IT-Woche: Spuk im BSI

14. Oktober 2022 um 10:09
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Foto: Carlos Nunez / Unsplash

Im deutschen Bundesamt für IT-Sicherheit lief's diese Woche nicht ganz rund. Vorwürfe, Spekulationen, Forderungen seitens Kaspersky…

In Deutschland trieb angeblich etwas – genauer gesagt jemand – sein Unwesen in der IT-Sicherheit. Dieser jemand ist auch ganz zufällig für das Bundesamt für Cybersicherheit (BSI) verantwortlich. Der Leiter des BSI, Arne Schönbohm, soll über einen von ihm gegründeten Verein und ein Cybersecurity-Unternehmen Verbindungen zu russischen Geheimdiensten unterhalten. Die Vorwürfe gehen auf Recherchen der Sendungen "Magazin Royale" zurück, die getarnt war als "Satirebeitrag". Seine Spur soll bis in den Kreml führen, hiess es im Beitrag. Über seine Absetzung wird derzeit heiss in den Medien diskutiert. Die Bundesinnenministerin Nancy Faeser soll bereits schon über die Absetzung des BSI-Chefs entschieden haben, schreibt beispielsweise die Nachrichtenagentur 'AFP'. Eine Bestätigung gibt es derweil noch nicht. Nun wurde auch der geplante gemeinsame Auftritt von Bundesministerin Nancy Faeser und Schönbohm zu Vorstellung des BSI-Jahresberichtes abgesagt.
Und der Spuk geht weiter. Das BSI musste sich diese Woche um ein zusätzliches Geplänkel sorgen. Zank und Rangelei gibt's nämlich auch seitens Kaspersky. Ohne Beweise oder Sicherheitslücken angeben zu können, warnt das BSI noch immer vor der Software des Security-Spezialisten. Der will, dass sich das ändert. Die am 15. März 2022 veröffentlichte Warnung vor der Antivirensoftware soll zurückgezogen oder zumindest angepasst werden. In der Warnung empfiehlt das deutsche Amt, die Software durch alternative Produkte zu ersetzen. Der Grund: Antivirensoftware muss mindestens für Aktualisierungen eine dauerhafte und verschlüsselte Verbindung zu Servern des Herstellers unterhalten, die laut BSI nicht überprüfbar ist. Das BSI hält die Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit des russischen Herstellers Kaspersky im Kontext des Ukraine-Krieges für "fraglich". In der aktuellen Schönbohm-Fehde doch sehr ironisch…
Derweilen hierzulande…
Auch bei Coop hat's diese Woche gespukt. Am Montagmorgen konnte man an den Kassen weder mit Maestro- oder Kreditkarten noch mittels Twint-App bezahlen. Heimgesucht wurde das Detailhandelsunternehmen von einer Netzwerkstörung, die bis am Montagabend andauerte. Die Störung ist mittlerweile aber behoben.
Währenddessen diskutiert man im Nationalrat über ein Verfassungsrecht auf "digitale Integrität". "Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit." So lautet der Artikel 10.2 im Kapitel Grundrechte der Schweizer Verfassung.
Eine vom Nationalrat Samuel Bendahan (SP/VD) eingereichte Initiative verlangt, dass auch die "digitale" Unversehrtheit bzw. Integrität zum Artikel hinzu kommt.
Mitunterzeichnet haben sie 30 Ratsmitglieder aus allen politischen Parteien. "Die Daten über uns müssen uns gehören und wir müssen eine gewisse Kontrolle über sie haben. Eine missbräuchliche Verwendung dieser Daten ohne unsere Zustimmung oder gegen unsere Interessen darf nicht zugelassen werden", erklärt Bendahan zum Kernanliegen gegenüber inside-it.ch. Rechtsexperten sehen den Vorschlag aber kritisch.

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