KI-Tool soll Sepsis früher erkennen

25. Juli 2022, 13:45
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Forschende der Johns Hopkins Universität haben ein Tool entwickelt, das Sepsis-Symptome früher erkennen und Todesfälle verhindern soll.

In der Schweiz erkranken Schätzungen zufolge jedes Jahr 15'000 Menschen an einer Sepsis; knapp ein Drittel der Patienten stirbt trotz einer Therapie an den Folgen. Eine Sepsis eindeutig zu erkennen, ist oft schwierig. Die Erkrankung entwickelt sich sehr schnell und wird oft fehlgedeutet. Verzögerungen entscheiden über Leben und Tod.
Forschende um die Medizin-Informatikerin Suchi Saria von der US-amerikanischen Johns Hopkins Universität haben nun ein unterstützendes Tool für die Entscheidungsfindung entwickelt. Wird dieses Tool angewendet, sterben Patienten mit einer 20% geringeren Wahrscheinlichkeit an einer Sepsis, so die Ergebnisse einer Studie. Diese wurde mit Daten von mehr als einer halben Million Patienten aus den USA durchgeführt.

Tool basiert auf Künstlicher Intelligenz

Das von Ärzten und Informatikern entwickelte Frühwarnsystem basiert auf KI. Dabei seien zahlreiche Risikomuster und eine Vielzahl von Datenquellen verwendet worden. Kombiniert werden etwa Daten aus Patientendossiers, Laborergebnisse oder aktuelle Symptome. Während der Studie haben mehr als 4000 Ärzte aus fünf Krankenhäusern die KI bei der Behandlung von 590'000 Patienten eingesetzt. Das System überprüfte gemäss der Publikation auch 173'931 frühere Patientenfälle.
Das System erkenne entsprechende Symptome durchschnittlich fast sechs Stunden früher als herkömmliche Methoden, wie die im Fachmagazin 'Nature Medicine' publizierte Studie weiter zeigt. Das Ziel ist es, Patienten möglichst rasch zu identifizieren, bei denen das Risiko lebensbedrohlicher Komplikationen besteht.
  • "AI speeds sepsis detection to prevent hundreds of death", Johns Hopkins University.
  • Suchi Saria et al.: "Factors driving provider adoption of the TREWS machine learning-based early warning system and its effects on sepsis treatment timing", in: 'Nature Medicine', 21. Juli 2022.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation 'Medinside.ch'.

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