IT-Woche: Unerschütterlicher Glaube bei Verwaltung und Armee

22. April 2022, 14:40
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Die Zürcher Verwaltung soll in die Microsoft-365-Cloud, die Schweizer Armee will ins Rechenzentrum "Kastro II". Beides wirft Fragen auf.

Der Regierungsrat Zürich lässt den Einsatz der Cloud-Lösung Microsoft 365 in der kantonalen Verwaltung inklusive der Kantonspolizei zu. Neben allerhand Vorteilen sieht er kaum Nachteile, auch nicht in Sachen Datenschutz. Die Regierung liess berechnen, dass etwa die US-Behörden nur gerade jedes Jahrtausend mal nach Informationen fragen, die diese unter dem Cloud Act auch erzwingen könnten.
Ganz geheuer ist es dem Regierungsrat aber offenbar doch nicht: Er sieht die Stelle eines Cloud-Sicherheitsbeauftragten vor, der Cloud Compliance, die Auditierung bestehender Cloud-Lösungen und die Überwachung der Risikosituation verantworten soll. Zudem plant die Regierung zusätzliche Sicherheitsmassnahmen, auch für die Datenübermittlung über die Microsoft Cloud. Neben den Gefahren eines Data Breaches wäre ihr wohl auch ein Jahrtausend-Datenschutzskandal mit Behördendaten unter "Lawful Access" einer ausländischen Behörde eher unangenehm.
Der Trend in die Cloud wird sich kaum mehr aufhalten lassen. 2023 soll das Gesamtvolumen des Cloud-Service-Marktes die 500-Millionen-Dollar-Marke erstmals übersteigen und gleich gegen 600 Milliarden erreichen. Das sagen Marktforscher von Gartner. Der grösste Teilmarkt wird nun auch von der Zürcher Verwaltung befeuert (mit einem zugegeben vergleichsweise bescheidenen Budget): Software-as-a-Service soll dieses Jahr für knapp 177 Milliarden Dollar verkauft werden.
Nicht in die Cloud sondern in ein eigenes Rechenzentrum will die Schweizer Armee. Bloss: Es klemmt und harzt in der noch nicht ganz 1000-jährigen Geschichte. Die Fertigstellung des RZs "Kastro II" verzögert sich weiter. Das ist jener Bau, der ursprünglich auf dem ehemaligen Munitionslager Mitholz hätte entstehen sollen, wo 1947 drei grosse Explosionen immensen Schaden angerichtet haben: Rund 3500 Tonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff sollen noch immer in den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel davor liegen.
Am neuen Standort soll der Bau nun nochmals teurer werden, weil dort keine "Synergien mit bestehenden Anlagenteilen" genutzt werden könnten. Was das Ganze kostet, dürfte sich erst abschätzen lassen, wenn der Kreditantrag vorliegt.

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