IT-Woche: In- und ausserhalb des Cyberspace

18. März 2022, 16:36
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Das Parlament interessiert sich plötzlich für Cyberabwehr und der Bund bezahlt für neue Monitore über 1000 Franken – pro Gerät, notabene.

Ransomware-Angriffe, DDoS-Attacken und andere Cyberangriffe: Es "chlepft" und "tätscht" nur so. Links, rechts, hinten, vorne, unten und oben. Nicht seit heute, nein, seit Monaten, wenn nicht seit Jahren. Da passt es doch ganz gut, dass diese Woche ein 6-köpfiges Grüppchen aus Parlamentarierinnen und Parlamentariern die "Gruppe Cyber" gegründet hat. Am selben Tag, an dem die Migros-Tochter Lüchinger + Schmid von Cyberkriminellen angegriffen worden ist und an dem das Deutsche Amt für Cybersecurity dazu geraten hat, Kaspersky-Software zu verbannen.

In der Armee ist überall IT drin

Der überparteiliche Zusammenschluss soll dabei helfen, Politik, Industrie und Wirtschaft rund um das Thema Cybersicherheit zu vernetzen. "Wann, wenn nicht jetzt", fragte FDP-Politikerin Doris Fiala am Gründungsanlass, "ist der richtige Zeitpunkt für die Gründung einer parlamentarischen Gruppierung zum Thema Cybersicherheit?" Nun, angesichts der Umtriebigkeit der Cyber-Gangster ist die richtige Antwort eben nicht "jetzt", sondern eher "gestern", wenn nicht sogar "vorgestern." Obwohl es pressiert beziehungsweise eigentlich schon zu spät ist, wie auch eine Nationalrätin im Gespräch bestätigte, gabs auch gute Nachrichten: "Es sind keine Cyberangriffe auf oder in der Schweiz bekannt, die in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine stehen", sagte Bundesrätin Viola Amherd. Trotzdem wollte sie sich auf Nachfrage von inside-it.ch nicht auf die Äste hinauslassen, wie viel Geld tatsächlich für die Cyberabwehr zur Verfügung steht. Es sei überall IT drin, sagte die Verteidigungsministerin sinngemäss.

3 Monitore für jeden Bundesbeschäftigten

Wie viel Geld der Bund für profane Bildschirme ausgibt, steht indessen fest: Für sage und schreibe 150 Millionen Franken sollen neue Monitore beschafft werden. Für gut 40'000 Mitarbeitende sind bis Juni 2025 bis zu 140'000 neue Geräte vorgesehen. Wer rechnen kann, kommt auf über 3 Monitore pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter, die je 1071 Franken kosten. Im Preis inbegriffen sind Installation und Inbetriebnahme der Geräte, Garantie und Support via Telefon und E-Mail sowie die Entsorgung von alter Hardware. Teuer bleibt die Anschaffung aber trotzdem, wenn man davon ausgeht, dass für die Hardware selbst bestenfalls 100 Franken pro Gerät anfallen.

IT-Projekte in Gemeinden habens nicht leicht

Nicht ganz so viel Geld, aber doch immerhin 25 Millionen Franken, hat die Stadt Bern in das IT-Projekt Base4Kids gesteckt. Dieses hat stürmische bis orkanartige Zeiten hinter sich. Zu diesem Urteil kommen nicht nur wir, sondern auch der offizielle Untersuchungsbericht zum Projekt. Die "bescheidene ressourcenmässige Ausstattung des Schulamts" sowie der Verzicht auf eine externe, vom Auftragnehmer unabhängige professionelle Projektleitung hätten schliesslich dazu geführt, dass mit Abraxas de facto der Lieferant die Projektleitung übernahm. Der Schlussbericht bezeichnet dies als "No-Go", im Podcast nennen wir es schlicht "Interessenskonflikt."
Mit einem Interessenskonflikt muss sich auch die Gemeinde Pfäffikon ZH auseinandersetzen. Zwei IT-Anbieter, die bei einer Ausschreibung unterlegen waren, monieren Befangenheit des Informatik-Verantwortlichen von Pfäffikon. Dieser arbeitet beim Gewinner der 3 Millionen schweren Outsourcing-Ausschreibung. Ob dieser Auftrag nun tatsächlich zustande kommt, muss das Verwaltungsgericht Zürich entscheiden.

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