantonale Meldestelle fordert: Ein Mitautor erklärte uns, das Engagement in der Schweiz sei nicht zufriedenstellend, aber auch der Kanton habe dringenden Nachholbedarf. Zudem seien hiesige Firmen oftmals fahrlässig unterwegs.
Dem Schrecken (und je nachdem auch dem Ende) kam das Spital Schwyz zuvor. Wir haben mit dem dortigen IT-Leiter über das Sicherheitsdispositiv gesprochen. Schliesslich rückt der Gesundheitssektor in der Schweiz mehr und mehr in den Fokus der berüchtigten Hackerbanden. In Schwyz wurden nun diverse Massnahmen ergriffen: Von Geoblocking über ein Offline-Backup und ein beständiges Scanning nach Lücken bis zu Krisentrainings und einem Notfallplan. Das tut Not, denn was passieren kann, wenn ein Spital gehackt wird, zeigte sich im letzten Jahr in Irland drastisch. Ganz beruhigt schlafen wird man also auch in der Innerschweiz nicht.
Und a propos Fear and Loathing: Wir waren diese Woche an der Cisco Live in Las Vegas.

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