Kanton Luzern führt digitale amtliche Beglaubigungen ein

11. Oktober 2022, 09:57
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Foto: 戸山 神奈 / Unsplash

Mit einem elektronischen Siegel soll "einer der letzten Medienbrüche" in der Luzerner Verwaltung eliminiert werden.

Zusammen mit Swisscom Trust Services, Intrasys und CMI hat der Kanton Luzern ein elektronisches Siegel für digitale amtliche Beglaubigungen auf der Geschäftsverwaltungslösung Gever eingeführt. Die Verwaltungssoftware sei stets da an ihre Grenzen gestossen, wo Dokumente amtlich beglaubigt werden mussten, heisst es in einer Mitteilung von Swisscom. Mit der neuen Lösung will der Kanton "einen der letzten Medienbrüche" in der Verwaltung beseitigen und den Mitarbeitenden so mehr ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen.
Während eine elektronische Signatur an eine natürliche Person gebunden ist, beziehen sich Siegel auf juristische Personen. Ein digitales Siegel kann also an eine Behörde, ein Unternehmen, einen Verein oder andere Institutionen gekoppelt sein. Um Rechtsverbindlichkeiten zu schaffen sei es deshalb wichtig, dass hinter den elektronischen Siegeln qualifizierte Zertifikate stehen, schreibt Swisscom. Durch eine strenge Regulierung und Auditierung soll somit ein möglichst hohes Sicherheitsniveau gewährleistet werden.

Speicherung in eigenen Rechenzentren

Die Herausforderung bei der Implementierung sei insbesondere darin bestanden, dass die digitalen Dokumente mit der gleichen Rechtssicherheit ausgefertigt werden können wie mit einem Stempel beglaubigte Schriftstücke. Dazu müssten auch strenge Datenschutzvorgaben eingehalten werden. Unter anderem sollen die sensiblen Dokumente nicht an externe Dienstleister herausgegeben werden und vollständig in einem kantonalen Rechenzentrum aufbewahrt werden, bis sie den entsprechenden Bürgern, Unternehmen oder Institutionen digital zugestellt werden.
Die Realität heute sieht noch ganz anders aus: "Ein Entscheid entsteht zwar elektronisch, muss dann aber ausgedruckt und unterschrieben oder gestempelt werden, bevor er dann postalisch verschickt werden kann. Durch den Einsatz des elektronischen Siegels können wir diesen Medienbruch verhindern und bis zum Schluss des Prozesses digital bleiben“, sagt Dario Schaller, Product Manager E-Government Services, Projektverantwortlicher seitens des Kanton Luzern in der Mitteilung.

Pionierrolle eingenommen

Bisher sei die Anzahl der elektronisch gesiegelten Dokumente noch überschaubar, sie soll aber laufend gesteigert werden. Im Herbst dieses Jahres soll der Kanton zudem die Einführung einer digitalen Signatur planen. "Diese neuen technologischen Möglichkeiten sind nicht nur für die Optimierung unserer internen Abläufe wichtig, sondern werden auch zunehmend von Bürgern nachgefragt", so Schaller. Der Kanton habe mit der Einführung der geregelten elektronischen Siegel eine Vorreiterrolle eingenommen.
Die entsprechende Rechtsprechung sei noch jung und es gebe auch nur wenige Anbieter von solchen Lösungen auf dem Markt. Vor diesem Hintergrund sei die Kooperation ein voller Erfolg gewesen.

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